1. Startseite
  2. Region
  3. Main-Taunus
  4. Kriftel

Bahn will "Veränderung" am Krifteler Übergang prüfen

Erstellt:

Von: Ulrike Kleinekoenen

Kommentare

Sonntagabend am Bahnübergang Paul-Duden-Straße: Polizei und Einsatzkräfte der Feuerwehr sichern den Unfallort ab. FOTO: Luca Simon/ Wiesbaden112
Sonntagabend am Bahnübergang Paul-Duden-Straße: Polizei und Einsatzkräfte der Feuerwehr sichern den Unfallort ab. © 112/Luca Simon

SPD verliert mit Werner Moritz-Kiefert "ein prägendes Gesicht im Main-Taunus-Kreis"

Kriftel -Auch drei Tage nach dem tragischen Unglück Sonntagabend am Bahnübergang Paul-Duden-Straße, wo der 74 Jahre alte Werner Moritz-Kiefert mit seinem Assistenzhund Yogi von einer S-Bahn erfasst und tödlich verletzt wurde, ist die Bestürzung groß. Der schwerst sehbehinderte Kommunalpolitiker hinterlässt nicht nur bei der Krifteler SPD, deren Vorsitzender er seit neun Jahren war, sondern auch in der Kreistagsfraktion, der er seit 2011 angehörte, eine große Lücke. Wir sind fassungslos über seinen plötzlichen Tod", zeigt sich SPD-Fraktionsvorsitzender Dr. Philipp Neuhaus tief erschüttert: "Unser Genosse und Freund Werner Moritz-Kiefert wird uns sehr fehlen - besonders als außergewöhnlicher Mensch, aber auch als Fraktionsmitglied, das mit seinem unermüdlichen und kompetenten Wirken einen ganz wichtigen Beitrag für unsere politische Arbeit beisteuerte." Besonders habe immer wieder beeindruckt, "wie er trotz seiner Sehbehinderung seinen Alltag selbstbestimmt meisterte, seine politische Mitarbeit stets sehr akribisch betrieb und immer bestens im Bilde war."

Bei seinem unermüdlichen Einsatz sei der verheiratete Vater von drei Kindern "immer streitbar und meinungsstark, dabei aber durchweg ein fairer und geschätzter Diskussionspartner" gewesen, dessen Meinung Gewicht und Geltung über Parteigrenzen hinweg besessen habe, heißt es im Nachruf der Kreistagsfraktion. Der Vorsitzende der SPD Main-Taunus, Michael Antenbrink, erklärt: "Mit Werner Moritz-Kiefert verlieren wir eines der prägenden Gesichter der SPD im MTK."

Indes mehren sich die Stimmen, die endlich ein Handeln der Bahn fordern. Nach dem tödlichen Unfall eines Radfahrers 2012 hatte die Gemeinde nach einem einstimmig verabschiedeten Antrag der Grünen Kontakt mit der Deutschen Bahn aufgenommen, um auf eine Erhöhung der Sicherheit durch eine Voll- statt der Halbschranke oder ein akustisches Warnsystem hinzuwirken.

"Akustische Signale stören Anwohner"

Erst im März 2013 gab es ein offizielles Schreiben der DB Netz mit der Information, dass die Bahn keine Veranlassung sieht, etwas zu ändern. Wer "rechtswidriges Verhalten" an den Tag lege, habe dies selbst zu verantworten, so die DB damals. Außerdem seien akustische Signale in der Regel nicht vorgesehen, um eine Lärmbelästigung von Anwohnern zu vermeiden.

Die ebenfalls sehbehinderte und lange Jahre in Kriftel lebende Karin Muhr ist nach dem Tod von Werner Moritz-Kiefert, mit dem sie freundschaftlich verbunden war, "nicht nur zutiefst erschüttert, sondern auch wütend". Sie fragt: "Wie viele Menschen müssen dort und anderswo noch zu Schaden und gar zu Tode kommen, bis die Bahn sich herablässt, über Alternativen zu den lebensgefährlichen Halbschranken nachzudenken und hoffentlich endlich positiv zu reagieren?" Die DB verhalte sich ignorant und menschenverachtend und das nicht nur Menschen mit Behinderung gegenüber, denn das entstandene Leid treffe viele, die Familien, Freunde, Nachbarn und Kollegen und lösche Leben aus, das noch sinnvoll und mutig hätte weitergelebt werden können."

Bereits vor drei Wochen war ein 12-jähriger Junge an dem Übergang gestorben. Auf Nachfrage dieser Zeitung, ob es nicht an der Zeit sei, die Forderung nach Vollschranken neu zu überdenken, erklärte gestern eine Bahnsprecherin: "Wir werden die Bahnübergangsanlage unabhängig vom Ergebnis der noch laufenden Untersuchung zur Unfallursache umgehend gründlich prüfen, um zu schauen, ob eine Veränderung hier sinnvoll und machbar wäre." Denn: Jeder Unfall sei einer zu viel.

KOMMENTAR

Dieser Unfall wäre vermeidbar gewesen

Von Ulrike Kleinekoenen

So bitter es auch klingen mag: Dieser Unfall Sonntagabend am Bahnübergang Paul-Duden-Straße hätte vermieden werden können. Eine Vollschranke hätte den blinden Werner Moritz-Kiefert vor dem herannahenden Zug gewarnt und ihn am Überqueren der Gleise gehindert. Nach einem tödlichen Unfall vor mittlerweile zehn Jahren hatte die Bahn keine Veranlassung und keine Verantwortung gesehen, den Übergang mit Vollschranken auszubauen. Es bedurfte nun nach dem grausamen Tod eines 12-jährigen Jungen vor drei Wochen eines weiteren Unfalls an dieser Stelle, damit sich die Bahn endlich regt: Man werde die Bahnübergangsanlage umgehend gründlich prüfen, ob eine Veränderung hier sinnvoll und machbar wäre, heißt es. Auch ohne Prüfung steht jetzt schon fest, dass eine Vollschranke hier nicht nur sinnvoll, sondern dringend notwendig ist. Und das schnell. Zumal immer mehr Radfahrer und Fußgänger diesen Bahnübergang nutzen. Wie schreibt die Bahn selbst: "Jeder Unfall ist einer zu viel."

Seit Jahren hat sich Werner Moritz-Kiefert auf seine Assistenzhunde verlassen, hier mit Schäferhündin Eileen. FOTO: Archivfoto: nie
Seit Jahren hat sich Werner Moritz-Kiefert auf seine Assistenzhunde verlassen, hier mit Schäferhündin Eileen. © Hans Nietner
Der Bahnübergang ist nur mit einer Halbschranke gesichert. Werner Moritz-Kiefert ging, wie Sehbehinderte es tun, links. FOTO: ulk
Der Bahnübergang ist nur mit einer Halbschranke gesichert. Werner Moritz-Kiefert ging, wie Sehbehinderte es tun, links. © ulk

Auch interessant

Kommentare