Ein Blindenhund hat eine anspruchvolle Aufgabe

Buddy weist Karin Muhr den Weg

Seit Mitte April steht Buddy als treuer Begleiter Karin Muhr auf Schritt und Tritt zur Seite. Der junge Labradoodle ist der neue Führhund der Blinden, die in der Obstbaugemeinde durch ihr Engagement

Seit Mitte April steht Buddy als treuer Begleiter Karin Muhr auf Schritt und Tritt zur Seite. Der junge Labradoodle ist der neue Führhund der Blinden, die in der Obstbaugemeinde durch ihr Engagement im Bündnis für ein barrierefreies Kriftel bekannt ist. Buddy ist der Nachfolger von Petterson, der im Oktober in den Ruhestand gegangen und von Muhr an ein älteres Ehepaar in Hannover vermittelt worden ist.

„Dort geht es ihm richtig gut“, freut sich Muhr, dass sie für den großen, grauen und 40 Kilogramm schweren Russischen Terrier ein liebevolles neues Zuhause gefunden hat. Neun Jahre lang hat er ihr treue Dienste geleistet. Auch bei Pettersons drei Vorgängern hat Karin Muhr stets eine neue Bleibe gesucht für ihre vierbeinigen Begleiter, wenn die krankheits- oder altersbedingt nicht mehr ihren Dienst als Blindenführhund ausüben konnten. „Ich kenne keinen Fall, wo ein Blindenführhund ohne gesundheitlichen Grund eingeschläfert worden ist und kann mir auch nicht vorstellen, dass sich hierfür ein verantwortungsvoller Tierarzt finden lassen würde“, sagt Muhr. „Es ist deprimierend, dass solche Vorurteile vor allem blinden Menschen entgegengebracht werden, die ihre Hunde in aller Regel lieben, gut behandeln und für die sie, wie in meinem Fall, sogar den Wohnort wechseln“, sagt die 62-jährige. Denn in Kriftel gebe es kaum noch Orte, wo sich Buddy mal austoben kann, der wesentlich drahtiger als Petterson ist und nur halb so viel auf die Waage bringt. Das sei aber wichtig, damit der Hund einen Ausgleich für seinen Job als Blindenführer habe. Buddy ist noch keine drei Jahre alt und eine Kreuzung zwischen Labrador und Großpudel. Der Bewegungsdrang des jungen und manchmal noch etwas ungestümen Rüden wird deutlich beim Dummy-Training, das für den Foto-Termin ausnahmsweise in der Grünanlage des Josef-Wittwer-Hauses stattfindet, in dem Muhr mit Buddy lebt.

Bei diesem speziellen Training geht es darum, den Jagdtrieb des Hundes im Zaum zu halten, damit er sich beispielsweise nicht von einem vorbeihuschenden Hasen von seinem Dienst ablenken lässt. Deshalb darf Buddy den Dummy-Beutel auch erst apportieren, wenn Muhr das Kommando gibt. Wenn er den Dummy endlich holen darf, freut sich der Vierbeiner und umkreist stolz mit seiner „Beute“ im Maul sein Frauchen. Der Labradoodle hat bei dem Training seinen Spaß, weil das praktisch die einzige Möglichkeit ist, mal richtig Tempo geben zu können.

Das wird sich ändern, wenn Muhr im Oktober in eine spezielle Wohnanlage für Sehbehinderte in einem Seniorenzentrum in Frankfurt zieht, die an einen Park angrenzt. Buddy, der neben seinem speziellen Dienstgeschirr auch in seiner „Freizeit“ mit einer Kenndecke als Blindenführhund gekennzeichnet ist, darf dann überall frei herumlaufen. Und seinem Frauchen machen keine Brennnesseln und Brombeersträucher mehr zu schaffen, mit denen sie beim Gassigehen im Außenbereich in Kriftel oft Probleme hat. Die gebürtige Frankfurterin, die zunächst als Redakteurin und später in der Arbeitsvermittlung von Schwerbehinderten tätig war, setzt mit ihrem Umzug insgesamt auf ein verständnisvolleres Umfeld, in dem sie eben nicht beim Ordnungsamt angeschwärzt wird, weil sie die Hinterlassenschaften ihres Hundes nun mal nicht wegräumen kann. „Ich verlasse Kriftel mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt Karin Muhr.

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