In den vergangenen Tagen hat Obstbauer Berthold Heil aus Kriftel bei Frankfurt seine Erdbeerpflanzen auf Stroh gebettet, so liegen die Früchte luftig, können schnell abtrocknen und sind geschützt.
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In den vergangenen Tagen hat Obstbauer Berthold Heil aus Kriftel bei Frankfurt seine Erdbeerpflanzen auf Stroh gebettet, so liegen die Früchte luftig, können schnell abtrocknen und sind geschützt.

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Krifteler Obstbauer klagt über fehlende Sonne und Regen für Erdbeeren

  • Ulrike Kleinekoenen
    vonUlrike Kleinekoenen
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Die Stände direkt am Feld werden voraussichtlich Mitte Mai öffnen. Die Pandemie stellt auch die Obstbauern in Kriftel bei Frankfurt vor besondere Herausforderungen.

Kriftel - Michael Hoss will in der nächsten Woche die ersten frischen Erdbeeren vom Feld pflücken. Seit vergangenem Sonntag bietet der Obstbauer bereits in seinem Hofladen die beliebten roten Früchte an, die er erstmals im Folientunnel angepflanzt hat. "Die schmecken richtig gut", sei er selbst überrascht gewesen von der Qualität. Doch bis die Erdbeerernte in der Obstbaugemeinde so richtig Fahrt aufnimmt, da dauert es nach Meinung von Ortslandwirt Andreas Theis noch etwa zwei Wochen. Bislang sei es noch zu kalt und in den Vorwochen zu trocken gewesen, sagt der Obstbauer. Er und seine Kollegen haben den Regen in den vergangenen Tagen herbeigesehnt.

Weil es zu trocken war, haben auch die kalten Nächte Mitte April den Blüten der frühen Früchte mächtig zugesetzt. 20 bis 30 Prozent seien da erfroren, sagt Theis. Ähnlich hoch schätzt auch Erdbeerbauer Berthold Heil den Verlust, den Väterchen Frost an seinen frühen Sorten angerichtet hat. Michael Hoss hat, als das Thermometer unter die Null-Grad-Marke rutschte, gleich zwei Lagen Vlies über seine Pflanzen gelegt. Mit Erfolg, sagt er. Dadurch hätten sich bei ihm die Schäden einigermaßen in Grenzen gehalten. Bei den zwei- und dreijährigen Pflanzen sei es sogar von Vorteil gewesen, dass die alten Blätter ausgedünnt wurden.

Kriftel bei Frankfurt: Landwirt über zunehmende Trockenheit besorgt

Insgesamt waren die vergangenen Wochen für die Landwirte durch die kühlen Nächte sehr arbeitsreich. Jeden Abend wurde aufs Handy geschaut und auf die Prognose der Meteorologen, wie kalt es denn in der Nacht werden würde. Die Entscheidung, die Pflanzen aufwendig mit einem Vlies vor Frost zu schützen, "das war manchmal wie Kaffeesatzleserei", sagt Michael Hoss.

Da der April recht kühl war, sollte der Mai nun eigentlich wärmer werden, meint Andreas Theis. Aber festlegen möchte er sich nicht. Nachtfröste sind auch im Mai keine Seltenheit. "Die Eisheiligen kommen ja erst noch", sagt Berthold Heil. Mehr Sorgen bereitet den Landwirten nun allerdings die Trockenheit. Hoss hat bereits seine zwei Hektar mit den frühen Erdbeersorten kräftig gegossen. Das kostet Zeit und Geld - rund 140 Kubikmeter braucht er, um die 70 Doppelreihen zu durchwässern. Auch Andreas Theis hat seine Pflanzen mit dem wichtigen Nass versorgt, damit die Pflanzen die Nährstoffe aus dem Boden aufnehmen können.

Kriftel (Frankfurt): Hälfte der Erntehelfer könnte wegen Corona-Pandemie wegbrechen

Und auch die Pandemie stellt die Obstbauern in diesem Jahr wieder vor neue Herausforderungen. Andreas Theis rechnet erneut mit der Unterstützung seiner sechs polnischen Erntehelfer, zwei seien schon da, vier kämen Mitte Mai. Sie müssen einen negativen Corona-Test vorlegen, dann geht es erstmal in Quarantäne. Erst wenn auch der zweite Test nach fünf Tagen negativ ist, können sie aufs Feld. Michael Hoss weiß noch nicht, ob Anfang Mai seine erfahrenen Erntehelfer aus Polen und Rumänien kommen werden. Die Vorbereitungen für die Unterbringung unter Corona-Bedingungen hat er auf jeden Fall getroffen. Berthold Heil rechnet, dass nur die Hälfte seiner "alten Mannschaft" kommt.

Momentan werden die frischen Erdbeeren, die unter der Folie gezogen wurde, noch für 5,50 Euro das Pfund verkauft, doch der Preis für die Freiland-Früchte dürfte dann bei 4,80 Euro liegen und in den nächsten zwei bis drei Wochen noch weiter fallen, schätzt Michael Hoss. Welche Auswirkungen die Pandemie in diesem Jahr auf das Kundenverhalten haben wird, bleibt abzuwarten. Andreas Theis hat festgestellt, dass in der Vorsaison die Nachfrage nach den süßem Früchten größer war als sonst, "da viele Kantinen geschlossen waren". Die Krifteler Erdbeeren sind besonders beliebt, weil sie frisch gepflückt direkt am Feldrand verkauft werden. Mitte Mai wird der Verkauf an den Ständen starten, in einigen Hofläden gibt es bereits die ersten Früchte. (Ulrike Kleinekoenen)

Erst neulich sorgte in Kriftel bei Frankfurt ein versuchter Tötungsdelikt eines 18-Jährigen auf einen Bekannten für Aufruhr.

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