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Zwei Kursteilnehmerinnen lernen Schritt für Schritt, ihre Smartphones zu benutzen.

Familienzentrum

Kursleiter Guido Bethmann bringt Senioren bei, mit ihren Mobiltelefonen richtig umzugehen

Mit dem Handy tun sich viele ältere Menschen schwer. Das liegt auch an ihrer Unsicherheit. Daran lässt aber sich etwas ändern – einfach mal die Furcht vor Fehlern ablegen!

„Jetzt ist es kaputt“, flüstert Gisela Kornemann. Sie würde an ihrem Handy wohl verzweifeln, wenn sie nicht so geduldig wäre. 84 Jahre alt ist die Kriftelerin, und seit fünf Jahren hat sie dieses Smartphone. Es ist ihr ein Rätsel, ganz besonders, wenn nur eine weiße Fläche auf dem Bildschirm zusehen ist und sich sonst nichts regt. So wie jetzt. Als Guido Bethmann mit seiner Erklärung fertig ist, sagt sie zum Leiter des Smartphonekurses für Senioren: „Ich bin dafür zu blöd.“

Sie nicken zustimmend

Bethmann hört diesen Satz häufig in seinen Kursen, und er hält ihn für ein Grundproblem, das Senioren mit der neuen Technik haben. „Was Sie brauchen, ist digitales Selbstbewusstsein“, sagt er zu den zehn Kursteilnehmern, die dem Angebot der Familienzentrums gefolgt waren. „Ihren Kindern und Enkeln fällt der Umgang mit den Handys nur so leicht, weil sie nicht so vorsichtig sind.“ Aus Angst, etwas kaputt zu machen oder in Kostenfalle zu tappen, drückten Senioren viele Knöpfe nicht und lernten so nicht, wie sie wirken. Viele Teilnehmer nicken, als er von dieser Unsicherheit spricht. Da es im Internet aber tatsächlich Kostenfallen und Computer-Viren gibt, hat Bethmann diese Ratschläge:

1. Die Drittanbietersperre

Um ungewollt ein zahlungspflichtiges Abonnement abzuschließen, genügt ein versehentliches Tippen auf ein Werbebanner. Davor schützt die Drittanbietersperre. Die kann jeder bei seinem Mobilfunkanbieter per Brief oder E-Mail einrichten lassen. Dort sollte der eigene Name, die Adresse und Kunden- oder Telefonnummer angegeben werden. Dazu empfehlt die Verbraucherzentrale folgenden Standardsatz: „ Hiermit beantrage ich, dass die Identifizierung meines Mobilfunkanschlusses gemäß § 45d Abs. 3 TKG zur Inanspruchnahme und Abrechnung von neben der Verbindung erbrachten Leistungen unverzüglich unentgeltlich gesperrt wird. “ Mit dieser Sperre seien Handynutzer vor allen zusätzlichen Kosten geschützt, sagt Bethmann.

2. Virenschutz

Auf jedem Smartphone sollte ein kostenpflichtiger Virenschutz installiert sein, sagt Bethmann. Hierfür gibt es im sogenannten „App-Store“, also der Plattform auf der man Programme herunterlädt, mehrere Angebote mit unterschiedlichen Leistungen und Kosten.

Ist das Handy gesichert, sollten Nutzer keine Hemmungen mehr haben, alles auszuprobieren. „Das Smartphone werden Sie nicht kaputt machen“, sagt Bethmann. Man müsse „üben, üben, üben“, um mit dem Handy vertraut zu werden. Als Erstes solle man sich mit dem Programm „Youtube“ (Symbol: Rotes Viereck mit weißem Dreieck) vertraut machen. Dort gebe es für jedes Problem ein Erklär-Video, und so sei die Plattform eine gute Lernhilfe. Kornemanns Handy regt sich noch immer nicht. „Es hat sich aufgehängt“, stellt Bethmann fest. Das bringt ihn zu den nächsten Ratschlägen, die sich an die Enkel und Kinder der Senioren richten:

3. Keine alten Handys

Oft bekämen Senioren die benutzten Smartphones ihrer Kinder. „Doch die alten Handys hängen sich öfter auf, sind langsamer und so für Einsteiger ungeeignet.“ Sie könnten nicht einschätzen, ob sie etwas falsch gemacht haben oder ob das Handy nur spinnt.

4. „Weg von meinem Handy!“

Ein Smartphone lässt sich unterschiedlich einstellen. Habe man sich einmal zurechtgefunden, sagt Bethmann, sei das Letzte, was man brauche, ein Verwandter, der die Einstellungen verändert. Auch dann, wenn es durch die Neueinstellung angeblich einfacher werde. „Nur wenn sich der Bekannte genug Zeit nimmt, seine Veränderungen zu erklären, darf er an das Telefon“, rät Bethmann. Sonst gelte: „Hände weg!“ Auch das gehört zum „Digitalen Selbstbewusstsein“.

Erstes Handycafé in Kriftel

Für Fragen zum Smartphone gibt es am 18. Februar von 11 Uhr bis 12 Uhr in der Begegnungsstätte am Freizeitpark ein Handycafé. Kosten: 7 Euro.

von FRIEDRICH REINHARDT

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