Standesbeamter

So ist es, das erste Mal ein Brautpaar zu trauen

180 Ehen – Hofheimer wie Krifteler – werden jährlich im Hofheimer Standesamt geschlossen. Im Team der Standesbeamten ist Pascal Winkler jetzt der Jüngste.

„Wir sind sehr froh, dass unser Standesamt-Team nun durch einen jungen Mann verstärkt wird“, lacht Gudrun Schuster. „Nach dem Weggang einer dritten Kollegin hatten Gudrun Korte und ich geschaut, ob wir aus den eigenen Reihen jemanden ausbilden und eine Chance geben können. Natürlich wollten wir uns auch für die Zukunft gut aufstellen, denn ich gehe in drei Jahren in den Ruhestand.“ Immerhin ist sie bereits seit 22 Jahren als Standesbeamtin tätig und hat in dieser Zeit rund 1400 Trauungen vollzogen. „Rund“, denn so ganz genau weiß sie es selber nicht. Nun will sie ihre Erfahrungen gerne an den jungen Kollegen weitergeben, denn seit Ende Mai ist Pascal Winkler offiziell mit an Bord. „Und er macht das wunderbar“, findet Gudrun Korte.

Der 27-Jährige hatte im Hofheimer Rathaus die Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten absolviert und war seitdem im Friedhofsamt tätig. Um Standesbeamter werden zu können, was ihn schon immer interessierte, musste er sechs Monate bei den beiden Kolleginnen hospitieren und dann einen zweiwöchigen Grundkurs in der Akademie für Personenstandswesen des Bundesverbandes der Deutschen Standesbeamten und Standesbeamtinnen in Bad Salzschlirf absolvieren. Um danach weiterhin das Amt ausüben zu dürfen, muss alle drei Jahre dort ein Fortbildungskurs besucht werden.

Inzwischen hat Winkler sein Büro im Erdgeschoss des Rathauses bezogen und ist auch für die Gemeinde Kriftel zuständig. „Generell hatte mich an diesem Beruf in der Verwaltung gereizt, dass ich den direkten Bürgerkontakt habe“, beschreibt er seine Motivation. „Ich finde es interessant, mit Menschen zu arbeiten und mit verschiedenen Charakteren zu tun zu haben. Besonders schön ist, dass ich sie jetzt nicht mehr aus traurigen Gründen treffe, wie beim Friedhofsamt, sondern vor allem bei freudigen Anlässen. Ich habe definitiv genau das Richtige gemacht“, zieht er nach vier Monaten eine erste Bilanz. Vielfältige Aufgaben rund um Geburten, Sterbefälle, Personenstandregister, Vaterschaftsanerkennungen und Einbürgerungen warten auf ihn. „Freuen tue ich mich auf das Thema Namensrecht, aber jetzt am Anfang mache ich die leichteren Sachen und schaue den beiden Kolleginnen über die Schulter.“

Bei etwa 180 Eheschließungen in Hofheim jährlich machen diese zwar nur rund zehn Prozent des Jobs als Standesbeamter aus, aber sind immer etwas Besonderes. Seit Mitte Juli hat Winkler 13 Paare getraut, „aber das waren alles ,leichte’ Fälle, also deutsch-deutsch, denn komplizierter wird es, wenn man das Heimatrecht eines anderen Landes berücksichtigen muss.“ Bei der ersten Trauung im Juli stieg sein Puls jedenfalls deutlich an, „und da war ich dann ganz ehrlich und habe die Gäste gebeten, nicht so hart mit mir ins Gericht zu gehen, und da wurde die Stimmung schon deutlich lockerer.“ Ihm ist es wichtig, das nicht so stocksteif zu machen und den Paaren einen wenn auch kleinen, aber schönen Teil ihrer Hochzeit zu bescheren. Immerhin sei es für viele ja das erste und einzige Mal.

Die Trau-Rede spielt da eine wichtige Rolle. „Zur Vorbereitung nehme ich den Eindruck des Paares aus dem Anmeldegespräch mit und schaue, wie es ,gestrickt’ ist; manche wollen explizit etwas Persönliches drin haben wie beispielsweise die Kennenlerngeschichte oder ein gemeinsames Hobby.“ Auch Gedichte oder Spruchsammlungen liefern ihm Anregungen: „Man muss nur mal nach ,Liebe’ googeln!“ In erster Linie soll es zum Paar passen – und auch zu ihm. „Mit meinen 27 Jahren kann ich noch niemandem was von Lebenserfahrung erzählen, das wäre total unglaubwürdig. Auch wäre eine Formulierung wie ’aus Freundschaft wurde Liebe’ bei einem Paar, das die Liebe auf den ersten Blick erlebt hat, fehl am Platze.“

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