Galgenfrist: Kriftel muss jetzt handeln

  • vonBarbara Schmidt
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Nach Hochheim macht der Kreis nun auch in Kriftel ernst.

Es war schon angedroht, jetzt gibt es einen Termin: Vom 25. Januar an muss die Obstbaugemeinde 120 Flüchtlinge unterbringen. Wo, ist nun Kriftels Problem. Das ließ gestern der Main-Taunus-Kreis wissen. „Wegen gestiegener Flüchtlingszahlen sind die Kapazitäten des Kreises ausgeschöpft“, so der zuständige Kreisbeigeordnete Johannes Baron (FDP). Kriftel sei derzeit die Kommune mit dem größten Aufnahmerückstand, habe sie doch bislang nur 25 Prozent ihrer Aufnahmepflicht erfüllt. Unterzubringen sind demnach noch insgesamt 141 Personen.

Dabei hatte die Gemeinde gemeinsam mit dem Kreis eine große Unterkunft an der Raiffeisenstraße geplant, ein Investor stand bereit, die Nutzungsvereinbarung für das Grundstück ist bereits seit Anfang November unterzeichnet. „Die Unterkunft war für 220 Personen gedacht. Damit hatten wir uns auf der sicheren Seite gesehen“, sagt Kriftels Erster Beigeordneter Franz Jirasek. Doch Pustekuchen. Das Projekt hat offenbar keine Fortschritte mehr gemacht. Jetzt setzt der MTK, der bis vor kurzem für die Kommunen die Sorge um die Unterbringung getragen hatte, diesen (oder zumindest den besonders Säumigen) die Pistole auf die Brust.

Für Jirasek ist nun der Handlungsdruck riesig. Denn die Frist sei so kurz, dass sie kaum reiche, um das nötige Drumherum – sei es Bodenbeläge, Feldbetten oder Küchen- und Sanitärcontainer – zu ordern, machte der Erste Beigeordnete gestern deutlich. Das Hauptproblem aber ist, erst einmal eine Immobilie zu finden, in der sich 120 Menschen unterbringen lassen.

Die Schwarzbachhallen sind „zunächst außen vor“, sagt Jirasek – da ist die Gemeinde bei den Karnevalisten im Wort. Würde der Kreis mit Rücksicht darauf noch zwei oder drei Wochen Aufschub gewähren, wären sie dann aber wohl erste Wahl. Gestern Nachmittag hatte die Gemeindespitze ein weiteres Gespräch im Kreishaus, bei dem über mögliche Lösungen beraten werden sollte. Im Blick sind ansonsten noch die beiden Sporthallen der Weingartenschule und der Konrad-Adenauer-Schule, die allerdings beide Kreiseigentum sind. Angefragt habe man deswegen schon mal im Landratsamt, sagt Jirasek. Überlegt und gefragt habe die Gemeinde ansonsten natürlich schon in alle Richtungen, doch für den Praktiker-Baumarkt interessiert sich auch das Land (als „Überlaufeinrichtung“ für das Erstaufnahmelager Gießen), das Parkbad ist als Schönwetter-Einheit keine wirkliche Option und eine Unterbringung in Zelten will die Gemeinde auf jeden Fall vermeiden. Eine große Containeranlage, etwa im Freizeitpark, kriege man so schnell nicht umgesetzt. Und die Häuser der Kirchengemeinden seien auch zu klein, um so viele Menschen zu beherbergen.

Überall brauche man zudem die Zusatz-Container, die in jedem Fall jetzt umgehend geordert werden müssten. Dazu braucht die Gemeinde ein Placet der Fraktionen. Die eigentlich üblichen Vergaberegeln können mangels Zeit nicht eingehalten werden. Die Notunterkunft werde für mindestens ein halbes Jahr gebraucht, glaubt Jirasek. Falls das denn reicht, um die Unterkunft in der Raiffeisenstraße zu verwirklichen.

(babs)

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