Bevölkerung

Gemeinde wächst und wächst: Knackt Kriftel die 12 000-Marke?

Kriftels Einwohnerzahl steigt kontinuierlich an: Doch bringt das auch finanzielle Vorteile für die Obstbaugemeinde mit sich? Wir haben nachgefragt.

Laut einer Bevölkerungsprognose des Statistischen Landesamtes wird die Einwohnerzahl Hessens bis zum Jahr 2030 um 4,4 Prozent oder 270 000 auf 6,364 Millionen Einwohner anwachsen. Im Regierungsbezirk Darmstadt, zu dem auch der Main-Taunus-Kreis zählt, soll das Wachstum besonders stark ausfallen. Hier wird ein deutliches Bevölkerungsplus von etwa 8,4 Prozent erwartet. Lebten im Juni 2009 noch 10 656 Einwohner in Kriftel, so ist die Gemeinde mittlerweile auf 11 272 Einwohner angewachsen (Stand: 31. Dezember 2017).

Es ist also sehr gut möglich, dass Kriftel in nicht allzu ferner Zukunft die Marke von 12 000 Einwohnern überschreiten wird. Doch was würde das aus finanzieller Sicht für die Gemeinde bedeuten? Würden dann beispielsweise Fördergelder und Zuwendungen des Landes ansteigen? Das Höchster Kreisblatt hat den Ersten Beigeordneten gefragt. „Höhere Zuwendungen wären deswegen nicht zu erwarten“, erklärt Franz Jirasek und fügt mit einem Schmunzeln an: „Auch für die Besoldung des Bürgermeisters und des Ersten Beigeordneten spielt das leider keine Rolle.“ Nach dem Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen würde der Bürgermeister Kriftels übrigens erst ab einer Zahl von 15 000 Einwohnern in die nächsthöhere Besoldungsgruppe aufsteigen.

Die Einwohnerzahl einer Kommune ist im Hinblick auf finanzielle Vorteile tatsächlich weniger wichtig, als man annehmen könnte. „Manche Leute fragen sich, ob Kriftel nicht groß genug sei, um Stadtrechte zu erhalten“, berichtet Jirasek. Diesbezüglich ist die Zahl der Einwohner sekundär. Entscheidend ist, ob eine Kommune ein städtisches Gepräge aufweisen kann. Eine solche Infrastruktur, die etwa Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und Sportplätze beinhaltet, kann Kriftel zwar vorweisen, doch Vorteile würden sich über erlangtes Stadtrecht nicht ergeben. Man dürfte sich dann offiziell „Stadt Kriftel“ nennen, doch für viele Einwohner ist die „Obstbaugemeinde“ teil der eigenen Identität, sagt Jirasek.

Was den Kommunalen Finanzausgleich betrifft, würde das Erreichen der 12 000-Einwohner-Marke ebenfalls nur eine untergeordnete Rolle spielen. Wichtiger ist die Zentrumseinstufung. Aktuell wird Kriftel als Unterzentrum betrachtet – ein Ort, der die Grundversorgung der Einwohner aus dem Umland abdeckt. „Als Mittelzentrum bekämen wir erheblich mehr finanzielle Mittel beim Kommunalen Finanzausgleich“, verrät Jirasek. Ähnlich wie bei der Vergabe des Stadtrechtes ist bei der Zentrumseinstufung die Infrastruktur einer Kommune entscheidend, nicht die Einwohnerzahl. Die Nachbarkommunen Hattersheim und Hofheim sind bereits Mittelzentren, Kriftel möchte künftig dazu stoßen.

Ob aber nun Unter- oder Mittelzentrum: Die Einwohnerzahl der Gemeinde wird künftig wohl weiterhin wachsen. „Wir müssen uns aber um ein kontinuierliches Wachstum bemühen“, sagt Jirasek. Wer mehr Einwohner begrüßt, muss gleichzeitig auch steigende Bedürfnisse decken: Mehr Kindergartenplätze, ausreichend Parkmöglichkeiten, neue Verkehrsanbindungen, zusätzliche Wasserversorgung. „Wer Wachstum um jeden Preis fördert, dem fällt das möglicherweise alles irgendwann auf die Füße“, betont der Erste Beigeordnete.

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