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Georg Schröder ist Kriftels Mann für die Kultur

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Von: Barbara Schmidt

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Kultur ist die Leidenschaft von Johann Georg Schröder, der heute seinen 80. Geburtstag feiert.
Kultur ist die Leidenschaft von Johann Georg Schröder, der heute seinen 80. Geburtstag feiert. © Maik Reuß

Gebürtig in Hamburg, kam Johann Georg Schröder 1978 nach Kriftel. Der ehemalige Rektor der Weingartenschule hat auch das Kulturleben in der Stadt entscheident mitgestaltet. Heute feiert er 80. Geburtstag.

Mit zwei Institutionen in der Obstbaugemeinde ist sein Name fest verbunden: Johann Georg Schröder hat sowohl die Weingartenschule wie das Kulturforum über lange Jahre nicht nur geleitet, sondern auch geprägt. Vorsitzender des Kulturforums ist er noch immer. Allerdings will er dieses Amt nun bald in jüngere Hände legen, denn immerhin wird Johann Georg Schröder heute runde 80 Jahre alt.

Immerhin die Hälfte seines Lebens hat der gebürtige Hamburger in Kriftel zugebracht. Als Leiter der gerade frisch gegründeten Weingartenschule kam er 1978 in die Obstbaugemeinde. Dem Oberstudienrat, der zuvor an der Friedberger Augustinerschule, einem der traditionsreichsten Gymnasien in Hessen, Englisch und Französisch unterrichtete, war die Bewerbung um die Rektorenstelle in Kriftel nahegelegt worden.

Flucht aus dem Inferno

„Dabei hatte ich gar keine Schulleitungserfahrung“, so Schröder. Er habe sich aber damals gesagt: „Die Chance wird nicht wiederkommen“ – und sie ergriffen. Das hanseatisch-korrekte hat er möglicherweise von seinem Vater, einem in Bremen geborenen Prokuristen, der allerdings schon starb, als der jüngere Sohn Johann Georg gerade zehn Jahre alt war. Keine einfachen Zeiten, auch weil die Familie ihr Heim in Hamburg beim großen Bombenangriff auf die Stadt im Jahr1943 verloren hatte. Die traumatische Brandnacht hat Schröder nie vergessen, „auch wenn ich damals erst fünf Jahre alt war.“ Über die Autobahn in Richtung Lübeck gelang der Familie zu Fuß die Flucht aus dem Inferno. Mit Hilfe einer Cousine der Mutter, die aus Hessen stammte, kam man schließlich dauerhaft neu unter, zunächst in einem einzigen Zimmer in Büdingen. Erlebnisse, die stark dazu beigetragen haben, dass Johann Georg Schröder ein Verfechter der Europäischen Gedankens geworden ist. Besonders konkret geworden ist das nicht zuletzt in seinem Engagement für die Städtepartnerschaft Kriftels mit Airaines. „Mit dem Ehepaar Jolie sind wir noch heute gut befreundet“, sagt Schröder, der den Kontakt mit seinem damaligen Schulleiterkollegen aus Airaines und dessen Frau auch nach der Pensionierung nie hat abreißen lassen.

Wie das in Kriftel so ist: Wenn hier jemand neu istt, der eine wichtige Funktion hat, lässt die Rathausspitze nicht lang auf sich warten. Der damalige Erste Beigeordnete Paul Dünte war es, der den Schulleiter der Weingartenschule offiziell in der Obstbaugemeinde begrüßte und ihm anbot, „mir Kriftel richtig zu zeigen“, erinnert sich Schröder gut. Eine lehrreiche Tour, die Dünte gleich auch nutzte, um dem Neubürger eine Institution ganz besonders ans Herz zu legen. „Als Schulleiter müsse ich mich unbedingt im Bund für Volksbildung engagieren“, habe ihm der Rathaus-Vize zu verstehen gegeben, erinnert sich Schröder. Der trat dem Verein denn auch bei und wurde 1981 zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Ende der 1980er Jahre habe die Gemeinde dann den Verein gebeten, für sie die Konzertveranstaltungen im Ort zu koordinieren. So baute Johann Georg Schröder das Musikforum auf. 1994 übernahm er von Hildegard Rank den Vereinsvorsitz.

Der Bund für Volksbildung erhielt als „Kulturforum“ nicht nur einen zeitgemäßeren Namen, der aktuell rund 430 Mitglieder zählende Verein übernahm auch weitere Aufgaben.

Längst ist er Träger der kompletten Kulturarbeit in der Gemeinde. Für Schröder grundsätzlich eine gute Sache – wären da nicht die ständig wachsenden bürokratischen Anforderungen und Verantwortlichkeiten, die den Vereinen von außen aufgebürdet würden, wie nicht nur er beklagt. „So ein bisschen ist es noch mein Anliegen, da Anstöße zu geben auf politischer Ebene“, sagt der Pensionär, der schon seit Friedberger Zeiten CDU-Mitglied ist, sich in der Obstbaugemeinde aber bewusst nie um ein politisches Amt beworben hat.

Schon als Pfadfinder

Der Einsatz für die Gemeinschaft ist Schröder, der auch Mitglied der Rotarier ist, schon als Jugendlicher wichtig geworden. „Die Pfadfinder haben mich geprägt“, sagt der Vater von drei Kindern und sechsfache Großvater. Auf sie führt er die eigene Freude an der Begegnung mit anderen Menschen und das Interesse an anderen Ländern und Kulturen zu einem guten Teil zurück. Mit seiner Frau Wendy, einer Engländerin, ist er seit mehr als 50 Jahren verheiratet. Tochter Elisabeth hat es umgekehrt gemacht: Sie hat einen Engländer geheiratet und lebt mit der Familie in Southhampton. Kein Wunder, dass der Brexit im europäisch ausgerichteten Hause Schröder ein besonderes Thema ist, „das uns alle sehr betrübt“, sagt er.

Die Entscheidung, nach Kriftel zu ziehen, über die viele Lehrerkollegen, die privat den Abstand lieben, den Kopf geschüttelt hätten, hat Schröder nie bereut. In den vergangenen Tagen hat sich das Heim schon mit viel Familie gefüllt, denn außer dem jüngeren Sohn, der als Schauspieler in der Schweiz auf der Bühne stehen muss, werden alle heute beim Geburtstagsempfang des Kulturforums im Rat- und Bürgerhaus dabei sein. Beschenkt sehen möchte der Jubilar die Bürgerstiftung, die er mitbegründete hat. Was er sich selbst zum runden Geburtstag wünscht, gibt es nicht für Geld. „Noch ein paar Jährchen“, sagt Johann Georg Schröder.

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