Grüne Minderheit wird zur Mehrheit

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Häufig sind Abstimmungsergebnisse nicht annähernd so eindeutig, wie sie auf den ersten Blick zu sein scheinen. Und manchmal geben sie auch ein etwas verfälschtes Meinungsbild wieder. So geschehen in Kriftel.

Häufig sind Abstimmungsergebnisse nicht annähernd so eindeutig, wie sie auf den ersten Blick zu sein scheinen. Und manchmal geben sie auch ein etwas verfälschtes Meinungsbild wieder. So geschehen in Kriftel. Da hat jetzt die Gemeindevertretung beschlossen, dass die in Kriftel als Hexen verfolgten Frauen rehabilitiert wurden. Einstimmig war der Beschluss, was zunächst erst einmal auf eine breite Zustimmung schließen lässt. Doch für dieses Anliegen hatten nur die Grünen votiert. Alle anderen Fraktionen enthielten sich der Stimme.

Anne Biesorf hatte noch einmal um die Zustimmung zu dem Antrag der Grünen gebeten, die im 16. und 17. Jahrhundert unschuldig gequälten und hingerichteten Opfer der Hexenverfolgung in Kriftel zu rehabilitieren. Der Gemeindearchivar Wilfried Krementz war vor 20 Jahren bei seinen Recherchen auf fünf Frauen gestoßen, die als Hexen verbrannt oder des Landes verwiesen wurden. Diese Frauen zu rehabilitieren, sei ein Akt im Geiste der Erinnerung und Versöhnung, argumentieren die Grünen. Es gehe darum „ein Zeichen zu setzen“, wie dies in Hattersheim und Hofheim geschehen sei, ergänzte Anne Biesdorf. Es sei wichtig, die Erinnerung an das Unrecht zu bewahren und daraus für die Zukunft zu lernen.

Von den drei anderen Fraktionen wollte sich in der Gemeindevertretung niemand mehr zu dem Thema äußern, nachdem eine Woche zuvor der Antrag ausführlich im Sozialausschuss beraten worden war (wir berichteten). Dort hatte die SPD-Fraktionsvize Silvia Moritz-Kiefert bemängelt, ihr sei der Antrag zu dünn, sie wünsche sich mehr Information. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Frank Fichert hatte erklärt, die Christdemokraten wollten sich nicht an der Diskussion beteiligen über Dinge, die rund 400 Jahre zurückliegen. Dieser Argumentation schloss sich die FDP-Fraktionsvorsitzende Bettina Jansen an. Im Ausschuss war schließlich auch noch die Frage aufgeworfen worden, wem die späte Rehabilitierung denn nützen solle? Und so entsprach das Votum des Parlaments genau dem des Sozialausschusses: CDU, SPD und FDP enthielten sich dem Antrag, ein Ja gab es nur von den Grünen, die 6 der 31 Sitze in der Gemeindevertretung haben.

Deren Fraktionschefin Regina Vi-scher bedauert den mangelnden „Sinn für Geschichte“. Es sei „schade, dass sich die Fraktionen von CDU, SPD und FDP nur eine Enthaltung hätten abringen können, schreibt sie auf der Homepage der Grünen. Vischer bedauert, dass es „überhaupt kein Verständnis“ dafür gegeben habe, „dieses Unrecht auf-zuarbeiten und die Ehre dieser Frauen wieder herzustellen“.

(ulk)

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