Axel Lünenbürger vor der großen Erklärtafel des privaten Parkplatz-Betreibers an der Kapellenstraße, wo sich die beiden Märkte von DM und Alnatura befinden.
+
Axel Lünenbürger vor der großen Erklärtafel des privaten Parkplatz-Betreibers an der Kapellenstraße, wo sich die beiden Märkte von DM und Alnatura befinden.

Happiger Preis

Parkplatz in Kriftel: 66 Euro für zwei Minuten parken – Abzocke vor Supermarkt

  • VonKatrin Eva Walter
    schließen

Immer mehr Parkplätze vor Supermärkten werden von privaten Unternehmen betrieben. In Kriftel scheint das ein hartes Geschäftsmodell zu sein.

Kriftel – Fast 66 Euro für zwei Minuten zu lange parken: Diesen happigen Preis musste Axel Lünenbürger kürzlich nach einem Einkauf zahlen. Dabei geht es um den Parkplatz zwischen den Märkten von Alnatura und DM an der Kapellenstraße. Lünenbürger wusste, dass er 90 Minuten Zeit für seinen Einkauf hat und Überschreitungen rigoros verfolgt werden. "Ich legte pflichtgemäß eine Parkscheibe aus und verließ den Parkplatz pünktlich - nach meiner Uhr gemessen."

Die Uhr des Parkplatzbetreibers German Service Group (GSG) allerdings maß nicht 90, sondern 92 Minuten. Einige Wochen später bekam Lünenbürger Post vom Parkplatzbetreiber - mit einer Forderung von 30 Euro. Wie kommt es zu dieser Genauigkeit in der Zeitmessung? Das fragte er sich und fand heraus, dass auf dem Parkplatz die Kennzeichen der Autos und die Verweildauer erfasst werden - eine Parkscheibe ist also dort nicht notwendig, wie er nun weiß.

Parkplatz in Kriftel: Nur eine Woche Frist zu zahlen

Dass Lünenbürger letztlich rund 66 Euro zahlen musste, hatte damit zu tun, dass er einen Firmenwagen fährt. Die Post mit der Forderung ging erst mal an den Arbeitgeber, der den Brief an den Fahrer weiterleiten musste. Das konnte nicht in der Frist von einer Woche geschehen, so dass Lünenbürger die Rechnungen einen Tag zu spät begleichen konnte. Die Frist von einer Woche kommt ihm dabei recht kurz vor.

Dass er sich als Fahrer des Wagens zu erkennen gab, half nicht: Seine private Adresse sei vom Parkplatzbetreiber nicht berücksichtigt worden. Schließlich bekam er also eine Mahnung. Die entsprechenden Gebühren bezahlte er - allerdings wieder zu spät, weil die Frist inzwischen schon wieder abgelaufen war. "Das hatte die Folge, dass der Parkplatzbetreiber den Fall an ein Inkassounternehmen weitergegeben hat, das sofort einen Anwalt beauftragte", berichtet der Eppsteiner. So wurden Anwaltsgebühren fällig.

Privater Parkplatz an Supermärkten in Kriftel: Karenzzeit gibt es nicht

Letztlich kam Lünenbürger aus der Spirale heraus, indem er bei der GSG anrief und den Fall erklärte. Trotzdem habe die Firma ihm die bis dahin entstandenen Gebühren nicht erlassen.

Tatsächlich scheint es so, dass die GSG ein recht hartes Geschäftsmodell hat, wie sich schon erahnen lässt, da es auch bei zwei Minuten über der Zeit keine Kulanz gibt. Ein Anspruch auf eine solche freiwillige Karenzzeit durch den Betreiber bestehe nicht, wie der ADAC auf Nachfrage mitteilt. Und eine angemessene Frist für eine Mahnung werde von den meisten Gerichten mit 10 Werktagen oder 14 Wochentagen eingestuft. Sich den Mahnkosten bis zu einer gerichtlichen Klärung zu widersetzen, das machten die meisten nicht, weil sie die Nerven dazu nicht hätten, so eine ADAC-Sprecherin.

Privater Parkplatz an Supermärkten: 30 Euro für Strafzettel

Mit den 30 Euro, die die GSG haben möchte, befindet sie sich schon am oberen Rand: Üblich seien 15 bis 30 Euro, so der ADAC. Auch die Mahngebühr fällt mit gut 6 Euro recht hoch aus, denn diese sollte 3 Euro nicht überschreiten, heißt es weiter.

Weitere Informationen zu dem Thema gibt es auf der Homepage des ADAC.

Unbestritten ist, dass es ausreicht, wenn der Betreiber ein Schild mit seinen AGBs (Allgemeine Geschäftsbedingungen) auf dem Parkplatz aufstellt, so wie es in Kriftel der Fall ist - auch wenn der Text sehr lang ist. "Dafür braucht man eine Viertelstunde", schätzt Lünenbürger. Mit der Nutzung des Parkplatzes akzeptiere der Autofahrer diese Bedingungen, so der ADAC. Das Schild sollte aber gut leserlich sein und nicht durch einen Strauch oder ähnliches verdeckt werden.

Und die Kennzeichen? Darf der Betreiber sie aufzeichnen? Der ADAC teilt mit, dass er damit keine Erfahrungen habe. "Wahrscheinlich werden tatsächlich nur die Kennzeichen erfasst und wohl auch wieder gelöscht, wenn man ohne Verstoß das Gelände wieder verlässt. Jedenfalls wäre eine solche Erfassung zulässig."

Private Parkplätze an Supermärkten: Besser die Uhr im Blick behalten

Lünenbürger ärgert sich: "Jetzt soll ich also fast 66 Euro für zwei Minuten bezahlen. So einen Stundenlohn hätte ich gerne!" Er gibt zu bedenken, dass sich ein solches Vorgehen negativ auf die Gemeinde und den Umsatz der Geschäfte auswirken könnte. Die Sprecherin des ADAC merkt an, dass das ganze System schwierig sei. "Es gibt noch keinen Weg, wie man sich wehren kann." Beim Parken auf besagtem Parkplatz ist also angesagt, die Uhr genau im Blick zu behalten.

Die GSG wiederum hat sich auf mehrfache Anfragen dieser Zeitung wegen einer Stellungnahme nicht zurückgemeldet. (Katrin Eva Walter)

Private Parkplätze vor Supermärkten in Kriftel und Hofheim sorgen schon länger für Ärger.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare