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Ein schweres Einsatzfahrzeug - davor entsprechende Gerätschaften, um Türen zu öffnen.

Unnütze Notrufe

Feuerwehr klagt: Kaputte Waschmaschine? Bitte nicht die 112 wählen!

  • Ulrike Kleinekoenen
    vonUlrike Kleinekoenen
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Die Krifteler Feuerwehr muss mehr technische Hilfe leisten als Brände löschen - Immer öfter werden die Wehrleute auch bei Lappalien alarmiert.

Kriftel - Die Arbeit der Krifteler Feuerwehr ist zunehmend von technischen Hilfeleistungen geprägt. Insofern sei der Begriff "Feuerwehr" gar nicht mehr so zutreffend, sondern die Bereitschaft könnte eher als "Allzweckswehr" bezeichnet werden, meint Gemeindebrandinspektor Patrick Kilian.

Dieser Trend zu den veränderten Tätigkeiten hat sich auch in den vergangenen Tagen gezeigt, als die Einsatzkräfte gleich mehrfach als technische Hilfeleister gefragt waren. Am Montag war eine ältere Frau gestürzt, die Feuerwehr half, die Tür zu öffnen, und unterstützte den Rettungsdienst, die Frau durch den schmalen Treppenabgang zum Rettungswagen zu tragen. Am Samstagvormittag hatte die Wehr eine Familie mit einem Kleinkind aus dem Aufzug am Gleis 2 befreit, der stecken geblieben war.

Kriftel bei Frankfurt: Feuerwehr zieht Bilanz

Am Freitag war bei einem Unfall auf der L 3011 in Richtung Hattersheim im Kreuzungsbereich zur A 66 Kraftstoff ausgelaufen. Die Wehrleute sicherten die Einsatzstelle und haben "die umweltgefährdeten Stoffe aufgenommen", heißt es im Einsatzbericht der Wehr.

Fast zwei Drittel aller Einsätze seien technische Hilfeleistungen, schätzt Patrick Kilian. Ein Drittel machen die Einsätze aus, bei denen Feuer eine Rolle spielt. Darunter fallen allerdings auch Fehlalarme. Wie beispielsweise am Mittwoch vergangener Woche, als die Einsatzkräfte ins Gewerbegebiet gerufen wurden. Vor Ort stellte sich jedoch heraus, dass vermutlich eine Staubaufwirbelung durch Bauarbeiten den Alarm ausgelöst hatte.

Am Mittwochabend vergangener Woche ist auf der Kapellenstraße ein Pkw ausgebrannt. Foto: Feuerwehr Kriftel

Feuerwehr in Kriftel bei Frankfurt: Langwieriger Einsatz nach brennendem Pkw

Technische Hilfe und Löschen war gefragt bei einem Einsatz vergangene Woche. Am Mittwochabend war gegen 21.45 Uhr ein Pkw auf der Kapellenstraße nahe der Eisenbahnbrücke in Brand geraten. Beim Eintreffen der Wehr hatte sich das Feuer bereits auf den Innenraum des Fahrzeugs ausgebreitet. Während des gesamten Einsatzes, der bis 0.45 Uhr dauerte, war die Kapellenstraße für den Verkehr voll gesperrt. Aus dem noch voll betankten Wagen waren Kraftstoff und Öl ausgelaufen. Die Kanaleinläufe wurden verschlossen und das weitere Vorgehen mit dem Abwasserverband abgestimmt, erklärt Patrick Kilian.

Schilder hatten die Autofahrer anschließend gewarnt, dass die Straße durch die ausgelaufenen Betriebsstoffe verunreinigt und durch den Brand beschädigt war. Eine Schilfmatte aus Kunststoff an einem Gartenzaun, neben dem der brennende Wagen stand, wurde erheblich in Mitleidenschaft gezogen.

Ernüchternd: Feuerwehr in Kriftel bei Frankfurt wird für Kleinigkeiten alarmiert

Warum bei der Feuerwehr das Löschen von Bränden nicht mehr zu den Hauptaufgaben gehört, dafür gibt es offenbar mehrere Gründe. Dazu gehört, so Kilian, dass auch bei Kleinigkeiten schnell die Feuerwehr alarmiert wird. So komme es vor, dass selbst dann die 112 gerufen wird, wenn eine kaputte Waschmaschine im Keller für eine große Pfütze gesorgt hat. Der Hinweis der Feuerwehrleute, dass hier auch ein Eimer und Aufnehmer gereicht habe, würde dann nicht selten für entsetzte Gesichter sorgen.

Und auch der abgebrochene Ast im Garten sei kein Fall für die Feuerwehr, sagt Patrick Kilian, der mit seinen Kollegen beobachtet hat, dass die Bereitschaft der Bürger, mal selbst etwas zu tun, abnimmt. Auch der Blumenkübel, der bei einem trockenen Sommer glimmt, weil dort eine Zigarette ausgedrückt wurde, kann einfach mit einem Eimer Wasser gelöscht werden. "Viele Bürger denken immer noch, wir machen das hauptberuflich", muss Patrick Kilian immer wieder noch Leute aufklären, die davon ausgehen, dass die Einsatzkräfte Geld für ihre Arbeit bekommen. (Ulrike Kleinekoenen)

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