Bei ihrer Rückkehr in Kriftel wurden Sajjad Hussain Awan, Ehefrau Sabiha und Sohn Shayan gestern von Carmen Jimenez (hinten links) und Semiha Eroglu-Buch (hinten rechts) begrüßt. FOTO: privat
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Bei ihrer Rückkehr in Kriftel wurden Sajjad Hussain Awan, Ehefrau Sabiha und Sohn Shayan von Carmen Jimenez (hinten links) und Semiha Eroglu-Buch (hinten rechts) begrüßt.

Petition erfolgreich

Pakistanische Familie aus Abschiebehaft entlassen – ihr Kampf ist aber noch nicht vorbei

  • Ulrike Kleinekoenen
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Die Abschiebung einer pakistanischen Familie aus Kriftel bei Frankfurt ist kurz vor knapp abgesagt worden. Ihre Hoffnung auf ein Bleiberecht in Deutschland lebt wieder.

Kriftel/Darmstadt – Die erlösende Nachricht erhielten Sajjad Hussain Awan, seine Frau Sabiha und Sohn Shayan Saif gestern Mittag: Die Petition, mit der der pakistanische Verein Hum Hain und viele Freunde die Abschiebung verhindern und das Bleiberecht der dreiköpfigen Familie erreichen wollen, wurde angenommen. Der Abschiebungstermin wurde abgesagt. Der Petitionsausschuss müsse erst Gelegenheit haben, sich mit dem Fall der Familie zu befassen, erklärt Maria Bethke, Referentin für Asylverfahrensberatung der Diakonie Hessen. Und während des Verfahrens schützt die Petition vor der Abschiebung.

Die drei Plätze für die Familie, die bereits für den Flug nach Pakistan am Mittwoch gebucht waren, wurden wieder storniert. Aus dem Abschiebegewahrsam ging es für die Familie gestern zurück in die Asylbewerberunterkunft an der Richard-Wagner-Straße. Dort waren alle drei am vergangenen Mittwoch frühmorgens von der Polizei abgeholt worden. Zur "Durchführung der Abschiebung", so heißt es im Haftbefehl, wurde für die Familien der Ausreisegewahrsam angeordnet - also die Abschiebehaft.

Familie aus Kriftel bei Frankfurt: Kampf um Bleiberecht geht weiter

Doch nun geht der Kampf um das Bleiberecht weiter. Denn es gibt offenbar berechtigte Hoffnung, dass die Familie Awan dauerhaft in Deutschland bleiben darf. Sajjad Hussain kam im September 2013 nach Deutschland, seine Frau und sein Sohn folgten im April 2014. Die Familie beantragte Asyl, doch die Anträge wurden abgelehnt, und auch die Klagen wurden am 2018 vom Verwaltungsgericht Wiesbaden abgewiesen. Seitdem sind sie geduldet.

Der Krifteler Ausländerbeirat hatte die Petition des pakistanischen Vereins unterstützt, da sich die Familie sehr gut in der Obstbaugemeinde integriert.

Abschiebung von Familie aus Kriftel bei Frankfurt nach Pakistan verhindert

Sohn Shayan war bei seiner Ankunft in Deutschland gerade einmal zwölf Jahre alt. Er besuchte die Weingartenschule und engagierte sich dort unter anderem als Sprecher des Hauptschulzweigs und Mitglied der Schulkonferenz. Im vergangenen Jahr machte er seinen qualifizierten Hauptschulabschluss mit einem Durchschnitt von 2,5. Der 19-Jährige stellte kürzlich einen Antrag auf Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis für gut integrierte Heranwachsende.

"Er erfüllt alle Voraussetzungen bis auf die vollständige Lebensunterhaltssicherung", weiß die Vorsitzende des Ausländerbeirats, Carmen Jimenez. Ab August spielt jedoch die Lebensunterhaltssicherung keine Rolle mehr, weil er dann wieder eine Schulausbildung macht und seinen Realschulabschluss nachholen wird. Auch Vater Sajjid hat in wenigen Wochen - ab September - gute Chancen auf Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis, unter anderem, weil er bereits acht Jahre in Deutschland ist, einen festen Arbeitsplatz hat und außerdem als unbescholten gilt.

Erschöpft, aber auch überglücklich ist die Familie Awan gestern am frühen Nachmittag wieder in der Unterkunft angekommen. Dort wurde sie von den anderen Bewohnern, der Sozialarbeiterin der Gemeinde, Semiha Eroglu-Buch, sowie der Ausländerbeiratsvorsitzenden Jimenez herzlich begrüßt. Sie seien überwältigt von der Unterstützung und dem Zuspruch, den sie in den vergangenen Tagen von Freunden, Bekannten und auch von vielen anderen Bürgern erfahren haben, sagte Shayan. (Ulrike Kleinekoenen)

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