Ortslandwirt Andreas Theis blickt mit sorgenvoller Miene auf die Äpfel, die unter der starken Sonneneinwirkung gelitten haben.
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Ortslandwirt Andreas Theis blickt mit sorgenvoller Miene auf die Äpfel, die unter der starken Sonneneinwirkung gelitten haben.

Landwirtschaft

Kriftel: Sonnenbrand-Alarm bei Äpfeln

Die Sorten Jona Gold und Delbarestivale sind besonders stark von der Sonnenstrahlung betroffen. Die Obstbauern rechnen mit Ernteeinbußen.

Kriftel - Strahlender Sonnenschein und Temperaturen von über 35 Grad im Schatten. Die Hitzewelle in den vergangenen Wochen machte vielen Menschen nicht nur im Main-Taunus-Kreis zu schaffen. Wer zu lange ungeschützt im Freien unterwegs war, riskierte sich dabei die Haut zu verbrennen. Aber nicht nur Menschen können einen Sonnenbrand bekommen. Auch Äpfeln droht dies bei zu hohen Temperaturen. Dabei weist die Schale einen Brandschaden auf und verfärbt sich braun. Bei starkem Auftreten fällt die Frucht in sich zusammen und fault.

Sonnenbrand in 2020 besonders schlimm

"Wir haben bereits seit einigen Jahren mit dem Problem zu kämpfen", sagt Obstbauer und Ortslandwirt Andreas Theis. In diesem Sommer sei der Apfel-Sonnenbrand besonders schlimm, da es in den vergangenen Wochen starke Temperaturschwankungen gegeben habe, die die Früchte zusätzlich belastet haben. Der Landwirt rechnet mit Ernteeinbußen von bis zu 20 Prozent. Eine Zusatzbewässerung könne das Problem zwar leicht abmildern, aber dies sei eigentlich nur "ein Tropfen auf dem heißen Stein". Schließlich koste das Wasser auch "jede Menge Geld, und in Zeiten von niedrigen Grundwasserspiegeln ist eine Bewässerung ziemlich problematisch", erläutert der Obstbauer.

Auch die Äpfel von Berthold Heil sind betroffen. "Zwischen zehn und 20 Prozent sind geschädigt. Das liegt daran, dass in den letzten drei Wochen die Sonne teilweise über einen sehr langen Zeitraum am Stück geschienen hat", erklärt Heil. Es gebe zwar die Möglichkeit, die Bäume mit Hagelschutznetzen vor der starken Sonneneinstrahlung zu schützen, jedoch komme dies für den Obstbauer derzeit nicht infrage, da die Kosten und der Zeitaufwand schlichtweg zu hoch seien. "Pro Hektar müsste man 20 000 Euro für die Netze ausgeben, und es ist enorm viel Arbeit sie aufzustellen und wieder abzubauen", so Heil. Da während der Corona-Krise kaum Personal aus dem Ausland anreisen könne, sei der Mehraufwand definitiv nicht leistbar. Eine weitere Möglichkeit, die Früchte zu schützen, ist eine klimatisierte Beregnungsanlage, die die Temperatur der Äpfel senken kann. "Ich besitze die Technik dafür allerdings nicht, und die Anschaffung kostet ebenfalls sehr viel", erklärt Berthold Heil.

Äpfel sind ab 28 Grad gefährdet

Andreas Theis erklärt, dass die Gefahr von Sonnenbrand bei den Früchten ab einer Temperatur von 28 Grad im Schatten gegeben sei. "Apfelsorten mit hohem Grünanteil reagieren meist am empfindlichsten. Besonders die Arten Delbarestivale und Jona Gold wurden in Mitleidenschaft gezogen", merkt er an. "Ältere Bäume sind oft weniger stark betroffen, da diese mehr Blätter haben, die den Früchten Schatten spenden."

Beide Krifteler Landwirte wollen die geschädigten Äpfel, die noch an den Bäumen hängen, während der Ernte pflücken. "Wenn sie nicht schon zu lange unter dem Sonnenbrand leiden, kann man aus ihnen problemlos noch Apfelsaft machen", so Andreas Theis. Sein Kollege Berthold Heil ergänzt: "Trotzdem müssen wir Obstbauern mit einem Umsatzverlust rechnen, da der Wert der befallenen Früchte natürlich deutlich geringer ist." Besonders bitter sei, dass der Sonnenbrand hauptsächlich die schönsten Äpfel betreffe, die in Gebieten mit viel Sonneneinstrahlung reifen.

Sowohl Theis als auch Heil gehen davon aus, dass sich das Problem in den kommenden Jahren wegen des Klimawandels noch verschärfen wird. "Man muss dann möglicherweise Bäume pflanzen, die mehr Blätter pro Apfel haben oder auf höhere Bäume setzen, die sich gegenseitig Schatten geben. So wird es beispielsweise in Neuseeland gemacht", weiß Theis. Außerdem bestünde die Möglichkeit, vermehrt Pflanzen zu nutzen, die weniger Wasser brauchen und tief verwurzelt sind. Fest steht freilich, dass der Klimawandel nicht spurlos an den Obstbauern vorübergeht, so dass in den kommenden Jahren einiges unternommen werden muss, damit die Ernteeinbußen nicht noch heftiger ausfallen. TOBIAS KETTER

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