Das Land will einem Grundzentrum wie Kriftel künftig nicht mehr gestatten, dass an einer Stelle mehrere Geschäfte sind. Dass diese Einkaufsmöglichkeit von den Kunden hingegen sehr geschätzt wird, spielt für die Planer dabei keine Rolle.
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Das Land will einem Grundzentrum wie Kriftel künftig nicht mehr gestatten, dass an einer Stelle mehrere Geschäfte sind. Dass diese Einkaufsmöglichkeit von den Kunden hingegen sehr geschätzt wird, spielt für die Planer dabei keine Rolle.

Stadtentwicklung

Kriftel sorgt sich um seinen Einzelhandel

  • Ulrike Kleinekoenen
    vonUlrike Kleinekoenen
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Nach dem Entwurf des neuen Landesentwicklungsplans darf Kriftel nicht zum Mittelzentrum aufsteigen - mit einschneidenden Folgen für die Kommune.

Kriftel -Wer von der A 66 kommt und über die L 3011 Richtung Lorsbachtal fährt, kann in Kriftel noch schnell den Drogerie-bedarf decken, ein T-Shirt kaufen, ein Paar Schuhe probieren und mit dem Einkauf in zwei Discountern den Kühlschrank auffüllen. Ob das in 20 Jahren noch so möglich ist, ist alles andere als sicher. Die Hessische Landesregierung will in der vierten Änderung des Landesentwicklungsplans (LEP) auch den großflächigen Einzelhandel neu ordnen. Das könnte einschneidende Folgen für Kriftel haben und "Kriftels Entwicklung maßgebend verändern", sagte Erster Beigeordneter Franz Jirasek kürzlich im Haupt- und Finanzausschuss.

Entscheidend ist dabei, dass sich die Obstbaugemeinde von der Hoffnung, irgendwann vom Grund- zum Mittelzentrum aufzusteigen, wohl verabschieden muss. Aufstufungen von Grund- zu Mittelzentren sind nach der neuen Fassung des Landesentwicklungsplans nicht mehr vorgesehen, in dem eher die Mittelzentren zur Zusammenarbeit angeregt werden sollen. So wird Kriftel ein Grundzentrum bleiben, in dem der Einzelhandel lediglich die gemeindliche Grundversorgung sicherstellen soll. "Da müssen wir uns nichts vormachen, wir bleiben ein Grundzentrum", sagt Jirasek.

Dennoch: In der Stellungnahme, die die Gemeinde nun zum Entwurf des LEP abgeben musste, erneuert der Gemeindevorstand seine Forderung, als Mittelzentrum eingeordnet zu werden. Dabei beruft sich die Gemeinde auf Daten des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie und Verkehr. Dieses hatte die Zentralörtliche Infrastruktur auf Bildung, Sport, Fachärzte und Verkehr sowie die Zentralität hinsichtlich Schulen, Einzelhandel und Arbeitsstätten der Kommunen im MTK mit einem Punktesystem bewertet. In Summe lag Kriftel dabei noch vor den Mittelzentren Hofheim, Eschborn, Bad Soden und Kelkheim, führt der Gemeindevorstand in seiner Stellungnahme aus.

Darin fordert die Gemeinde auch, dass ortsansässigen Unternehmen unabhängig von der Einstufung als Grundzentrum die Möglichkeit gegeben werden muss, sich am Standort zu vergrößern. Wenn dies untersagt ist, müsse die Kommune nämlich damit rechnen, dass Betriebe sich in der "Nachbarschaft" umschauen. Denn in Hofheim und Hattersheim, die Mittelzentren sind, ist baurechtlich möglich, was in Kriftel nicht erlaubt ist.

Doch angesichts der engen Verflechtung von Mittel- und Grundzentren im MTK seien diese begünstigten Standortbedingungen für Mittelzentren "nicht mehr sachgemäß und zeitgemäß", heißt es in der Stellungnahme der Gemeinde. In diesen dicht besiedelten Bereichen müsse man von dieser Kategorisierung abweichen, ergänzt Jirasek.

In der Tat: Ortsfremde wissen manchmal gar nicht, wo Hattersheim aufhört, Kriftel beginnt und wann sie die Gemarkungsgrenze nach Hofheim erreichen. Der Übergang ist fließend. Und dem Kunden ist es sowieso egal, in welchem Ort er kauft, Hauptsache er bekommt, was er braucht.

Problematisch ist der LEP auch unter dem Stichwort Agglomeration. Das heißt, wenn sich mehrere kleinere Geschäfte an einem Standort ansiedeln und deren Verkaufsfläche addiert über 800 Quadratmeter ausmacht, wird dies nach dem neuen LEP wie ein großflächiger Einzelhandelsbetrieb angesehen. Und der ist in Grundzentren eben eingeschränkt. Von den Kommunen wird dabei verlangt, "jede denkbare zukünftige Entwicklung einer Agglomeration vorherzusehen und vorsorglich zu unterbinden." Nicht möglich, argumentiert die Gemeinde.

Fest steht, der LEP, der noch in diesem Jahr in Kraft treten soll, wird Auswirkungen auf die Entwicklung Kriftels haben. Zwar ist der Bestand gesichert, doch wenn Gebäude abgerissen und neu gebaut werden, dann sei der Bestandschutz weg, sagt Jirasek. Bei Neubauten werden dann die neuen Vorgaben maßgebend sein. So etwas wie der neue Baumarkt, der in Kürze eröffnet werden soll, würde es nach dem Entwurf des neuen LEP in der Obstbaugemeinde dann nicht mehr geben. Doch Kriftel ist wohl nicht die einzige Kommune, die sich in ihrer Stellungnahme kritisch äußert. So bleibt ein Fünkchen Hoffnung. Ulrike Kleinekoenen

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