Symbolbild: Der Prozess gegen den jungen Krifteler Vater fand vor dem Amtsgericht Frankfurt statt.
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Symbolbild: Der Prozess gegen den jungen Krifteler Vater fand vor dem Amtsgericht Frankfurt statt.

Urteil

Kriftel: Vater schüttelt Baby bis zur Blutung im Kopf

  • vonMatthias Gerhart
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Amtsgericht verurteilt reumütigen Krifteler zu einer Geldauflage von 2000 Euro.

Kriftel/Wiesbaden/Frankfurt. Eine Verwarnung nach Jugendstrafrecht plus 2000 Euro Geldauflage, zu zahlen an ein Kinderhospiz: Vergleichsweise glimpflich ist gestern ein 20 Jahre alter Vater aus Kriftel vor dem Frankfurter Amtsgericht davongekommen. Der Mann hatte im Herbst vergangenen Jahres seinen erst einen Monat alten Sohn derart geschüttelt, dass im Krankenhaus Blutungen und ein Schütteltrauma bei dem Säugling festgestellt wurden.

Nachtwache am Kinderbett

Der heftige Übergriff ereignete sich in der Wohnung der Lebensgefährtin und Mutter des Kindes in Wiesbaden, wo sich der junge Mann in jener Zeit ziemlich häufig aufhielt. Damit wenigstens einer der Partner in der Nacht durchschlafen konnte, wechselte man sich mit der anstrengenden Nachtwache am Bett des Säuglings ab.

Am 29. Oktober war schließlich wieder der Vater an der Reihe. Der kleine Milan schlief zunächst ruhig ein, wachte aber nach Mitternacht und gegen drei Uhr auf und schrie. Beim zweiten Erwachen des Babys verlor der vollkommen überforderte Vater die Geduld und schüttelte den Säugling so lange und so heftig, bis er keinen Laut mehr von sich gab. Nun bekam der 20-Jährige es mit der Angst zu tun, holte die Mutter und verständigte Notarzt und Krankenhaus. Die Diagnose der Kinderärzte fiel eindeutig aus: Blutungen im Kopf und ein Schütteltrauma. Im schlimmsten Fall hätte so etwas auch zum Tod des Babys führen können.

Der Vater zeigte sich erschüttert über sein eigenes Verhalten und hätte den Fall gerne rückgängig gemacht. Gleich nach der Behandlung des Kindes nahm er an therapeutischen Gesprächen und speziellen Baby-Betreuungskursen teil. So konnte er beim Jugendgericht Punkte einfahren. Dazu kam der Umstand, dass der Krifteler bislang in keiner Weise negativ in Erscheinung getreten war, weder mit Gewaltdelikten noch mit Eigentumsstraftaten. "Schädliche Neigungen", so wie es das Jugendstrafrecht für eine Verhängung einer Jugendstrafe verlangt, lägen also nicht vor, sagte Jugendrichter Axel Rockemer.

Wie es derzeit ausschaut, hat der kleine Milan glücklicherweise keine dauerhafte Schäden davongetragen. Der Bub, der in wenigen Tagen sein erstes Lebensjahr vollendet, geht bereits an der Hand von Vater und Mutter spazieren. Nur die kognitiven Fähigkeiten lassen noch zu wünschen übrig, dies kann sich nach der Expertise einer Kinderpsychologin jedoch noch in den nächsten Jahren ändern.

"Denkzettel" reicht aus

So kam am Ende auch die Vertreterin der Staatsanwaltschaft zu dem Ergebnis, dass es mit der Verwarnung und dem finanziellen "Denkzettel" sein Bewenden haben könne. Auch der Verteidiger stimmte zu, so dass das Urteil noch im Gerichtssaal rechtskräftig wurde. Matthias Gerhart

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