Arbeitsmarkt

Kriftel: Verwaltungsjobs sind bei jungen Leuten alles andere als angesagt

Die Arbeitsplätze im Rathaus sollen attraktiver werden: Kriftel bietet Job-Tickets, kostenlose Freibad-Karten und mehr Homeoffice.

Kriftel. Die Gemeinde Kriftel bietet ihren Bediensteten ab Oktober Job-Tickets an. Eine weitere Maßnahme, um die Verwaltung als Arbeitsplatz attraktiver zu machen. Seit 2019 werden bereits kostenlose Saisonkarten für das Parkbad zur Verfügung gestellt. "Von insgesamt 105 Mitarbeitern haben inzwischen 84 das Job-Ticket beantragt", teilt der Erste Beigeordnete Franz Jirasek mit.

"In der Variante, die wir mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund vereinbart haben, können die Mitarbeiter nicht nur den Weg zum Arbeitsplatz mit dem Job-Ticket zurücklegen, sondern alle Strecken im Gebiet des RMV damit fahren. Außerdem können sie abends und an Wochenenden einen Erwachsenen und beliebig viele Kinder bis 14 Jahre mitnehmen." Die Gemeinde übernimmt die Kosten in Höhe von jährlich rund 13 000 Euro zu 100 Prozent. Dieser Beschluss wurde in der Gemeindevertretung gefasst.

Bei der Auswahl des Arbeitsplatzes, so Jirasek, sei für viele ein Job-Ticket ein wichtiges Kriterium. Immer öfter werde bei Vorstellungsgesprächen danach gefragt. "Toll wäre es auch im Sinne des Umweltschutzes, wenn möglichst viele Mitarbeiter künftig mit öffentlichen Verkehrsmitteln statt mit dem Auto zur Arbeit kommen."

Kriftel gehört zur Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main, in der die Wirtschaft seit Jahren wächst und der Arbeitsmarkt boomt. "Dennoch wird es zunehmend schwieriger, geeignetes Personal zu gewinnen und dauerhaft zu binden", weiß Jirasek. Durch die demografische Entwicklung werden die Schwierigkeiten noch massiver, erläuterte er in den Ausschüssen: Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in den nächsten zehn Jahren in Rente und es verlassen nicht genug Absolventen die Schulen und Universitäten, um die entstehenden Lücken füllen zu können. "Hinzu kommt, dass der öffentliche Dienst bei jungen Leuten alles andere als angesagt ist. Er gilt als schwerfällig und eingefahren und bietet teilweise nicht die gleichen Aufstiegs- und Verdienstmöglichkeiten an wie manche Branchen der freien Wirtschaft", sagt Jirasek. Bei der Gemeindeverwaltung Kriftel habe lange Jahre ein relativ kontinuierlicher Stamm von Verwaltungskräften vorgehalten werden können. Jirasek: "In den letzten drei bis fünf Jahren kommt es jedoch verstärkt zu Kündigungen und Arbeitgeberwechseln, die oft nur schwer zu verkraften sind. Die vakanten Stellen können häufig nur mit Mühe wiederbesetzt werden. Die Kündigungsgründe sind vielfältig. Häufig entscheiden sich Mitarbeiter für einen Wechsel, wenn die Fahrt von und zur Arbeit lang und stressig ist." Arbeitswege, die noch vor wenigen Jahren als vertretbar eingestuft wurden, seien aufgrund überfüllter Autobahnen und der Unzuverlässigkeit der Bahn und des öffentlichen Nahverkehrs mittlerweile zu großen Stressfaktoren geworden.

Viele junge Bewerber erkundigten sich danach, ob Homeoffice möglich sei. Letzteres soll künftig flexibler möglich sein. Die Verwaltung wurde und wird weiter Schritt für Schritt modernisiert: durch moderne Softwarelösungen, einen zweiten Bildschirm pro Arbeitsplatz, einem modernes Intranet und schnelle Internetverbindungen. Die Einführung eines Dokumentenmanagementsystems und der elektronischen Akte ist in Planung.

Im Rahmen des Gesundheitsmanagements werden Sportangebote organisiert. Gemeinschaftsfördernde Feste und Aktivitäten, die der Personalrat mehrmals im Jahr veranstaltet, werden finanziell unterstützt. hk

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