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Krifteler Helfer kehren mit bewegenden Eindrücken aus Pilawa Gorna zurück

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Von: Ulrike Kleinekoenen

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Dieses Foto entstand, als die Helfer aus Kriftel auf dem Hinweg die polnische Grenze erreicht hatten.
Dieses Foto entstand, als die Helfer aus Kriftel auf dem Hinweg die polnische Grenze erreicht hatten. © privat

"Partnerstädte sind enger zusammengewachsen" - Junge Feuerwehrmänner sehen ihr Leben in Deutschland mit anderen Augen

Kriftel -Was eine Freundschaft wert ist, beweist sich vor allem in Zeiten der Not. Sich gegenseitig zu unterstützen, das hatten die Partnerstädte Kriftel und Pilawa Gorna bereits vor Jahren vertraglich fixiert. In Friedenszeiten sei dies leicht gesagt, doch dass dies keine leere Worthülse ist, sondern von Kriftel jetzt eindrucksvoll mit Leben gefüllt wurde, das unterstrich Bodo Knopf jetzt nach der Rückkehr aus Pilawa Gorna. Es war eine "beeindruckende Reise", sagt auch Bürgermeister Christian Seitz, der wie Knopf und Joachim von Kiel vom Partnerschaftsverein sowie Pasquale Fiore, Leiter des Fachbereichs Jugend, Soziales und Kultur, zu der elfköpfigen Gruppe gehörte, die die Spenden, die am Wochenende in der Schwarzbachhalle gesammelt worden waren, in die polnische Partnerstadt brachten.

Dabei waren auch die sieben Feuerwehrkameraden Sven Mukrasch, Tobias Thöne, Finn Sanner, Sandro Gonzalez, Christopher Hass, Nicolas Hilger und Sven Christoph, die Urlaubstage oder Freischichten einbrachten, um hier zu helfen. Sie alle packten mit an, um die Kartons und Säcke gefüllt mit Kleidung und Hygieneartikeln an Ort und Stelle zu bringen, wo sie gebraucht werden. Als der Spendenkonvoi mit zwei Lkw, einem privaten Pkw mit Anhänger und einem Mannschaftstransportwagen der Feuerwehr nach zehnstündiger Fahrt und knapp 800 Kilometern Montagnachmittag in der polnischen Partnerstadt ankam, wurden die Krifteler von Bürgermeister Krzysztof Chudyk und Parlamentschef Dariusz Madejski sowie etwa 50 Helfern empfangen.

Viele Flüchtlinge erwartet

Zwei Stunden dauerte es, die Lkw zu entladen. Diese hatte der Sulzbacher Getränkehändler Achim Kreiner unbürokratisch zur Verfügung gestellt, erzählt Pasquale Fiore, der federführend die Spendenaktion organisiert hatte und sich auch selbst hinter das Steuer des 7,5 Tonners gesetzt hatte, den der Rathauschef ebenfalls steuerte. Schon die Fahrt selbst in Kolonne sei eine tolle Teamarbeit gewesen, erzählt Joachim von Kiel.

In Pilawa Gorna wurden sämtliche Spenden zunächst in eine Sporthalle gebracht. Im Moment ist die Zahl der Menschen, die aus der Ukraine in der polnischen Gemeinde Schutz suchen, gering. Bürgermeister Chudyk rechnet damit, dass sich das in den nächsten Wochen ändern wird. Erwartet werden in der nächsten Zeit 150 Flüchtlinge. Aus der Ukraine ist bereits ein Bus mit Waisenkindern angekündigt worden.

Um diese zu versorgen, ist die Hilfe aus Kriftel mit einem herzlichen Dankeschön angenommen worden, das in bewegenden Worten und Gesten zum Ausdruck kam, "es sind auch Tränen geflossen", sagt Seitz. Und wenn im Nachbarort Not sei, dann dürften sie Pakete auch dorthin weitergeben, versicherte Seitz seinem Amtskollegen. Die Hilfe in dieser Ausnahmesituation soll natürlich nicht an den kommunalen Grenzen halt machen. Für die jungen Feuerwehrmänner seien es "bleibende Eindrücke" gewesen, mit denen sie Dienstag früh wieder die Rückfahrt angetreten haben, sagt der Vorsitzende des Feuerwehrvereins, Sven Mukrasch: "Sie werden ihr Leben in Deutschland jetzt mit ganz anderen Augen sehen."

Wehrleute wollen in Kontakt bleiben

Diese Erfahrung habe ihn geerdet, brachte ein junger Mann aus den Reihen der Wehr seine Gefühle zum Ausdruck, denen sich auch Pasquale Fiore nur anschließen kann. Die Feuerwehrleute beider Orte haben vereinbart, in Kontakt zu bleiben

Bewegend war schließlich auch der Abschied der Krifteler von den Freunden in der Partnerstadt, die etwa 570 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt ist und deren Bürger "Angst haben, dass auch sie in das Kriegsgeschehen mit hineingezogen werden", sagt Bodo Knopf. Er und Seitz unterstreichen ihren Eindruck, dass die Partnerstädte durch die Aktion viel enger zusammengewachsen sind. Für den Rathauschef sind Städtepartnerschaften "wichtige Bausteine für ein friedliches Zusammenleben der Völker".

Die Spenden aus Kriftel wurden in Pilawa Gorna in einer Sporthalle gelagert und werden dann an die Flüchtlinge weitergegeben.
Die Spenden aus Kriftel wurden in Pilawa Gorna in einer Sporthalle gelagert und werden dann an die Flüchtlinge weitergegeben. © privat

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