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Krifteler "Nachbarschaftsauto" geht an den Start

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Von: Ulrike Kleinekoenen

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Stefan Ruppert (rechts) will sein E-Auto mit anderen teilen. Anna-Lena Heller und Volker Mankiewicz sind von der Idee angetan.
Stefan Ruppert (rechts) will sein E-Auto mit anderen teilen. Anna-Lena Heller und Volker Mankiewicz sind von der Idee angetan. © Knapp

Stefan Ruppert stellt seinen Wagen für das neue E-Carsharing-Projekt von SolarInvest zur Verfügung

Kriftel -Umweltschutz und Nachhaltigkeit sei schon seit der Jugendzeit in den 80-iger Jahren ein wichtiger Bereich in seinem Leben, schreibt Stefan Ruppert auf seiner eigenen Homepage. Als er im Zuge der "Fridays for Future"-Bewegung die jungen Leute auf der Straße sah, wäre er gerne noch mal 15 gewesen, gesteht der 52-Jährige. Aber dafür sei er wohl jetzt zu alt. Deshalb hat der Vater eines fünfjährigen Sohnes sich entschlossen, im Kleinen anzupacken. Seinen reparaturanfälligen Wagen hatte er schon abgestoßen und eigentlich wollte Stefan Ruppert sich gar kein Auto mehr anschaffen. Stattdessen hatte er das Car-Sharing-Auto der Gemeinde vor dem Rathaus genutzt.

Im vergangenen Jahr hat den selbstständigen Softwareentwickler dann doch ein sehr lukratives Angebot von Renault für den Kauf eines E-Autos überzeugt. Doch er wollte den Zoe nicht alleine nutzen, sondern machte sich auf die Suche nach Leuten, die es mit ihm teilen wollten. Eher zufällig, als er sich bei SolarInvest über eine Photovolta- ikanlage informierte, entstand der Kontakt zu Wolfgang Hoffmann, der dem Vorstand der Genossenschaft angehört und in Kelkheim ein "Kümmerer" für ein Nachbarschaftsauto im "Schulzehnten" ist.

Der Krifteler war auch schnell von der Idee angetan, nicht zuletzt, weil er mit SolarInvest einen kompetenten Partner an der Seite hatte. In den letzten Wochen wurden auch die gemeinsamen Rahmenbedingungen besprochen und festgeklopft. Denn anders als beispielsweise in Hofheim, wo das Projekt Anfang des Monats an den Start ging, bringt Stefan Ruppert seinen eigenen Wagen ein. Dieser bleibt auch vor seinem Haus in der Altkönigstraße 8 direkt vor dem Stromanschluss stehen. Der weiße Zoe wird in den nächsten Wochen noch beschriftet, sodass es als Nachbarschaftsauto auf den Straßen gut erkennbar ist. Spätestens am 1. April, vermutlich aber schon ein paar Tage früher, schätzt Ruppert, kann der Kleinwagen über das Buchungsportal auf der Seite von SolarInvest reserviert werden.

Ein Auto mit anderen teilen

Nutzen will den Wagen auch Volker Mankiewicz aus der Richard-Wagner-Straße. Der Jurist hat zwar aus der Parkplatznot heraus an seinem früheren Wohnort Mainz neue Alternativen zum Auto für sich entdeckt. Obwohl er hier in Kriftel sein Auto, das er gerne zum Campen nutzt und als Transportmittel für sperrige Dinge schätzt, direkt vor der Tür parken kann, nutzt er immer noch das Rad auf dem Weg ins Büro in der rheinland-pfälzischen Domstadt. Seinen Wagen dagegen bewegt er nur selten. Dadurch erwuchs jedoch auch die Überzeugung, ein Auto für nur einen Haushalt, "das ist Verschwendung". Mankiewicz will nun testen, wie sich das Nachbarschaftsauto für ihn integrieren lässt.

Vor allem auch mit Blick auf die angespannte Parksituation will sich Anna-Lena Heller für das Nachbarschaftsauto anmelden. Die Energieingenieurin nimmt eigentlich vor allem das Rad, und in Kriftel sei man gut an den Öffentlichen Personennahverkehr angebunden, sagt die 28-Jährige. Nur für den wöchentlichen Einkauf zum Beispiel bräuchte sie einen Wagen, und da kommt für sie das "Nahcar" in der Nachbarschaft gerade recht.

Ansprechpartner vor Ort

In Hofheim wurde Anfang des Monats das erste Nachbarschaftsauto in Betrieb genommen. In Kelkheim-Fischbach soll es im April so weit sein. Auch in Kelkheim-Münster ist eins in Planung, ebenso in Schwalbach.

SolarInvest möchte mit dem Angebot die Verkehrswende vorantreiben und einen Beitrag leisten, die Klimaschutzziele auch im Verkehrssektor zu erreichen. Von kommerziellen Angeboten unterscheide man sich durch den Nachbarschaftsgedanken.

In Kriftel ist Stefan Ruppert der "Kümmerer", der dafür sorgt, dass das Auto zur Wartung in die Werkstatt kommt oder bei Bedarf in die Waschanlage. Er ist auch Ansprechpartner vor Ort für Fragen rund ums Fahrzeug. E-Carsharing-Kunden müssen übrigens keine Mitglieder der Genossenschaft sein, "auch wenn uns das natürlich freuen würde", schreibt SolarInvest auf seiner Homepage.

Extra: Buchung und Gebühren

Wer das Nachbarschaftsauto nutzen will, muss sich über die Homepage von SolarInvest unter www.solarinvest-main-taunus.de registrieren. Die monatliche Grundgebühr beträgt 10 Euro. Der Nutzungsvertrag kann zum Monatsende des Folgemonats schriftlich oder online auf mein.nahcar-main-taunus.de gekündigt werden.

Pro Buchung wird 1 Euro fällig, zudem 3,50 Euro pro Stunde Nutzung und 0,15 Euro pro Kilometer. 0,50 Euro pro Stunde im Nachttarif zwischen 22 und 6 Uhr. 40 Euro Tagespreis (für 24 Stunden).

Mit diesen Gebühren ist alles abgegolten von der Vollkasko-Versicherung (300 Euro Selbstbeteiligung) bis zum Ladestrom.

Gebucht werden kann das Auto bis zu 14 Tage im Voraus über eine App auf dem Smartphone. Individuelle Vereinbarungen über längere Vorbuchungszeiten oder feste Regelbuchungen sind nach Absprache und gegen Aufpreis möglich. red

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