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Latein wird wieder lebendig

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Stilecht (von links): Lili Keil, Leonie Blumenstein und Elin Abels bei der Premiere des Latein-Vorlesewettbewerbs an der Weingartenschule.
Stilecht (von links): Lili Keil, Leonie Blumenstein und Elin Abels bei der Premiere des Latein-Vorlesewettbewerbs an der Weingartenschule. © Knapp

Tote Sprache? Von wegen! An der Krifteler Weingartenschule hauchen Lehrerin Nicola van de Loo und ihre Schüler dem Latein neues Leben ein.

Damit hatte Nicola van de Loo nicht gerechnet: Als die Lehrerin der Weingartenschule (WGS) zum Latein-Vorlesewettbewerb einlud, da stellte sie es ihren Schülern frei, ob diese sich auch optisch dem Thema entsprechend kleiden wollen. Und siehe da: Der Großteil der Teilnehmer erschien tatsächlich in römischer Toga und mit goldenem Lorbeerkranz im Haar. „Das hätte ich nicht gedacht“, zeigte sie sich überrascht, „ich hatte schon befürchtet, dass sie die Idee vielleicht doof finden würden.“ Dass das Gegenteil der Fall war, ist sicherlich auch ihr Verdienst. Nicola van de Loo unterrichtet Latein nicht nur, sie lebt ihren Schützlingen die Freude am Entdecken dieser häufig totgeredeten Sprache vor.

Dramatische Lesungen

Insgesamt traten am Mittwochvormittag 14 Kontrahenten solo oder als Gruppe bei dem Vorlesewettbewerb an. Der Name war dabei aber etwas irreführend, denn in Wahrheit führten die Schüler aus den 7., 8. und 9. Klassen kleine dramatische Lesungen vor. Die jeweiligen Texte durften die Wettbewerber frei wählen. Die einzige Bedingung: Die Passagen durften eine Anzahl von 100 Wörtern nicht überschreiten. Hier verdienten sich Isabella Schmidt und Carina Diel aus der G9a den inoffiziellen Preis für Kreativität, denn die beiden gaben eine ins Lateinische übersetzte Szene aus „Harry Potter“ zum Besten. Doch auch die klassische Sage von „Dädalus und Ikarus“ oder „Die Qualen des Tantalus“ wussten zu unterhalten.

Wenn es nach der Meinung von Nicola van de Loo gegangen wäre, dann hätte es nach dem etwa 30-minütigen Wettstreit nur erste Plätze gegeben. „Deswegen war ich auch nicht Teil der Jury“, erklärte sie später, „ich bin ja total befangen.“ Für den Job der Juroren versammelte sie stattdessen ein vierköpfiges Kompetenz-Team. Neben den Fachlehrerinnen Ulrike Niendorf und Sabine Schleipen gehörte zu diesem auch Marco Silvestri und Clara Braun, die beide einst selbst Schüler van de Loos waren. Das Quartett nahm sein Amt dabei nicht auf die leichte Schulter und beriet sich nach den Vorträgen ausgiebig. Bewertet wurden die einzelnen Lesungen sowohl nach Wortbetonung als auch nach Lebendigkeit der Darbietung.

Gerade gemessen an letzterem Kriterium wusste Sven Friske aus der G8a zu überzeugen. Er untermalte seine Geschichte „De nano malo“ („Der böse Zwerg“) gar mit einem Puppenspiel samt Requisiten. „Diese spezielle Geschichte habe ich mir ausgesucht, da ich sie besonders betont lesen und dazu auch spielen konnte“, erklärte Sven. Für seine Darbietung wurde er mit dem ersten Platz prämiert. Gesondert gewertet wurden von den Juroren die Teilnehmer der 7. Klassen, da diese erst seit einem Halbjahr in Latein unterrichtet wurden und trotzdem mutig zum Wettbewerb antraten. In dieser Kategorie holten Fiona Elwenn und Shabana Djan (G7a) den Sieg. Im Grunde gab es bei der Premiere des Vorlesewettbewerbs, der aufgrund des Erfolges künftig regelmäßig stattfinden soll, keine Verlierer. Größter Gewinner war die lateinische Sprache selbst, die im Jahr 2018 an der WGS lebendig wie eh und je ist.

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