Mohamed Raouia (mit Mütze) und Tarek Mehrid (rechts daneben) übersetzen die Worte des Ersten Beigeordnete Franz Jirasek (Mitte).
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Mohamed Raouia (mit Mütze) und Tarek Mehrid (rechts daneben) übersetzen die Worte des Ersten Beigeordnete Franz Jirasek (Mitte).

Ankunft in Kriftel

Müde, aber erleichtert: Die Flüchtlinge sind da

  • Ulrike Kleinekoenen
    vonUlrike Kleinekoenen
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Neun Familien mit ihren kleinen Kindern sowie junge Männer haben die ersten der 30 „Mobile Homes“ an der Hofheimer Straße bezogen. Als Willkommensgruß gab es Kuscheltiere und Krifteler Äpfel.

Den Müttern mit ihren kleinen Kindern war die Erschöpfung anzusehen, als sie aus dem Bus stiegen. Die Hilfspolizisten Ewald Koster und Peter Dalibor hielten den Verkehr an, damit alle sicher die Hofheimer Straße überqueren konnten. Ein kleines Mädchen hielt sich krampfhaft an der Sporttasche fest, die seine Mutter auf das Gelände neben dem Sportplatz trug. Die jüngsten Kinder, die gestern in Kriftel ankamen, sind erst wenige Monate alt. Alle haben eine strapaziöse und teilweise gefährliche Flucht hinter sich. Und so war auch Erleichterung zu spüren, wie beispielsweise bei dem jungen Paar, das mit seinen zwei kleinen Kindern aus Syrien geflohen war.

Eigene Briefkästen

Um kurz vor halb fünf sind gestern Nachmittag die ersten 43 Asylbewerber aus der Direktzuweisung des Main-Taunus-Kreises per Bus in der Obstbaugemeinde angekommen. Sie wohnen an der Hofheimer Straße 56a, so lautet die Postadresse der 30 Häuschen, von denen jedes einen eigenen Briefkasten hat.

Mitarbeiter der Gemeinde und des Main-Taunus-Kreises haben die Neuankömmlinge in Empfang genommen. Das Gepäck wurde erst einmal im Eingangsbereich des Geländes abgestellt, bevor es dann in den Aufenthaltsraum ging. Kinder und Erwachsene bedienten sich gerne an der Kiste mit Äpfeln, die ein Krifteler Landwirt gespendet hat. Der Erste Beigeordnete Franz Jirasek begrüßte für die Gemeinde die Neuankömmlinge. Mohamed Raouia vom Ausländerbeirat übersetzte auf Arabisch, Tarek Mehrid, selbst Flüchtling in Hochheim, gab die Sätze des Ersten Beigeordneten in Farsi wieder. Eine Frau rief gut hörbar „Danke“. Jirasek bat, pfleglich mit den Häusern umzugehen. Auch sollte nur draußen an der frischen Luft geraucht werden. Bei der Frage, ob es Internet gibt, musste Jirasek noch vertrösten. „Wir haben einen Hotspot geplant, wir sind aber noch nicht so weit.“ Als Ansprechpartner vor Ort wurde Hausmeister Josef Kern vorgestellt, bevor die vom Main-Taunus-Kreis engagierte Unternehmerin Zeynep Gürcan die Listen mit den Namen der zugewiesenen Flüchtlinge abglich. Dann konnten endlich die ersten der Familien mit ihren Kindern ihre Häuschen beziehen. In einigen waren noch schnell Kinderbettchen aufgestellt worden.

Info-Flyer in Arabisch

Als Willkommensgruß stand auf jedem Tisch in den Häuschen eine Schale mit Obst und Kuscheltieren für die Kleinen. Daneben lag eine Handzettel mit Informationen über Einkaufsmöglichkeiten, die Sprechstunden des Arbeitskreis Flüchtlinge, über Deutschkurse und wichtige Webseiten. „Den Flyer haben Ehrenamtliche in den verschiedenen Sprachen übersetzt“, sagt Tanja Seitz vom Arbeitskreis, die vor der Ankunft auch noch schnell die Öffnungszeiten der Kleiderkammer „Come in“ an der Goethestraße 5 an die Türen klebte.

Die meisten Flüchtlinge, die gestern in Kriftel angekommen sind, stammen aus Syrien, die anderen aus Afghanistan, dem Irak, Iran, Eritrea und Somalia. Einige waren erst tags zuvor in der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen eingetroffen, bevor es gestern Vormittag zum Kreishaus nach Hofheim ging, wo die ersten Formalitäten erledigt wurden.

Am nächsten Montag rechnet die Gemeinde mit weiteren Flüchtlingen. Gut 120 Menschen finden in den 30 Mobile Homes an der Hofheimer Straße Platz. 172 Asylbewerber, so die letzte aktuelle Zahl, muss Kriftel bis Ende März aufgenommen haben. Mit der bestehenden Asylbewerberunterkunft hinterm Friedhof, wo gut 50 Asylbewerber untergebracht sind, ist die Gemeinde damit gerade so im Soll.

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