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Pfarrer Helmut Gros zeigt einen der fünf aus Wachs gefertigten Nägel, die in die Osterkerze gesteckt werden ? sie sind Zeichen der Wundmale Christi.

Symbolik

Pfarrer Helmut Gros: "Osterkerze ist Zeichen für Jesus Christus selbst"

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In der Osternacht spielt sie in katholischen und immer häufiger auch in evangelischen Kirchen eine besondere Rolle: Die Osterkerze. Sie steckt voller Symbolik. Helmut Gros, Pfarrer der Katholiken in Hofheim und Kriftel, erklärt sie.

Eine Kerze anzünden – das tun Menschen, wenn wieder einmal irgendwo Opfer von Gewalt oder Terror zu beklagen sind, nicht von ungefähr. Ein Zeichen, das offenbar vielen nahe ist. Ganz prominent findet es Verwendung in der Liturgie der Osternacht, auf dem Höhepunkt des Christlichen Kirchenjahrs. Auch für Hofheims katholischen Pfarrer Helmut Gros immer wieder ein ganz besonderer Moment, wenn dabei die neue Osterkerze entzündet wird. In der Kirche hat sie ihren eigenen Ort und das ganze Jahr über werden an ihr die Tauf-Kerzen entzündet. Die Osterkerze ist, wie Gros erläutert, „Zeichen für Jesus Christus selbst.“

Seinen qualvollen Tod am Kreuz haben sich die Gläubigen am gestrigen Karfreitag intensiv vor Augen führen lassen. Nun kommt im Dunkel der Nacht, das sinnbildlich für die Dunkelheit des Todes steht, der Moment, in dem alles anders wird. Das Licht kehrt zurück. Aber nicht etwa mit Hilfe eines Streichholzes oder Feuerzeugs. Vielmehr wird eigens ein Feuer entfacht. „Wichtig ist, dass es ein neues Feuer ist“, erklärt Gros. Es werde dann gesegnet, „so dass ein ganz starker Neuheits-Effekt entsteht.“ Lebendig seien die Flammen, zugleich sei Feuer, das ja zu den vier Elementen zähle, aber auch verzehrend, „unberechenbar, faszinierend, unbegreifbar“, findet Gros weitere Attribute. In der Bibel werde geschildert, dass Gott sich im Feuer zeigt, etwa wenn er im brennenden Dornbusch dem Mose begegne, erinnert der Priester.

Wenn es dann darum gehe, am flackernden Feuer die Kerze zu entzünden, sei plötzlich etwas gefragt, was in eigenartigem Gegensatz zu den genannten Eigenschaften des Feuers stehe. „Da braucht es Behutsamkeit“, weiß Gros aus jahrelanger Erfahrung. Man muss warten, bis der Docht ein wenig Wachs gezogen hat. Für ihn „ein schönes Sinnbild für den Osterglauben“, der bekennt, dass Christus vom Tod erstanden ist. Dieser Glaube brauche Nahrung und sei nicht selten auch in Gefahr, wieder zu verlöschen. Deshalb sei es wichtig, immer noch zur Sicherheit ein zweites, gut in einer Laterne geschütztes Licht zu entzünden, an dem im Fall des Falles die Kerze wieder neu entzündet werden könnte. Für den Theologen ein Hinweis darauf, „wie sehr wir Christen uns brauchen, um uns gegenseitig neu anzustecken, wenn es nötig wird.“

Die Osterkerze wird in die dunkle Kirche getragen. Dazu erklingt der Ruf:

„Lumen Christi“

– das Licht Christi, dem die Antwort folgt: „Deo gratias“, Dank sei Gott. Das Licht der Osterkerze wird dann an die Gläubigen, die alle auch kleine Osterkerzen in den Händen halten, weitergegeben, „dass jeder es empfängt. Ein Licht, das Mut macht, das sagt: Du bist nicht allein,“ erläutert Gros. Geteilt, entfaltet es noch ungleich mehr Wirkung. So werde erfahrbar: „Unser Glaube ist zunächst einer für den Einzelnen – der aber nur lebt, wenn er gemeinschaftlich Ausdruck findet und praktiziert wird.“

Verschiedene Symbole schmücken jede Osterkerze. Das Kreuz gehört dazu. „Ostern blendet den Hinrichtungstod Christi nicht aus“, macht Gros deutlich. Nicht Opfer, sondern „die allergrößte Form einer hingebenden Liebe“ sei dieser nach christlichem Verständnis.

Ein Liebe, die Wunden heilen lässt. Daran erinnere der Weihrauch, der ja aus Harz und damit aus Wunden der Bäume gewonnen werde. Ein Körnchen davon kommt in jedes der Löcher, die anschließend die fünf aus Wachs gefertigten Nägel aufnehmen, Zeichen der Wundmale Christi.

Geschmückt ist die Osterkerze immer auch mit Zahlen und Buchstaben. „Alpha und Omega sind der erste und letzte Buchstabe des griechischen Alphabets“, erläutert Pfarrer Gros. „Von A bis Z würden wir heute sagen.“ Jesus war als Gott schon vor aller Schöpfung und bei ihm fließt alles wieder zusammen, übersetzt er die Symbolik. „Faszinierend“ findet er auch, was die Jahreszahl auf der Osterkerze ins Gedächtnis rufen soll. „Wenn wir Auferstehung hören, dann sagen wir: Naja, das war vielleicht mal oder das ist vielleicht irgendwann einmal. Die Zahl, in diesem Jahr die 2018, macht deutlich: Das ist jetzt.“ Auferstehung geschehe möglicherweise so unmerklich, dass wir es nicht wahrnähmen, meint Gros. Doch jeder Mensch gehe ja auf den Tod zu. Und die Botschaft von Ostern gelte allen Menschen, zu allen Zeiten. „Denen, die vor uns waren, und denen, die nach uns kommen. Und eben auch uns.“

(babs)

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