Der Rewe-Markt in der Ortsmitte ist bei den Kriftelern sehr beliebt, vor allem viele ältere Bürger gehen hier einkaufen.
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Der Rewe-Markt in der Ortsmitte von Kriftel ist sehr beliebt, vor allem viele ältere Bürger gehen hier einkaufen.

Ältere Bürger bestürzt

Rewe-Markt in der Ortsmitte macht dicht

  • Ulrike Kleinekoenen
    VonUlrike Kleinekoenen
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Seit Jahren schwelt das Gerücht um die Schließung des Rewe in der Ortsmitte von Kriftel in der Bevölkerung: Jetzt ist es tatsächlich so weit.

Kriftel - Seit Jahren schon kochen regelmäßig Spekulationen hoch, dass der Rewe-Markt in der Ortsmitte von Kriftel möglicherweise geschlossen wird. Doch in der Vergangenheit hatte sich der Lebensmittelkonzern immer wieder mit den Eigentümern auf eine Vertragsverlängerung geeinigt. Diesmal aber nicht. "Wir werden den Rewe-Markt in der Frankfurter Straße Ende 2022 mit dem Auslaufen des Mietvertrags schließen", teilte jetzt die Unternehmenssprecherin Anja Loewe auf Nachfrage dieser Zeitung mit.

Das Aus für den Lebensmittelmarkt an der Frankfurter Straße hatte sich bereits vor einigen Monaten angedeutet. Damals wurde bekannt, dass es einen Eigentümerwechsel gegeben hat und der neue Inhaber der Räume den Vertrag zum Ende des Jahres gekündigt hatte - mit der Option einer Vertragsverlängerung. Doch die würde es offenbar nur mit kräftiger Mieterhöhung geben.

Kriftel: Rewe und Vermieter kommen nicht auf einen gemeinsamen Nenner

Man habe sich nicht auf eine Verlängerung des Vertrages einigen können, erklärt dazu die Unternehmenssprecherin. Rewe werde allerdings den noch bis Ende 2022 laufenden Kontrakt erfüllen. Dass der neue Eigentümer den Discounter am liebsten schon zum Ende dieses Jahres vor die Tür gesetzt hätte, will die Sprecherin nicht bestätigen, allerdings auch nicht dementieren.

Der Erste Beigeordnete Franz Jirasek informierte am Montagabend die Mandatsträger im Planungsausschuss über diese "bedauerliche" Entwicklung in der Ortsmitte. Aus Gesprächen mit Vertretern der Rewe-Expansionsabteilung im Rathaus wusste er zu berichten, dass es für den Konzern "keine Basis für weitere Gespräche mit dem neuen Eigentümer" gegeben hat. Aus einem Lokal in dieser Lage sei mehr herauszuholen, hatte er den Rewe-Leuten seine Forderung nach einer Mieterhöhung erklärt.

Kriftel: Sanierung verurteilt die Verhandlungen um den Rewe-Markt zum Scheitern

Bei der Entscheidung von Rewe, den Vertrag nicht zu verlängern, spielte neben der höheren Mietforderung auch der Blick auf notwendige Investitionen eine Rolle. Bekanntlich braucht der Laden nach vielen Jahren dringend eine Renovierung. Nicht nur die Kühlräume müssten erneuert werden. Bei der Sanierung erwartete Rewe auch das Entgegenkommen des Eigentümers. Doch der hatte offensichtlich keinerlei Signale gezeigt, sich an den Kosten zu beteiligen.

Auch die Gemeinde hatte sich in die Verhandlungen um die Zukunft des Lebensmittelmarktes eingeklinkt. Das Gespräch, das er auch mit dem Eigentümer gesucht und geführt hatte, bezeichnete Jirasek im Ausschuss jedoch als "grenzwertig", ohne hier in Details einzugehen. Der Erste Beigeordnete machte jedoch ebenfalls deutlich, dass der Einfluss der Kommune auf diese Entwicklung in der Ortsmitte nur sehr begrenzt sei.

Schließung in Kriftel: Alle Arbeitsplätze sollen auf andere Rewe-Märkte verteilt werden

Allerdings, so Jirasek, werde die Gemeinde sehr genau hinschauen, was in den Räumen nach Rewe geschehen soll. Dies müsse mit den planungsrechtlichen Interessen der Gemeinde vereinbar sein. Jirasek hat bereits Kontakt zu Mitbewerbern von Rewe aufgenommen. Nun müsse die Gemeinde schauen, ob sie hier etwas vermitteln kann.

Rewe hat in der vergangenen Woche bereits die 15 Mitarbeiter in der Filiale über die Schließung im nächsten Jahr informiert. Es werde keiner seinen Arbeitsplatz verlieren, sondern alle würden in den umliegenden Filialen weiterbeschäftigt, sagt Unternehmenssprecherin Loewe.

Aus für den Rewe-Markt im Zentrum: Bürger von Kriftel sind bestürzt

In Kriftel ist indes die Nachricht von der Schließung des Rewe-Marktes gestern Vormittag mit großer Bestürzung aufgenommen worden. Auch Anneliese L. ist entsetzt. Die 72-Jährige wohnt am Ortsausgang Richtung Zeilsheim. Ein Auto hat sie nicht. "Keinen Lebensmittelladen im Ortskern zu haben, wäre fatal", sagt sie. Der Rewe im Gewerbegebiet an der L 3011 sei zwar schön, aber für Menschen wie sie viel zu weit weg. Gleiches gilt für die Supermärkte an der Oberweidstraße, wo es auch noch einen Rewe-Markt gibt. Sie wohne mit ihrem Sohn unter einem Dach, der dreimal die Woche einkaufen fährt und sie mitnimmt oder die Einkäufe für sie erledigt, sagt Anneliese L. "Aber nicht jeder hat das Glück", gibt sie noch zu bedenken.

Irmgard Mesch ist eine von denen, die diese Möglichkeit nicht haben. Sie kam gestern gerade vom Einkaufen, stellte ihr Körbchen auf die Fußablage ihres Rollators, als sie von der Kreisblatt-Reporterin angesprochen wurde. "Wenn hier kein Supermarkt mehr wäre - das wäre furchtbar für mich, für die Leute, die hier in der Nähe wohnen", erklärt die 93-Jährige. Bank, Apotheke, Einkäufe seien für die Seniorin alle gut zu erledigen gewesen. Jetzt müsse sie dafür "ganz runter in das Gewerbegebiet".

Schließung von Rewe-Markt trifft vor allem ältere Menschen

"Ich kaufe schon immer hier ein, extra auch, damit der Laden offen bleiben kann", sagt eine 80-Jährige und fügt hinzu: "Nicht jeder hat ein Auto. Viele brauchen den Rewe hier."

Einige Krifteler wie S. Schmiedl hatten von der Schließung noch gar nichts mitbekommen und waren gestern über die Nachricht erschrocken. Sie gehe meistens hier einkaufen, sagt die Kriftelerin. "Ich finde es blöd, wenn die hier den Laden zumachen; vor allem für ältere Leute", sagt sie. Und nicht nur sie stellt sich die Frage: "Wo gehen die denn dann einkaufen?" (Ulrike Kleinekoenen)

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