Goldene Hochzeit

50 schöne Jahre

Nicht nur die bis zur Decke gefüllten Bücherregale beeindrucken. Wenn Uta und ihr Mann Professor Dr. Winfried Frey erzählen, dann wird deutlich, warum sie seit 50 Jahren glücklich verheiratet sind.

Nicht nur die bis zur Decke gefüllten Bücherregale beeindrucken. Wenn Uta und ihr Mann Professor Dr. Winfried Frey erzählen, dann wird deutlich, warum sie seit 50 Jahren glücklich verheiratet sind. „Beruflich hat jeder sein eigenes Ding gemacht, aber ansonsten haben sich unsere Interessen – Sprachen, Musik, Literatur – getroffen. Daher war es selbstverständlich, dass wir fast alles gemeinsam machen, allein schon, um sich nachher darüber auszutauschen“, so die 75-Jährige.

Begegnet sind sie sich, ohne es zu wissen, schon als Kinder, da sie – gleichaltrig – von 1947 bis ’50 dieselbe Grundschule in Bruchsal besuchten. Wirklich kennengelernt haben sie sich 1961 „als Fahrstudenten“, denn beide pendelten zu Beginn ihres Studiums von Bruchsal nach Heidelberg. Während sie sich den Fächern Griechisch, Latein und Englisch widmete, galt sein Interesse der Germanistik, Geschichte und Politologie. Später wechselten beide nach Freiburg und – nachdem sie bereits ein Referendariat in Karlsruhe angetreten hatte – 1967 nach Frankfurt, wo er 1970 promovierte. Zwei Jahre später wurde er Professor für deutsche Literatur des Mittelalters und der frühen Neuzeit sowie 1973 geschäftsführender Direktor des Instituts für deutsche Sprache und Literatur an der Universität Frankfurt. Bis zu seiner Emeritierung 2003 vergingen „61 Semester“, erinnert er sich. Ebenso an eine seiner Studentinnen: Gisela Stang, die heutige Hofheimer Bürgermeisterin. Bei Ehefrau Uta verlief es ähnlich gradlinig, denn bis zu ihrer Pensionierung 2006 war sie am Friedrich-Dessauer-Gymnasium in Höchst als Studiendirektorin tätig, zuständig für Sprachen, Kunst und Musik.

Die Liebe kam auf den zweiten Blick, sagen beide. Sein Vater war zwar von der Vorstellung, eine protestantische Schwiegertochter zu bekommen, nicht begeistert, aber „Widerstände schweißen zusammen“. So wurde, nachdem beide ihr Studium beendet hatten, am 6. August 1966 in Bruchsal geheiratet – kirchlich. 1972 zogen sie von Höchst nach Kriftel, wo sie sich noch heute wohlfühlen. „Unter anderem wegen der damals noch zu kriegenden Kinder wollten wir in ein eigenes Haus, aber leider sind diese dann nicht gekommen“, erzählt der Professor. „Aber wir hatten ja viel mit unseren Schülern und Studenten zu tun, mit denen wir teilweise heute noch in Kontakt stehen; außerdem gibt es viele Nichten und Neffen.“

„Langweilig wird uns nicht“, ergänzt seine Frau. So haben beide im Sinfonieorchester Bruchsal sowie später im Kammerorchester Hattersheim Geige gespielt. Vor über 30 Jahren unterstützten sie die Gründung des Partnerschaftsvereins Kriftel, mindestens ebenso lange engagieren sich beide in der Arbeiterwohlfahrt. Darüber hinaus sind beide seit 1972 in der SPD, und während sie zwölf Jahre lang in der Gemeindevertretung war, betreute er die Pressearbeit für den Ortsverein Kriftel. Nicht zuletzt sind sie gemeinsam in der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Main-Taunus tätig. Seine wissenschaftliche Liebe zum Mittelalter – nicht nur über die Literatur dieser Zeit hat er zahlreich publiziert – überlässt sie ihm allerdings alleine, und so trifft er sich jährlich mit gleichgesinnten „Mediävisten“ für eine Woche irgendwo in Europa.

Die große Familienfeier hatten sie bereits letztes Jahr zu beider 75. Geburtstagen, daher werden sie ihre goldene Hochzeit nun im Frankreichurlaub begehen. Auftanken für einen weiteren Höhepunkt, denn am 23. September bekommt Professor Frey in Darmstadt das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. „Da ich unter anderem viel zur Vorgeschichte des Antisemitismus geforscht habe, wird wohl mein Lebenswerk geehrt“, vermutet er.

(skr)

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