Für Sajjadd Hussain Awan, Ehefrau Sabiha und Sohn Shayan Saif (von rechts) ist Kriftel ein Stück Heimat geworden. Jetzt droht ihnen die Abschiebung. FOTO: privat
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Für Sajjadd Hussain Awan, Ehefrau Sabiha und Sohn Shayan Saif (von rechts) ist Kriftel ein Stück Heimat geworden. Jetzt droht ihnen die Abschiebung.

"Bekannt und beliebt"

Familie droht Abschiebung: „Sie haben sich so gut integriert“

  • Ulrike Kleinekoenen
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Eine Familie aus Pakistan lebt seit 7 Jahren in Kriftel bei Frankfurt. Jetzt sitzen sie in Abschiebehaft. Eine Petition soll nun das Bleiberecht sichern.

Kriftel – Ohne jede Ankündigung stand Mittwochfrüh gegen 5.00 Uhr die Polizei vor der Asylbewerberunterkunft in der Richard-Wagner-Straße. Shayan packte noch eine Hose, zwei T-Shirts, Unterhosen und ein paar elektronische Dinge ein. Die Eltern haben schnell Kleidung in ein paar Koffer geworfen. "Wir hatten nicht viel Zeit", erzählt der 19-Jährige. Dann ging es zunächst nach Frankfurt, anschließend weiter nach Darmstadt. Dort sitzen Sajjadd Hussain Awan, seine Ehefrau Sabiha und Sohn Shayan Saif nun in Ausreisegewahrsam.

Was jetzt wird? Sie wissen es nicht. Ihre einzige Hoffnung richtet sich auf eine Petition, mit der der pakistanische Verein Hum Hain aus Darmstadt das Bleiberecht für die Familie erreichen will. Auch der Ausländerbeirat aus Kriftel unterstützt diese Petition, über die voraussichtlich Anfang der kommenden Woche entschieden wird.

Familie kam 2014 nach Kriftel bei Frankfurt und hat sich gut integriert: Asylantrag abgelehnt

Auf der Suche nach einer neuen Chance war die Familie 2014 aus Pakistan geflüchtet. Doch ihr Asylantrag wurde abgelehnt, so dass sie in Deutschland nur geduldet waren. Alle drei hätten sich jedoch sehr schnell in Kriftel eingelebt "und sich rege an den Aktivitäten des Asylkreises beteiligt", weiß die Vorsitzende des Ausländerbeirats, Carmen Jimenez. Sie gehörten zu den ersten Familien, die an den ehrenamtlichen Sprachkursen teilnahmen. Hussain und Sabiha lernten sehr schnell Deutsch.

Sohn Shayan Saif sei in den sieben Jahren, die er in Kriftel wohnt, "zu einem sehr höflichen, hilfsbereiten, integrierten und sehr beliebten jungen Mann herangewachsen". Er besuchte die Weingartenschule und hat sich neben seinen schulischen Aufgaben freiwillig für seine Mitschüler und damit für die gesamte Schule als Hauptschulzweig-Sprecher engagiert. Dafür wurde er sowohl von der Schule als auch von der Gemeinde mit einer Urkunde geehrt. Auch der Ausländerbeirat würdigte die hervorragende Integration des jungen Mannes bei einer Abschlussveranstaltung 2018 in der Schule.

"Bekannt und beliebt": Pakistanischer Familie in Kriftel bei Frankfurt droht die Abschiebung

Seine Mutter Sabiha nahm nicht nur regelmäßig an den Deutschkursen teil, sondern beteiligte sich aktiv bei anderen Aktivitäten des Ausländerbeirats wie Häkel- oder Nähkursen. Auch bei Koch-Veranstaltungen der katholischen Kirchengemeinde war sie dabei und kochte "gerne und gut" für die ehrenamtlichen Helfer und andere Geflüchtete verschiedener Nationalitäten. "Auch sie ist in Kriftel bekannt und beliebt", weiß Carmen Jimenez. Dabei ist die 45-Jährige chronisch krank. Sie leidet an Diabetes und muss regelmäßig Insulin nehmen. Obwohl Sabiha die Situation um den unsicheren Aufenthalt seelisch sehr belastet, "ist sie immer zur Stelle, wenn jemand in der Unterkunft oder Nachbarschaft Hilfe benötigt", erklärt die Vorsitzende des Ausländerbeirats.

Awan Sajjadd Hussain (44) war immer bemüht, den Lebensunterhalt für die Familie zu bestreiten. Er lernte schnell Deutsch, machte vor sechs Jahren sein A 2-Zertifikat und bestand 2017 seine B1-Prüfung sowie den Orientierungskurs "Leben in Deutschland". Seit 2019 arbeitet er Vollzeit in einem Frankfurter Imbiss und steht in einem festen Arbeitsverhältnis. Seinen Lebensunterhalt kann er fast vollständig bestreiten. Die Familie durfte aufgrund der Duldung jedoch nicht aus der Unterkunft ausziehen und Leistungen wie Kindergeld oder Wohngeld beantragen.

19-jähriger will Polizist werden: Ausländerbeirat hofft auf Bleiberecht für die Familie aus Kriftel

Die Familie habe sich von Anfang an "außerordentlich gut integriert, engagiert und sehr sozial verhalten", hebt der Ausländerbeirat hervor.

Der 19 Jahre alte Sohn wollte seinen Realschulabschluss nachholen, um seinen Traum zu verwirklichen, "Polizist zu werden", erzählt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Er fühle sich in Kriftel heimisch, sagt er. "Ihn nun aus seinem sozialen Umfeld zu reißen und in ein Land zu schicken, welches ihm fremd geworden ist und ihn und seine Eltern damit in Gefahr zu bringen, belastet auch uns sehr", sagt Carmen Jimenez. Der Ausländerbeirat wünsche der Familie deshalb, dass sie endlich ein Bleiberecht in Deutschland erhält, "denn gerade solche Bürger sind gut für unser Land". (Ulrike Kleinekoenen)

Mit Sprachkursen und gemeinnützigen Arbeiten versuchen die Bundesagentur für Arbeit und die Kommunen die Integration von Geflüchtete und Migranten auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern.

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