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Stabile Seitenlage kann auch dem Vierbeiner das Leben retten

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Von: Romina Kunze

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Gesa Volpers (links) und Lukas Kurkin (vorne) zeigen an der Puppe "Odin" - benannt nach Kurkins Berner Sennenhund - wie Besitzer sich in Notfällen verhalten sollten.
Gesa Volpers (links) und Lukas Kurkin (vorne) zeigen an der Puppe "Odin" - benannt nach Kurkins Berner Sennenhund - wie Besitzer sich in Notfällen verhalten sollten. © Kunze

Erste-Hilfe-Kurs für Hundebesitzer: Wenn das Herrchen zum Helfer werden muss. Gesa Volpers und Lukas Kurkin vom ASB verraten, was im Notfall zu tun ist.

Kriftel -Das wohl schlimmste Szenario ist, wenn ein geliebtes Familienmitglied in Not gerät und man selbst nur hilflos zuschauen kann. Das gilt natürlich auch für Familienmitglieder auf vier Pfoten. Das Problem mit den Vierbeinern ist aber, dass sie nicht sagen können, wenn ihnen etwas fehlt. Oder was.

Beim Erste-Hilfe-Kurs für Hunde (ausgerichtet vom Familienzentrum Kriftel) am Sonntag zeigten daher Gesa Volpers und Lukas Kurkin vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), wie sich Hundebesitzer in Notsituationen verhalten müssen. Die Gründe für die Teilnahme sind unterschiedlich: Manche sind frische Hunde-Eltern, andere haben einen Angst-Hund aus dem Ausland adoptiert. Eine möchte ihren Vierbeiner mit in den Aktiv-Urlaub nehmen.

Eine Frage eint sie aber alle: Wie helfe ich dem Hund, wenn er krank ist, geschweige denn regungslos am Boden liegt? Hier die wichtigsten Inhalte zusammengefasst. Doch ehe es ins Detail geht, ein Grundsatz: "Bei der Ersten Hilfe geht es ums Improvisieren, die Situation ist nie ideal", sagt Volpers. Man wolle einzig die Zeit überbrücken, bis ärztliche Hilfe kommt.

Wie erkennt man, dass es dem Hund schlecht geht?

Laut einer Binsenweisheit gibt die Hundeschnauze Aufschluss, ob es dem Tier gut geht - oder nicht. Zuverlässiger ist das TAPS-Schema , wie die Expertin vom ASB erklärt. Nicht nur, dass die Methode niedlich klingt, sie steht auch für die vier Merkmale, die untersucht werden sollten.

Zum einen die Temperatur des Hundes. Die wird in der Regel rektal gemessen, erklärt Volpers, und hat einen Normalwert zwischen 37 und 39° Celsius. Aber: "Jeder Hund hat einen eigenen Idealwert", sagt sie. Es lohne sich daher, die Temperatur des Tieres einmal in einem ruhigen Moment zu messen. Generell sei es sinnvoll, dies und die weiteren Methoden zu üben - damit man für den Notfall gewappnet ist, aber auch der Hund das Vorgehen kennt.

Ein weiteres Indiz ist die Atmung. Im Normalfall: 20- bis 30-mal pro Minute bei großen Hunden, bei kleinen oder Welpen etwa 30- bis 50-mal. Überprüft werden kann sie, indem man die Hand auf den Brustkorb des Vierbeiners legt oder vor die Nase hält. Auch der Puls sollte im Zweifel überprüft werden. Auch hier wird wieder nach Größe des Hundes unterschieden: Das Hundeherz von größeren Tieren schlägt inormal etwa 80- bis 100-mal pro Minute, bei kleineren Hunden oder Welpen durchaus etwas mehr. "Messen können wir das, wo wenig Fell ist", erklärt Kurkin. Besonders gut eigne sich die Innenseite des Hinterlaufs; am besten mit dem Zeige- oder Mittelfinger. "Der Daumen hat nämlich einen eigenen Puls", so der Experte. Damit würde man nur seinen eigenen Herzschlag ermitteln.

Zu guter Letzt deuten die Schleimhäute den Gesundheitszustand des Hundes an. Am besten lassen die sich mit einem Blick in die Schnauze checken. Ist das sonst rosafarbene Zahnfleisch bläulich verfärbt, spricht das für Sauerstoffmangel, bedingt durch Herzprobleme oder Lungenbeschwerden. Eine dunkelrote Färbung spricht für eine Vergiftung. Ist es farblos oder blass, könnte der Grund Blutverlust sein, etwa durch eine Zecke (die entfernt man übrigens am besten mit einer Zecken-Karte aus der Apotheke). Weiterer Indikator: die "Rekap-Zeit", die auch beim Menschen angewandt wird. Nach Druck sollte das Zahnfleisch binnen zwei Sekunden die Farbe annehmen, die es vorher hatte.

Fazit: Zeigt eines dieser vier Kriterien enorme Abweichungen, sollte man unbedingt den Tierarzt hinzuziehen.

Schock-Zustand

Wird der Körper - egal ob Mensch oder Tier - nicht mehr ausreichend mit Blut oder Sauerstoff versorgt, fällt er in einen Schock; der Kreislauf sackt ab, versagt im schlimmsten Fall ganz. Ursache kann vieles sein. "Jeder Notfall kann zum Schock führen", sagt Volpers - sogar, wenn es dem Herrchen oder Frauchen nicht gut geht. Und dann Herz, Lunge oder Gehirn angreifen.

Anzeichen dafür sind Zittern, leichtes Taumeln oder ein generelles apathisches Verhalten. Auch die Pfötchen könnten aufgrund der gestörten Blutzirkulation dicker sein. "Den Schock zu behandeln hat immer Vorrang", stellt Kurkin klar; selbst wenn der Hund sichtbare Verletzungen hat. Es gilt, den Hund in eine stabile Seitenlage zu bringen (auf seine rechte) und zu wärmen.

Erste-Hilfe-Maßnahmen

Das wichtigste: Ruhe bewahren! Liegt der Hund reg- oder leblos da, sollte die erste Maßnahme sein, ihn zu rufen, um zu sehen, ob er "ansprechbar" ist. Reagiert er nicht, sollte man sich dem Hund grundsätzlich langsam und von hinten nähern, dann sachte in die Hinterpfote kneifen.

Gibt er selbst dann noch kein Lebenszeichen, sollte - wie beim Menschen - der Kopf überstreckt und die Zunge herausgezogen werden. Das verhindert, dass der Hund erstickt. Als Nächstes müssen Atmung und Puls getestet werden, zum eigenen Schutz aber fernab der Schnauze. Atmet er nicht, muss schnell gehandelt werden. Doch zuerst: einen Notruf absetzen (siehe Info-Box).

Die Wiederbelebung startet mit fünf Initialbeatmungen: Die Schnauze trotz herausgestreckter Zunge schließen, dann kräftig durch die Nase beatmen, anschließend Zustand kontrollieren. Rührt sich der Hund noch immer nicht, braucht es eine Herz-Rhythmus-Massage. Die Hand, ausgehend von der Vorderpfote, etwa zwei Zentimeter Richtung Rumpf ablegen und beherzt zudrücken, dreißigmal. Richtwert für das Tempo: "Das Lied ,Atemlos' von Helene Fischer", rät Kurkin. Das so lange im Wechsel - beatmen und Massage -. bis der Hund anschlägt oder Hilfe kommt.

Vergiftung

Schokolade, primär Kakao-Pulver, Knoblauch, Zwiebeln, Alkohol, Avocados - viele alltägliche Lebensmittel können für den Vierbeiner giftig sein. "Es wäre einfacher aufzulisten, was er essen darf", sagt Kurkin. Besonders gefährlich sind die Giftköder auf der Gassi-Runde. Schaum vor der Schnauze, Schock-Zustand, Erbrechen, Durchfall oder ein abnormaler Puls deuten eine Vergiftung an. Wichtig: dem ersten Impuls, schnell helfen zu wollen, widerstehen. "Wir geben nichts, ehe wir das Gift nicht kennen", so Kurkin. Stattdessen: Rasch zum Tierarzt. Falls nötig, wird der Magen ausgepumpt (etwa 80 Euro).

Hat der Hund etwas verschluckt, wird mit der Schwerkraft gearbeitet: Das Hinterteil des liegenden Tiers mit dem eigenen Knie erhöhen und zwischen den Beinen einklemmen, so dass der Hundekopf nach unten zeigt. Dann mit beiden Händen gegen den Brustkorb klopfen.

Extra: Mobiler Tiernotdienst

Ist ein Mensch in Not, wird die "112" gewählt. Einen vergleichbaren Rettungsdienst für Hund, Katze und Co. gibt es nicht. Aber einen mobilen Tiernotdienst. Für das Rhein-Main-Gebiet unter der (01 60) 88 11 88 4 jederzeit zu erreichen. Vorsicht: ein Privatdienst, daher teuer. Tipp der Experten: Von einem Freund abholen und zum Tierarzt bringen lassen - sofern der Zustand nicht kritisch ist. rku

Volpers demonstriert die Reanimation beim Vierbeiner.
Volpers demonstriert die Reanimation beim Vierbeiner. © Kunze

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