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Tragisches Unglück: Krifteler SPD-Chef stirbt am Bahnübergang

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Nach dem furchtbaren Unfall am Sonntagabend war die Bahnstrecke eineinhalb Stunden voll gesperrt. FOTO: 5vision
Nach dem furchtbaren Unfall am Sonntagabend war die Bahnstrecke eineinhalb Stunden voll gesperrt. © 5vision

Große Bestürzung in Kriftel und im Kreis - Kommune erneuert Forderung nach Vollschranken

Kriftel -Die Nachricht hat nicht nur in der Obstbaugemeinde, sondern im gesamten Main-Taunus-Kreis für große Bestürzung gesorgt: Der SPD-Vorsitzende Werner Moritz-Kiefert ist am Sonntagabend bei einem tragischen Unfall am Bahnübergang Paul-Duden-Straße ums Leben gekommen. Der stark sehbehinderte Krifteler drehte gegen 19 Uhr mit seinem Assistenzhund Yogi eine Abendrunde, die Strecke durchs Gebiet Mönchhof war ihm bekannt, wie auch der Bahnübergang Paul-Duden-Straße, von wo es nicht mehr weit bis nach Hause ist.

An dem auf der rechten Seite mit einer Halbschranke gesicherten Übergang blieb Moritz-Kiefert laut Zeugenaussagen mit Schäferhund Yogi zunächst auch stehen, allerdings auf der linken Seite, die Sehbehinderte generell nutzen, um dem Verkehr entgegen zu gehen. Er tastete sich dann offenbar etwas nach vorne, dass zwei Passanten und auch der Lokführer der S2 aus Frankfurt kommend mit Signal, den Sehbehinderten warnten. "Auf diese Warnung reagierte dieser jedoch falsch", so ein Polizeisprecher, der von einem "tragischen Unglück" sprach. Der 74-Jährige wie auch sein Hund waren sofort tot. Die Augenzeugen wurden ebenso wie der Lokführer sowie die Angehörigen vor Ort von Notfallseelsorgern versorgt. Zweieinhalb Stunden war die Bahnstrecke am Sonntagabend gesperrt.

Der Vorsitzende des Krifteler SPD-Ortsvereins leidet seit seiner Geburt an einer Erkrankung des Sehnervs, die sich immer weiter verschlimmerte, seit 20 Jahren war er blind. Seit 16 Jahren half ein Assistenzhund dem politisch ehrenamtlich engagierten Sozialdemokraten, sich möglichst unabhängig zu bewegen. Moritz-Kiefert vertraute auf den Schäferhund, warum dieser Sonntagabend sein Herrchen nicht oder ungenau vor dem Queren der Gleise warnte, bleibt vermutlich immer ungeklärt.

Gemeinsam hatten die beiden schon seit acht Jahren viele Wege gemeinsam gemeistert, auch hoch zum Landratsamt. Seit 2011 gehörte der pensionierte Verwaltungsfachwirt dem Kreisausschuss an. Zudem engagierte er sich seit 2012 im Kreisbehindertenbeirat. Moritz-Kiefert war seit dessen Gründung 2012 Mitglied des Gremiums und wurde 2021 zum dritten Mal vom Kreisausschuss in den Beirat gewählt. Er leitete den Arbeitskreis Berufliche Teilhabe und war dessen Sprecher.

"Wir stehen unter Schock"

In der gestrigen Kreistagssitzung in der Flörsheimer Stadthalle standen rote Rosen und ein Gesteck mit weißen Lilien auf dem Tisch mit Moritz-Kieferts Namensschild, dazu ein Foto. Im Foyer war ein Kondolenzbuch ausgelegt. Die Mitglieder der SPD-Fraktion trugen großenteils Schwarz. Landrat Michael Cyrix (CDU) würdigte für den Kreisausschuss "unseren Kollegen", der einen "schrecklichen Unfalltod" erlitten habe. "Wir haben ihn sehr geschätzt, und ich auch ganz persönlich wegen seiner Sachkunde und Freundlichkeit", so der Landrat.

In Kriftel waren für Moritz-Kiefert und Yogi häufig das Rathaus oder die Schwarzbachhalle das Ziel. Seit der letzten Kommunalwahl gehörte der gebürtige Hofheimer, der seit Jahrzehnten SPD-Mitglied ist und seit neun Jahren Ortsvereins-Vorsitzender, der Gemeindevertretung an. "Wir stehen unter Schock", so der SPD-Schatzmeister Joachim von Kiel. Der Ehrenvorsitzende Gerhard Mantel schätzte seinen Nachfolger für dessen "klare Meinung", obwohl diese auch nicht immer mit den Vorstellungen der Fraktion übereinstimmte. "Wir können es nicht fassen, zeigten sich Bürgermeister Christian Seitz und der Erste Beigeordnete Franz Jirasek tief betroffen über den Tod von Werner Moritz-Kiefert. Ihre Gedanken seien bei dessen Ehefrau und der Familie, erklärten beide.

Nach diesem furchtbaren Unfall werden wieder Stimmen laut, die fordern, dass die Bahnübergänge mit Vollschranken gesichert werden sollen. Nach dem tödlichen Unfall eines Radfahrers 2012 hatten die Grünen in einem offiziellen Antrag, dem alle Fraktionen gefolgt waren, Vollschranken und akustische Warnsignale an allen Bahnübergängen in Kriftel gefordert. "Wir bedauern es sehr, dass die Bemühungen der Gemeinde, den Bahnübergang sicherer zu machen, bisher nicht erfolgreich waren", betonte gestern der Erste Beigeordnete. Mehrere Schreiben seien unbeantwortet geblieben, zwei Ortstermine wurden abgesagt. Im März 2013 kam ein offizielles Schreiben der DB Netz mit der Information, die DB sehe keine Veranlassung, etwas zu ändern." Die Begründung der Bahn: Man halte sich an die geltenden Richtlinien, habe keine Verpflichtung, den Übergang behindertengerecht auszubauen.

Gemeinde will DB in die Pflicht nehmen

Auch 2014 hatte die Gemeinde noch einmal nachgefasst, doch nichts sei geschehen. Nachdem bereits vor zweieinhalb Wochen ein 12-Jähriger an dem Übergang verunglückt war, werde man sich erneut an die Bahn wenden und sie in die Verantwortung nehmen", betonen Seitz und Jirasek. Dies auch mit Blick auf die Entwicklung des Wohn- und Gewerbegebietes "Am Krifteler Wäldchen", denn künftig sei an dieser Stelle mit mehr Fußgänger- und Radverkehr zu rechnen.

Werner Moritz-Kiefert mit Schäferhund Yogi bei ihrem Weg durchs Hochfeld zum Kreishaus in Marxheim. ArchivFOTO: mkn
Werner Moritz-Kiefert mit Schäferhund Yogi bei ihrem Weg durchs Hochfeld zum Kreishaus in Marxheim. ArchivFOTO: mkn © Knapp

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