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Gemeindearchivar Wilfried Krementz hat sich intensiv mit der Historie des Gotteshauses St. Vitus beschäftigt.

Gotteshaus St. Vitus

Vom verwitterten Steinhaufen zum einzigartigen Sakralbau

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Im Mai jährt sich die Weihe der katholischen Kirche St. Vitus zum 150. Mal. Anlass für das Kreisblatt, mit Hilfe von Gemeindearchiv Wilfried Krementz in einer kleinen Serie auf die Geschichte des Gotteshauses und seines Vorgängerbaus zurückzublicken.

Wilfried Krementz wird in diesem Jahr gerade halb so alt wie Kriftels katholische Kirche. Allerdings gilt das nur für das Gotteshaus St. Vitus, das wir heute kennen. Das kann in diesem Jahr sein 150-jähriges Kirchweih-Fest feiern. Doch die Geschichte von St. Vitus reicht, wie Gemeindearchivar Krementz in einem Beitrag für das Jahrbuch 2018 des Main-Taunus-Kreises aufzeigt, sehr viel weiter zurück als die Geschichte des mit seinen Doppeltürmen im Main-Taunus-Kreis einzigartigen Kirchen-Gebäudes.

Ob an seinem Platz einst ein Römischer Tempel stand, ist nicht belegt. Einzig Pfarrverwalter Wilhelm Koch (1860 - 1861) habe in einem Schreiben eine entsprechende Überlieferung erwähnt, sagt Wilfried Krementz. Er selbst hat unter St. Vitus, an einer Stelle, an der das Fundament sichtbar ist, vergebens nach Steinen gesucht, die aus römischer Zeit stammen könnten. Eine der ältesten Kirchen in der Umgebung sollen die Krifteler aber gehabt haben. Dafür gilt auch das Patronat des heiligen Vitus als Beleg. „Kirchen, die den Namen des Märtyrers aus dem 4. Jahrhundert tragen, sind in der Regel sehr alt“, sagt Wilfried Krementz.

Da die Pfarrei offenbar nicht über große finanzielle Mittel verfügte, konnte sie es sich nicht leisten, mit der Mode zu gehen und ihr Gotteshaus dem Geschmack der Zeit entsprechend immer mal wieder umzubauen oder gar ganz neu zu errichten. Das, was sie sich im Lauf der Zeit gegönnt haben muss, war einzig und allein laut Pfarrer Philipp Carl Denk (1837 - 1844) der Chorraum, der später als das Kirchenschiff errichtet worden war.

Im eingemauerten Tabernakel des Chors soll eine Jahreszahl das Jahr der Erbauung festgehalten haben: 1008. Romanisch wird also wohl der Baustil gewesen sein. Eine Zeichnung, die aus dem Jahr 1830 erhalten ist, liefert das Bild einer bescheidenen Kirche mit seitlich angesetztem Turm.

Der bauliche Zustand der Kirche war Anfang des 19. Jahrhunderts offenbar so schlecht, dass über einen Neubau nachgedacht wurde. Lange hatte St. Vitus unter dem Patronat des Mainzer Liebfrauenstifts gestanden und war von diesem auch unterhalten worden. Das hatte sich mit der Säkularisation, die eine Auflösung der Klöster brachte, geändert. Auch die Zugehörigkeit zu Kurmainz war verlorengegangen, so dass Kriftel nun Teil des Herzogtums Nassau war. Wie Krementz alten Quellen entnommen hat, kamen die neuen (evangelischen) Landesherren ihrer Unterhaltspflicht nicht sonderlich gut nach. Die Sakristei etwa hatte zwei Jahre lang ein undichtes Dach. Auch in Schiff und Turm habe man nicht groß investieren wollen, um das Geld für einen Neubau zu sparen, schreibt Krementz.

Offenbar hatte sich die Einsicht durchgesetzt, dass der „alte verwitterte Steinhaufen“, als den Pfarrer Denk seine Kirche 1842 beschrieb, den Kriftelern nicht mehr länger zuzumuten wäre. Einem gemeinsamen Schreiben des Kirchen- und Ortsvorstands hat der Gemeindearchivar entnommen, dass die Wände mit Grünspan und Schimmel überzogen gewesen sein sollen. Die Kirche wird als „feucht und ungesund“ empfunden, alle wertvollen Gegenstände hatte man daher schon im Pfarrhaus in Sicherheit gebracht.

Neben dem maroden Zustand des Gebäudes gab es noch einen weiteren Grund, warum die Krifteler auf einen Neubau drängten. Etwa 400 der 650 Einwohner sollen zum Sonntagsgottesdienst gekommen sein. Die kleine Kirche bot aber nur 136 Sitzplätze. Ein Drittel der Gottesdienstteilnehmer habe daher regelmäßig vor der Kirchentür stehen müssen. Deshalb wünschte sich die Pfarrei ein größeres Gotteshaus.

Allerdings war der Weg bis zu einem Neubau dann doch noch ziemlich lang.

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