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Kunst in Zeiten der Apartheid

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Von: Alexandra Flieth

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Interessiert schauen sich die Besucher die Skulpturen des südafrikanischen Künstlers Vuminkosi Zulu an - eine Kreuzigungsszene und eine Gruppe mit Jüngern. Beide Arbeiten sind aus der Sammlung von Hans Blum, der für die Ausstellung auch Grafiken zur Verfügung stellt.
Interessiert schauen sich die Besucher die Skulpturen des südafrikanischen Künstlers Vuminkosi Zulu an - eine Kreuzigungsszene und eine Gruppe mit Jüngern. Beide Arbeiten sind aus der Sammlung von Hans Blum, der für die Ausstellung auch Grafiken zur Verfügung stellt. © Leonhard Hamerski

Eine Ausstellung in der evangelischen Stadtkirche zeigt bis zum 3. April Kunst aus Südafrika. Viele Arbeiten sind in den 1970er und 1980er Jahren gefertigt und thematisieren den Glauben als Hoffnungträger in Zeiten der Apartheid.

Fast 50 Jahre ist es her, als Hans Blum, einst Pfarrer und Dekan der evangelischen Stadtkirche und mittlerweile im Ruhestand, zum ersten Mal mit südafrikanischer Kunst in Berührung kam. Mitte der 1960er Jahre führte ihn sein Weg in das Land am Kap, das durch sein menschenverachtendes, rassistisches System der Apartheid eine traurige Geschichte schrieb und über viele Jahrzehnte hinweg die schwarze Bevölkerung unterdrückte.

Ausdrucksstarke Werke

Blum ging als Gemeindepfarrer an eine lutherische Kirche in eine Provinz im Osten von Johannesburg, die von der schwarzen Bevölkerung aufgesucht wurde. Er lernte die Landessprache Zulu, kam in Kontakt mit den Menschen. In dieser Zeit sah er zum ersten Mal Werke schwarzer, südafrikanischer Künstler – ausdrucksstarke Grafiken, Bilder und skulpturale Objekte. Über ihre Kunst stellten sie den Alltag und das Leben in Zeiten der Apartheid dar, aber auch ihre Liebe zu Gott und ihrem Glauben.

Fasziniert von der Tiefe dieser Werke, begann Blum damit, Kontakt zu den Künstlern aufzunehmen, diese zu unterstützen und südafrikanische Kunst zu sammeln. Eine Leidenschaft, die ihn bis heute packt. Er ist ein ausgewiesener Kenner der Materie. „Liebe ist stark . . ., ihre Glut ist feurig und eine Flamme des Herrn“ – unter diesem Titel, der auf das Hohelied im Buch Salomo (8,6) verweist, sind aktuell vor allem grafische Werke südafrikanischer Künstler aus der Sammlung von Blum in der evangelischen Stadtkirche ausgestellt. „Es ist erst die zweite Ausstellung, die ich mit Arbeiten südafrikanischer Künstler organisiere, auf denen ausschließlich christliche Themen dargestellt sind“, sagt Blum. Mehr als 130 Ausstellungen habe er seit 1987 bereits gestaltet.

„Für schwarze Künstler in Südafrika war damals der Weg auf eine Kunsthochschule weitestgehend verschlossen“, erzählt Blum. Alternativ besuchten viele die mittlerweile renommierte Kunsthochschule im südafrikanischen „Rorke’s Drift“, die 1962 von der „Evangelical Lutheran Church“ aufgebaut wurde. Dank seiner Arbeit als Pfarrer in Südafrika, wo er sich von 1965 bis 1979 und nochmals Ende der 1990er Jahre aufhielt, bekam Blum Kontakt zu vielen schwarzen Künstlern, lernte diese über ihre Kunst kennen, knüpfte Freundschaften. „Als ich wieder zurück nach Deutschland ging, wollte ich etwas von diesem Schatz, den ich dort erlebt habe, mitnehmen“, erinnert er sich.

„In Rorke’s Drift entdeckte ich die ersten Kunstwerke“, erzählt er weiter. Vor allem die Perspektive auf den christlichen Glauben, die biblischen Darstellungen, die in den Werken zum Ausdruck kommen, habe ihn fasziniert. Blum zeigt auf eines seiner Lieblingswerke, einer skulpturalen Kreuzigungsszene aus Holz. „Sie stammt von Vuminkosi Zulu“, sagt er. Von Zulu, der 1996 verstarb, sind auch grafische Werke ausgestellt.

Ankauf fürs Museum

Die private Sammlung von Blum ist eng mit der Südafrika-Kunstsammlung des Weltkulturen Museums verknüpft. Denn Blum kaufte 1986 rund 600 Werke dieser Sammlung für die Institution an, die damals noch Museum für Völkerkunde hieß. Hierzu beauftragt wurde er vom damaligen Direktor Dr. Josef Franz Thiel. Nur ein einziges Mal, 1987 gab es im Weltkulturen Museum eine Ausstellung mit den von Blum angekauften Arbeiten. Unter dem Titel „A labour of Love“ zeigt die Einrichtung nach fast 30 Jahren aktuell erstmals wieder einige dieser Werke. Die Schau in Höchst versteht sich als Ergänzung hierzu.

Die Ausstellung in der evangelischen Stadtkirche, Leverkuser Straße/Ecke Melchiorstraße, kann samstags und sonntags von 11 bis 13 Uhr sowie mittwochs von 14.30 bis 16.30 Uhr besichtigt werden.

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