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Ronald Cabiles (li.) koordiniert die mobile Hebebühne, mit deren Hilfe seine Kollegen Torsten Fricke (Mitte) und Jörg Kühnau die schwere Holzskulptur des Heiligen Antonius vom Sandsteinsockel gehoben haben. Das Kunstwerk kommt zur Restaurierung nach Wiesbaden.

Holzskulptur des Heiligen Antonius

Ein Kunstwerk geht zur Kur

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Die Figur des Heiligen Antonius in der Justinuskirche wurde gestern in die Restaurierungswerkstatt des Hessischen Landesamtes für Denkmalschutz nach Wiesbaden gebracht. Dort wird sie gereinigt und der Frage nachgegangen, wer das Werk anfertigte.

Fast sanftmütig blickt die Figur des Heiligen Antonius vom Sandsteinsockel auf Besucher der Justinuskirche herab. Sie steht in einer der östlichen Seitenkapellen der Kirche, deren Basilika, erbaut um 830, zu den ältesten Deutschlands gehört. Seit 30 Jahren wurde die Antonius-Figur, dieses einzigartige Kunstwerk, 1485 in Worms angefertigt, nicht mehr bewegt. Eine Restaurierung wurde notwendig.

Konkret bedeutet dies, dass die rund 1,80 Meter hohe Holzskulptur gereinigt werden muss. Die Oberfläche ist durch Ruß und Staubpartikel verschmutzt, farbliche Details wie beispielsweise die in Blau dargestellten, hervorstehenden Adern der Hand sind kaum noch wahrnehmbar. Hierfür soll das Kunstwerk in die Restaurierungswerkstatt des Hessischen Landesamtes für Denkmalschutz gebracht werden.

Ernst-Josef Robiné, Vorsitzender der Stiftergemeinschaft Justinuskirche, ist ein wenig aufgeregt. Schließlich muss der Heilige Antonius erst einmal ganz vorsichtig vom Sandsteinsockel gehoben und fachmännisch verpackt werden.

Das Unternehmen Hasenkamp, das unter anderem auf Kunsttransporte spezialisiert ist, fährt mit dem Lkw auf den Justinuskirchplatz vor. Die Mitarbeiter Torsten Fricke, Ronald Cabiles und Jörg Kühnau sind vorbereitet. Bevor es losgeht, schauen sich die drei ganz genau an, welchen Weg sie nehmen müssen, um die Figur aus der Kirche hinaus zu transportieren. Dann holen sie eine mobile Hebebühne, mit deren Hilfe sie die Figur vom Sandsteinsockel heben möchten.

Das Gerät alleine reicht dazu aber nicht aus. Es bedarf viel Kraft, um die Holzskulptur zu bewegen und sie richtig zu halten, damit sie nicht kippt und beschädigt wird. Der sich lose in der Hand der Figur befindende Stab mit dem typischen T-Kreuz wird herausgenommen und vorsichtig zur Seite gelegt.

Während Cabiles sich um die Ausrichtung der Hebebühne kümmert, übernehmen seine Kollegen die Aufgabe, das Kunstwerk darauf zu platzieren und zu halten. Das ist aufgrund des Gewichts der Skulptur, das von den Transporteuren auf rund 200 Kilo geschätzt wird, gar nicht so einfach. Schließlich steht Antonius auf der Hebebühne, wird vorsichtig heruntergelassen und von dort auf einen Rollwagen platziert. Dann rollen ihn die Männer zum Lkw. Dort wird das Kunstwerk in eine große Holzkiste gestellt und gesichert. Die Fahrt kann losgehen.

Rund ein halbes Jahr wird die Figur nun in Wiesbaden bleiben und auf Vordermann gebracht. In dieser Zeit soll auch geprüft werden, ob die aktuelle farbliche Gestaltung der Figur die Originalfassung ist. Außerdem soll nach Anhaltspunkten gesucht werden, die klären können, wer die meisterhafte Schnitzarbeit geleistet hat. „Es gibt eine Vermutung, dass sie von Hans von Worms gefertigt wurde“, sagt Robiné. Angenommen wird auch, dass sie das Vorbild für die Darstellung des Heiligen Antonius im berühmten Isenheimer Altar von Matthias Grünewald war, den dieser für die dortigen Antoniter malte.

„Der Antoniter-Orden wirkte in Höchst in der Zeit zwischen 1441 und 1803. Rund ein Viertel der Höchster Altstadt war damals Ordensfläche“, erzählt Robiné. Benannt wurden die Antoniter, die sich im 11. Jahrhundert in dem französischen Ort St. Didier de la Motte gründeten, nach Antonius dem Großen (vermutlich 251–356).

„Die Skulptur hat ursprünglich ihren Platz auf dem einstigen gotischen Hochaltar aus Sandstein gehabt“, erklärt Robiné. In der Zeit des Barocks sei dieser durch Holzeinfassungen umgestaltet worden, danach habe die Figur auf einem kleineren Altar gestanden. Erst in den 1930er Jahren sei sie an ihren heutigen Standort gekommen.

Die Kosten für die Sanierung werden mit rund 17 000 Euro veranschlagt. Sie werden gemeinsam vom Bistum Limburg, der Stiftergemeinschaft Justinuskirche und dem Hessischen Landesamt für Denkmalpflege getragen.

Das Interesse der Besucher an der Justinuskirche und ihrer Geschichte nimmt jährlich zu. Regelmäßig werden Führungen durch das historische Kleinod angeboten.

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