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Auch Demonstrationsteilnehmer aus Wildsachsen und Langenhain hatten sich, nach aktuellem französischen Vorbild, mit gelben Westen ausgestattet. Nicht alle hielten das für eine gelungene Idee. Aber das gemeinsame Ziel, die Hochspannungsleitung Ultranet in der jetzt geplanten Form zu verhindern, lässt ein solches Detail in den Hintergrund treten.

Verschwenkung der Trasse denkbar

Bürger protestieren gegen Ultranet-Hochspannungsleitung in Niedernhausen

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Auch Hofheimer und Eppsteiner beteiligten sich an einer Demonstration gegen die Hochspannungsleitung Ultranet in Niedernhausen. Die beiden Bürgermeister sehen Chancen nach einem Gespräch mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier.

Main-Taunus-Kreis - Lässt sich an den Plänen zur Hochspannungsleitung Ultranet, die auch durch mehrere Kommunen des Main-Taunus-Kreises führen soll, überhaupt noch etwas ändern? Diese Frage stellt sich derzeit immer, wenn über das umstrittene Projekt gesprochen wird, so auch gestern bei einer Demonstration gegen die Leitung und eine Veranstaltung mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in Niedernhausen. Hofheims Bürgermeisterin Gisela Stang (SPD) und ihr Eppsteiner Amtskollege Alexander Simon (CDU), die den Minister zuvor trafen, sprechen von einem guten Gespräch und schätzen die Situation keineswegs als aussichtslos ein.

„Da wird schwer was los sein“, prognostizierte Bremthals Ortsvorsteher Guido Ernst, durch dessen Stadtteil die Leitung führt, bereits am frühen Nachmittag. Und tatsächlich, über 300 Bewohner der Orte entlang der Trasse trafen sich zur Demonstration am Rathaus in Niedernhausen, ausgerüstet mit Transparenten, Trillerpfeifen und Luftballons – eine solche Veranstaltung dürfte die beschauliche Gemeinde lange nicht gesehen haben.

Zum Thema: Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier wirbt für Stromtrasse - Bürger protestieren

Auch aus Langenhain und Wildsachsen waren Demonstranten gekommen, später in der Autalhalle ließen sich einige Bürgermeisterkandidaten, Bundestagsabgeordnete und lokale Politiker blicken. Das Kommando bei der Demonstration übernahm Karin Lübbers, Sprecherin der Bürgerinitiative „Ultranet, woll’n mer net“, in der sich vor allem die Langenhainer und Wildsächser organisiert haben. „Keine Masten überm Dach, Leute, werdet endlich wach“, lautet die Parole, die sie per Megafon ausgab.

Tatsächlich gibt es nach Einschätzung der meisten Aktivisten noch viele, die sich mit dem Thema kaum beschäftigt haben. In Langenhain interessierten sich die Bürger mehr für das Thema Windräder, schildert Grünen-Ortsbeirätin Eva Litzius. Die Beeinträchtigung durch die Windräder, für die es keine konkreten Planungen gibt, würde demnach als schwerwiegender eingeschätzt als die Risiken einer Stromleitung, die sich im Genehmigungsverfahren befindet.

Die Lethargie der Bürger

„Ganz langsam werden die Leute wach“, so BI-Mitglied Hubertus Fischer aus Wildsachsen. Über das, was er als Lethargie wahrnimmt, wundert er sich nicht so sehr wie Karin Schehler. „Wir kümmern uns seit 30 Jahren drum“, sagt die Wildsächserin über die bereits bestehenden Leitungen, auf deren Masten ja die neuen Drähte gelegt werden sollen. Da wäre aus ihrer Sicht mehr Interesse für das Thema geboten.

Tatsächlich sind die bestehenden Leitungen durchaus ein Faktor in der aktuellen Diskussion. Sie führen in Wildsachsen dicht an Wohnhäusern vorbei, ebenso in Bremthal. In Langenhain werden zwei Häuser direkt überspannt, in Niedernhausen sieht es ähnlich aus. Wenn es zu Verschwenkungen der neuen Leitung komme, so Altmaier in der Autalhalle, wäre es möglich, auch die alten Drähte auf eine neue Trasse zu verlegen.

Kommentar zu Ultranet: Bürger unter Strom

Das wäre für viele eine Verbesserung gegenüber der jetzigen Situation, weshalb es für diesen Beitrag viel Beifall von den 600 Besuchern in der Autalhalle gab. Insgesamt 26 solcher Vorschläge seien eingegangen, berichtete Altmaier. Die Stadt Hofheim werde über solche Möglichkeiten demnächst mit dem Netzbetreiber, der Amprion GmbH, sprechen, kündigte Bürgermeisterin Gisela Stang am Rande der Veranstaltung an. Der Minister appellierte derweil an die Kommunen, mit den Landwirten zu sprechen, die man braucht, wenn neue Masten aufgestellt werden sollen. „Wir haben die Eigentümer schon ermittelt“, berichtete Stang.

Sie und ihr Eppsteiner Amtskollege Alexander Simon bewerteten die Gespräche mit dem Minister als sachlich und konstruktiv. „Wir haben gut vortragen können“, so Simon, der Minister habe alles angehört. Es habe sich als nützlich herausgestellt, dass die Kommunen in der Sache kooperierten, ergänzt Stang, für die es auch wichtig wäre, dass sich Bürgerinitiativen und Kommunen nicht auseinanderdividieren lassen. Ohne Grund sagte sie das nicht – zwischen der Stadt Hofheim und der örtlichen Bürgerinitiative sind schon schärfere Worte ausgetauscht worden.

BI-Sprecherin Karin Lübbers machte deutlich, dass die Verschwenkung der Trasse an einzelnen Stellen aus ihrer Sicht nur eine Minimalforderung sein kann. Am liebsten wäre den 18 Initiativen entlang der Strecke eine Erdverkabelung, wenn schon nicht die Trasse jenseits des Rheins geführt werden kann. Außerdem sollten die Grenzwerte für Lärm und elektrische Felder eingehalten werden.

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