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Kerbevadder Philip Rübsamen und Kerbemutter Lena Harnak (links daneben) stimmen ihr ?Gefolge? vor dem Start des Kerbeumzugs mit Äppelwoi und guter Laune ein.

Ebbelwoi-Becher für die Gründer

Langenhainer Kerbegesellschaft besteht seit 25 Jahren

Vier Tage lang ging’s rund im Ort. Mit Preisen von „anno dazumal“ und einem kunterbunten Programm wurde die Langenhainer Kerb gefeiert.

„Wem ist die Kerb? Unser!“ hieß es mal wieder auf dem Festplatz „Unter den Eichen“ – eine Tradition, die mit der Kirchweih 1750 ihren Anfang nahm. Dieses Jahr konnte man sogar ein kleines Jubiläum feiern, denn die Gründung der Kerbegesellschaft Langenhain jährte sich zum 25. Mal. Bereits Mitte Juni waren zu diesem Anlass sämtliche Vereine und Bürger ins Kinder- und Familienhaus eingeladen worden, der Raum war mit vielen Kerbe-Accessoires – Ebbelwoi-Wagen der Kerbeborsch, Fahnen, Wimpel, Fotos und Gründungsdokumente – geschmückt worden. Trotz Schauerwetters feierten rund 130 Gratulanten bei Würstchen vom Grill, Salaten, Kuchen und kühlen Getränken, ausgeschenkt zu Preisen wie „anno dazumal“. Geehrt wurden die anwesenden Gründungsmitglieder, immerhin 65 waren es 1991, mit einem getöpferten Ebbelwoi-Becher. Zahlreiche weitere Mitglieder gab und gibt es mittlerweile, darunter auch Christof Schumacher, der die gesamten 25 Jahre im Vorstand mitgearbeitet hat. Und nur drei Herren hatten bisher das Amt des Ersten Vorsitzenden inne: bis 1998 Roland Müller, gefolgt von Andreas Anft und schließlich Marcus Kuprian, der das Amt 2011 übernahm. Auch er kann auf stolze 24 Jahre zurückblicken, denn als 16-jähriger Kerbeborsch stieg er 1992 ein.

Beim Aufstellen des Kerbebaums am Freitag war zum bereits 26. Mal Andreas Anft federführend beteiligt, und das nicht ohne Grund. Denn dank seiner früheren Tätigkeit für Süwag ist er noch bestens mit der Technik vertraut, die früher auch beim Aufstellen der Strommasten angewendet wurde. Viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl brauchen auch die Teilnehmer an der Wahl des Apfelweinkönigs, denn feine Nuancen in Farbe, Aussehen, Geruch und Geschmack entscheiden über Sieg und Platzierung. Maximal zehn Kelterer, die ausschließlich Äpfel aus der Langenhainer Gemarkung verwenden durften, können ihr Stöffche zur Bewertung einreichen. Eine Jury, der einige Kerbeborschen und weitere Freiwillige angehören, verkostet und vergibt Punkte. Den Titel gewonnen hat in diesem Jahr und bereits zum dritten Mal Dave Braun, ein gebürtiger Amerikaner, der nach seinem Militärdienst in Deutschland in Langenhain hängenblieb und Gefallen an der Tradition des Apfelweinkelterns fand. Zweiter wurde der 89-jährige Helmut Ambros, gefolgt von Thilo Kolb, beide ebenfalls aus Langenhain.

Nach dem sonntäglichen ökumenischen Erntedankgottesdienst, ging es beim Kerbeumzug quer durch den Ort wieder rund. Neben zahlreichen Vereinen, wie Turn-, Handball- sowie Heimat- und Geschichtsverein, nahmen auch wieder die Feuerwehr und Kerbegesellschaften von außerhalb daran teil, auch ehemalige Kerbeborschen ließen sich nicht zweimal bitten. Insgesamt waren bis zu 20 Gruppen dabei, schätzt Kuprian, darunter auch zwei Musikkapellen: das Blasorchester TV 1882 Runkel und die Pfälzer Gugge-Glucke. Mit ihrer „Guggenmusik“ – einer leicht „schräg“ gespielten Blasmusik – begeistern sie schon seit vielen Jahren das Langenhainer Publikum, auch nach dem Umzug spielten sie noch im Festzelt. Über die Verpflegung am Rande der Strecke musste sich kein Zugteilnehmer Gedanken machen, denn Anwohner sorgten an mehreren Stationen für Stärkung mittels selbst gebackenem Kuchen und Schnaps.

Unverzichtbar auch bei jeder Kerb der Gickelschlag und die Hammelverlosung. Glücklicher Kerbeborsch, der im vergangenen Jahr geheiratet hat, war ausgerechnet Janis Anft, Sohn des früheren Vorsitzenden. So durfte er sich gemeinsam mit seiner Frau Christina über den Gickelschlag-Hahn freuen, der vermutlich inzwischen wieder zurück auf seinem Hof ist.

Zum Jubiläums-Frühschoppen am Montag gab sich die Fränkische Trachtenkapelle Breitenbrunn die Ehre. Mit ihrer zünftigen Musik präsentierte sie einen Höhepunkt der diesjährigen Kerb. So wurde dann das abendliche Begraben der Kerb schließlich „alles, bloß kein Trauerspiel“ – viel Bier und Ebbelwoi inklusive.

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