„Laster sind lauter als Flugzeuge“

  • VonSascha Kröner
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Außerdem fordert die Initiative die Fertigstellung der kompletten Weilbacher Umgehung bis 2020. Bürgermeister Michael Antenbrink hält dies für unrealistisch.

Lärmgeplagte Weilbacher, die an den Durchfahrtsstraßen des Stadtteils wohnen, wollen nicht länger auf eine Verbesserung ihrer Lage warten. Der Verein „Weilbach wehrt sich“ (WWS) hat eine Pressemitteilung zum Verkehrsaufkommen und zur geplanten Umgehungsstraße herausgegeben. Der Zweite Vorsitzende Werner Siebel spricht von einer erheblichen Verschlechterung der Situation. „Immer mehr Lkw fahren bei Tag und Nacht durch Weilbach“, erklärt Siebel, der seinen Bericht mit Zahlen unterstreicht.

Der Vertreter des WWS-Vorstandes verweist auf die jüngsten Messungen vom Ende des vergangenen Jahres: Vom Morgen des 17. Dezembers bis zum Abend des 19. Dezembers zählten Mitglieder 3113 Lastwagen, die durch Weilbach fuhren. Der Durchschnitt habe bei 52 Lkw pro Stunde gelegen. In den Nachtstunden zwischen 23 und 5 Uhr zählten die Weilbacher rund 70 Lkw. Selbst sonntags gebe es keine Ruhe, betont Siebel. Am Sonntag, 26. Oktober 2014, dokumentierten die WWS-Mitglieder 65 Lkw-Fahrten.

Besserung nicht in Sicht

„Eine Besserung der Situation ist nicht in Sicht“, klagt Werner Siebel. Die Umgehungsstraße werde auf die lange Bank geschoben. Der Zweite Vorsitzende vermisst konkrete Aussagen zum Baubeginn des ersten Abschnitts. „Der Fluglärm, gegen den die Stadtverordneten so vehement kämpfen, ist weniger stark als der durch Lkw verursachte Verkehrslärm in Weilbach“, moniert Werner Siebel.

Selbst zwischen 23 und 5 Uhr, wenn am Himmel absolute Ruhe herrsche, fahre durchschnittlich alle 5 bis 7 Minuten ein Lkw mit einer Lärmentwicklung von 80 Dezibel durch Weilbach. „Das, was für Gesundheitsschäden durch Fluglärm und Luftverschmutzung bei Flugzeugen gilt, gilt auch für uns, und zwar wegen der großen Belastung in noch höherem Maße“, erklärt der Weilbacher. Sein Verein habe bereits im März 2014 beim Landrat ein nächtliches Durchfahrverbot für Lkw und eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Kilometer pro Stunde beantragt. Die Bemühungen blieben vergeblich.

Tempo 30

Die Mitglieder von „Weilbach wehrt sich“ wollen aber nicht aufgeben: Der Verein fordert, dass bis zur Fertigstellung der Kleinen Umgehungsstraße ein konsequentes Durchfahrverbot für Lkw über 7,5 Tonnen im Zeitraum von 22 bis 6 Uhr erlassen wird. Außerdem pocht WWS weiterhin auf die Einführung einer Tempo-30-Regelung. Die Mitglieder betonen, dass der Bau der kompletten Weilbacher Umgehung bis zum Jahr 2020 abgeschlossen sein müsse. Schließlich fordern die Lärmgegner noch, dass sich alle politisch Verantwortlichen in Stadt, Land und Bund energisch für die Aufnahme der Weilbacher Umgehung in den Bundesverkehrswegeplan 2015 einsetzen sollen.

Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD) hält die geforderte Fertigstellung der gesamten Umgehung bis zum Jahr 2020 für unrealistisch: „Wir tun alles, was wir können“, betont der Verwaltungschef auf Kreisblatt-Nachfrage. Die Stadt müsse aber erst alle benötigten Grundstücke erwerben und könne die Eigentümer nicht einfach enteignen. Wenn es der Verwaltung gelinge, in diesem Jahr alle Grundstücke zu kaufen, dann folge zunächst ein Bebauungsplanverfahren, das erfahrungsgemäß etwa ein Jahr dauere. Antenbrink kann sich einen Baubeginn im ersten Abschnitt des Jahres 2017 vorstellen.

Bundesverkehrswegeplan

Die Bauzeit werde mindestens anderthalb Jahre betragen. Parallel zur Planung des ersten Abschnitts soll der Streckenverlauf für den zweiten Teil der Umgehung festgelegt werden. Die Aufnahme der Umgehung in den Bundesverkehrswegeplan liege in den Händen von Land und Bund. Die Stadt habe alle benötigten Unterlagen vorgelegt, sagt der Rathauschef.

Ein Durchfahrtsverbot für Lkw bestehe in Weilbach bereits, antwortet der Bürgermeister auf die weiteren Wünsche des Vereins. Bei den Lastwagen, die durch Weilbach fahren, handele es sich um Anliegerverkehr, dem man die Nutzung der Straßen nicht verbieten könne. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Kilometer pro Stunde sei mehrfach überprüft worden. Die Verkehrsbehörde Hessen Mobil habe sich davon aber keine nennenswerte Lärmminderung versprochen. Ein erneuter Vorstoß sei nur sinnvoll, wenn ein Anstieg des Lkw-Aufkommens nachweisbar sei.

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