An der Tür lieber misstrauisch sein

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Trickbetrüger haben es besonders auf ältere, alleinstehende Menschen abgesehen – auch in Griesheim gab es einige Vorfälle. Der Allgemeine Rettungsverband Frankfurt im Stadtteil, dessen Mitarbeiter rund 60 Senioren versorgen, klärt diese derzeit über die gängigen Maschen der Schwindler auf.

„Ich musste erst über 70 Jahre alt werden, um mein Vertrauen in die Menschen zu verlieren“, sagt Dagmar K. (der vollständige Name ist der Redaktion bekannt). Die 74-jährige Seniorin ist innerhalb von zwei Jahren zwei Mal auf Trickbetrüger hineingefallen, die mit perfiden Methoden ihr Portemonnaie und ihren Schmuck entwendeten.

Da war zum einen die Hilfsbereitschafts- Masche: „Ich wurde vor der Tür angesprochen, und ein Paar bot an, mir die Einkaufstasche nach oben zu tragen“, schildert Dagmar K. Während der Mann den Einkauf an sich nahm, habe die Frau mit ihr gesprochen. „Erst in der Wohnung, nachdem die beiden weg waren, ist mir aufgefallen, dass mein Portemonnaie ebenfalls nicht mehr da war“, erzählt sie.

Beim zweiten Mal, Ende November 2015, gab sich ein Mann als Vertreter der Mainova aus. „Er sagte, dass er den Wasserdruck in der Wohnung überprüfen muss und bat mich, dass Wasser in der Küche und im Bad laufen zu lassen“, sagt die Seniorin. Als sie im Badezimmer gewesen seien, habe der Mann auf sie eingeredet, erklärt, dass die Drucküberprüfung ein wenig Zeit in Anspruch nehme und damit verhindert, dass sie den Raum wieder verlassen konnte. Unterdessen müssen Komplizen in die Wohnung gekommen sein. Am Ende jedenfalls habe ihr Schmuck gefehlt.

Dass dies keine Einzelfälle in Griesheim sind, weiß Klaus Weißer, stellvertretende Pflegedienstleitung des Allgemeinen Rettungsverbands (ARV) mit Sitz im Stadtteil. Mit einer Aktion klärt der ARV derzeit seine Klienten, allesamt ältere Menschen, über die gängigen Maschen von Trickbetrügern auf, verteilt ein Informationsblatt und ein Schild aus Pappe, das sich die Senioren an der Innenseite ihrer Haustür aufhängen können.

Herausgebracht wurde das gelbe Schild vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. „Ich lasse keine Unbekannten in meine Wohnung!“, steht auf der einen Seite geschrieben. Außerdem die Nummer des Polizeinotrufes 110. Auf der Rückseite gibt es die Möglichkeit, die Telefonnummer der Polizeidienststelle vor Ort zu notieren. „Für Griesheim ist das 16. Polizeirevier zuständig, und das ist die Nummer“, erklärt Weißer der Seniorin und zeigt auf die Rückseite des Schildes. Auch eine persönliche Notrufnummer kann man hierauf notieren.

Denn steht jemand vor der Tür, den man nicht kennt, so sollten gerade ältere Menschen besonders misstrauisch sein. Weißer verweist auf das Informationsblatt, das der ARV für seine Kunden entwickelt hat. Hierauf aufgelistet sind Maschen der Trickbetrüger: Da ist zum einen der „Feuerlöscher- oder Rauchmelder-Trick“, bei dem die Trickbetrüger angegeben zu überprüfen, ob Rauchmelder beziehungsweise Feuerlöscher nach den gesetzlichen Vorschriften im Haus und in der Wohnung angebracht sind.

Die Schwindler geben sich aber auch gerne als Mitarbeiter eines Energieunternehmens aus, um hierüber Zugang zur Wohnung zu bekommen. „Bevor ich den Mann, der den Wasserdruck überprüfen wollte, in meine Wohnung gelassen habe, hat er mir einen etwa scheckkartengroßen Ausweis gezeigt“, sagt Dagmar K. Sie habe jedoch die Lesebrille nicht griffbereit gehabt und darauf vertraut, dass die Angaben stimmen.

„Selbst wenn die Lesebrille zur Hand gewesen wäre: Wie soll man wissen, wie ein Ausweis einer städtischen Behörde, eines Energieunternehmens aussieht?“, fragt Weißer. Technisch gebe es heute so viele Möglichkeiten, Ausweise nachzumachen. Da sei es für jeden schwierig, die Echtheit eines solchen Dokumentes zu erkennen. Auch wenn die Trickbetrüger in Uniform vor der Tür stünden und sich als Vertreter eines städtisches Betriebes, des Ordnungsamtes der Polizei oder der Feuerwehr ausgeben würden, sei für viele nicht einfach mal so zu erkennen, ob es sich um Schwindler oder echte Beamte handele. „Deswegen im Zweifel eine Vertrauensperson anrufen und sie bitten, dazuzukommen oder die Polizei“, betont er. „Fremden auf keinen Fall Zutritt in die Wohnung geben und misstrauisch sein“, rät Weißer. Denn seien die Trickbetrüger erst einmal in den eigenen Räumen, werde das Opfer abgelenkt, und der oder die Eindringlinge können nach Geld und Schmuck suchen. Dagmar K. holt sich ab sofort immer eine zweite Person dazu, wenn Termine wie eine Ablesung oder die Kontrolle der Rauchmelder anstehen. „Ich bin Fremden gegenüber jetzt misstrauisch.“

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