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Kein schöner Anblick: das ?100-Betten-Haus? im Liederbacher Gewerbegebiet am Sindlinger Weg.

Gästehaus in Liederbach

„100-Betten-Haus“ im Gewerbegebiet bleibt Dauerthema

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Das Gästehaus Liederbach, in dem viele Arbeiter untergebracht sind, stört in der Gemeinde nicht nur die Bürgermeisterin. Veränderungen sind nicht geplant.

In der Gemeinde ist dieses Gebäude als „100-Betten-Haus“ bekannt. Die Aufschrift über der Eingangstür weist es als „Gästehaus Liederbach“ aus. Ganz gleich, wie diese Immobilie bezeichnet wird, den Liederbachern ist sie schon seit vielen Jahren ein Dorn im Auge. „Das ist eher ein Schandfleck für Liederbach“, findet Bürgermeisterin Eva Söllner mal wieder deutliche Worte. Eigentümer Lothar Oebels von der „Wohnheime für Arbeiter Frankfurt - Mannheim GmbH“ sieht in dem Gebäude aber kein Thema für die Öffentlichkeit. Auf Kreisblatt-Anfrage möchte er zum Zustand und zur Zukunft nichts sagen. Damit könne ja wohl jeder interpretieren, dass alles in Ordnung und keine Veränderungen geplant seien, erklärt er durch die Blume.

Auch wenn Oebels lieber nichts darüber lesen will, wird der Bedarf für einen aktuellen „Wasserstand“ schon gesehen. „Das Haus interessiert uns sehr wohl“, sagt die Bürgermeisterin. Eine Zeit lang hatte der Kreis hier Flüchtlinge untergebracht. Zudem sei die Lage im Gewerbegebiet am Sindlinger Weg schwierig. Rechts davon der Bauhof, dahinter eine potenzielle neue Gewerbefläche und gegenüber die Zufahrt zum gerade modernisierten Reiterhof Hofgut. Mittendrin also das „100-Betten-Haus“, das laut Eva Söllner und dem Kreisblatt-Eindruck keine gute Visitenkarte abgibt. Die Müllcontainer quillen über, die Scheibe am Eingang ist kaputt, Fahrräder stehen auf der Notausgang-Treppe, der Geruch ist streng. Rund um den Briefkasten stehen etwa 50 Namen – die der dort untergebrachten Arbeiter vor allem aus dem Balkan.

Die Verwaltung mit den vielen Bürgern sei kein Problem, betont Eva Söllner. Allerdings sei das Wohnen in einem Firmengebiet schon ein Problem, „das schränkt die Gewerbenutzung in gewisser Weise ein“. Der Zustand von Außen und die Außenanlagen seien „katastrophal“, sagt die Rathauschefin. Mehr noch: Sie berichtet von Diebstählen vom Gelände des Bauhofs. Einige Täter seien der Polizei bekannt und Bewohner des Nachbarhauses. Noch ein Argument für das öffentliche Interesse: Eva Söllner bestätigt, dass sie immer mal wieder auf das Haus angesprochen werde und warum sie da nichts unternehme. „So lange keine Gefahr für die Öffentlichkeit ausgeht“, seien ihr die Hände gebunden. Sie bedauert nach wie vor „außerordentlich, dass es versäumt wurde, diese Immobilie ins Eigentum der Gemeinde zu bringen“. Denn durch den Block ist die Kommune in ihrer Entwicklung ein Stück weit behindert. Dahinter liegt ein Areal, auf dem noch Gewerbe entwickelt werden könnte. Im Flächennutzungsplan ist es verankert, doch aktuell scheitert eine Umsetzung den Preisvorstellungen des Eigentümers. Eva Söllner wünscht sich dort „sanfteres Gewerbe“ wegen der Nähe zum Wohngebiet. Anfragen gebe es immer wieder. Es hatte mal eine Idee für einen Garagenhof gegeben – das lehnte die Gemeinde ab. Sollte sich dort nichts tun, müsste die Politik überlegen, ob sie das Areal nicht mit einem anderen Areal tauscht.

(wein)

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