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Die Animation hat die Gemeinde erarbeiten lassen. Sie zeigt, wie sich der gläserne Aufzug rechts ans Rathaus anpassen soll.

Barrierefreies Verwaltungsgebäude

Ein fahrbarer Glasturm fürs Rathaus

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Ein Aufzug soll an das Liederbacher Rathaus angebaut werden. Zudem soll es eine Behindertentoilette und neue Büros im Obergeschoss geben.

Diese Kritik war deutlich. FDP-Mitglied Hans Peter Emert hat sich skeptisch zu einem Projekt im Rathaus geäußert. Ein barrierefreier Umbau des Gebäudes und eine Behindertentoilette seien absolut sinnvoll, schrieb er in einem Leserbrief. Doch der gläserne Aufzug verschandele das Haus und sei sehr teuer. Es könnte doch ein Sprechzimmer im Erdgeschoss für die körperlich eingeschränkten Besucher eingerichtet werden.

Bürgermeisterin Eva Söllner (CDU) hat Emerts Kritik natürlich mitbekommen. Sie findet es schade, dass sie geäußert wurde ohne Kenntnis aller Fakten. „Barrierefreiheit gilt auch für unsere Mitarbeiter“, betont sie allgemein. Aktuell gibt es zwar keinen behinderten Kollegen. „Eine Einstellung wäre derzeit auch nicht möglich“, so Söllner. Ein neuer Kollege „kann sich nicht frei bewegen“. Ein Sprechzimmer sei zudem doppelt problematisch: Welcher Raum sollte im stark frequentieren Erdgeschoss mit Einwohnermeldeamt, Bauamt und Kasse geopfert werden? Zwar könnten die Mitarbeiter durchaus mit dem Laptop ins Erdgeschoss zu Gesprächen kommen. „Aber wir sind noch nicht so komplett digitalisiert“, betont die Rathauschefin. So müssten schon einige Akten hin und her geschleppt werden, ist sie überzeugt.

Skepsis nur „Einzelfälle“

Es habe die Idee gegeben, einen Treppenlift im Gebäude einzubauen. Doch dafür sei das Treppenhaus nicht geeignet, so Söllner. Der Lift würde einen Großteil einnehmen, zudem sei das brandschutztechnisch nicht so einfach. Die Kritik von Emert, hinter der auch die FDP steht, habe sie zwar schon geärgert. Doch es seien „Einzelfälle“, hat die CDU-Frau festgestellt.

Ihrer Meinung nach werde das Rathaus auch keinesfalls verschandelt. Der Aufzug soll aus Glas sein und rechts am Gebäude in Richtung Parkplatz installiert werden. In einer Untersuchung wurden vier Standorte geprüft: Mitten im Treppenhaus hätte das Gebäude zu viel Licht verloren, zudem hätten die Treppenpodeste abgebaut werden müssen. Im Bereich des Empfangs wäre zu viel Raum verloren gegangen. Und hinter dem Gebäude sei die Zuwegung außen und innen schwierig. „Das muss ja alles im laufenden Betrieb passieren“, sagt Söllner zum Umbau. So erwies sich die Variante rechts vom Rathaus als Favorit. Der bisherige Gang im Gebäude kann als Weg zum Aufzug genutzt werden, der nur von innen zugänglich sein soll. Im Dachgeschoss soll eine Gaube entstehen. Im Raum des heutigen Ortsgerichts und Schiedsamtes soll die Behindertentoilette eingebaut werden.

Von den Grünen habe es den Vorschlag gegeben, einen Betonturm als Aufzug zu bauen, weiß Söllner und betont: „Das kommt gar nicht in Frage.“ So etwas hätte den Bau, der „architektonisch ein guter Wurf“ gewesen sei, verschandelt, findet die Verwaltungschefin. Deshalb soll die teurere Glas-Variante für rund 250 000 Euro gemacht werden. Sie wird sich ans Gebäude anpassen – und erhält sogar eine Mini-Spitze wie ihr großer „Bruder“.

Rund 500 000 Euro

Insgesamt hat die Gemeinde eine halbe Million für das Gesamtprojekt veranschlagt und setzt hier auf die Gelder aus dem Landesprojekt „Hessenkasse“, aus dem sie Investitionszuschüsse erhalten wird. Die Behindertentoilette soll dabei etwa 21 000 Euro kosten. Und damit die Gemeinde nur einmal den Dreck und Lärm im Rathaus am Villebon-Platz hat, soll auch das Dachgeschoss mit ausgebaut werden. Die laut Söllner insgesamt sehr detaillierte Kostenschätzung sieht hier noch einmal rund 90 000 Euro. Mit den Planungs- und Nebenkosten kommen die 500 000 Euro zusammen. Teurer werde es wohl kaum, eher günstiger, ist Eva Söllner überzeugt.

Die Kommune werde in den nächsten Jahren mehr Raum benötigen, weiß die Bürgermeisterin. Das liegt auch am Datenschutz, für den besondere Bereiche laut Gesetz vorzusehen seien. Im Obergeschoss sollen demnach drei neue Räume entstehen – ein großes Büro mit zwei bis drei Arbeitsplätzen und ein kleines. Das große Lager werde durch den Zugang zum Aufzug geteilt, was aber räumlich zu verschmerzen ist. Welches Amt dann unters Dach zieht, ist laut Eva Söllner noch offen. Wichtig sei eine Veränderung aus einem Guss, damit nicht Mitarbeiter aus einem Amt getrennt werden.

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