Ein Foto mit der Kreatur mit drei Schädeln im Partyzelt.
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Ein Foto mit der Kreatur mit drei Schädeln im Partyzelt.

Selbstversuch

Zu Besuch im Horror-Maislabyrinth von Liederbach

  • Frank Weiner
    VonFrank Weiner
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Wenn das Maisfeld zum Gruselgarten wird: Das Horror-Labyrinth von Liederbach ist ein furchteinflößender Spaß. Auch für Erwachsene, wie ein Selbstversuch zeigt.

Mächtig baut sich der Clown vor der Gruppe auf. Gerade ist er vor dem Scheinwerferlicht erschienen, seine Umrisse wirken furchteinflößend. Es ist kein freundlicher Spaßmacher, der dem Kreisblatt-Reporter im Horror-Labyrinth im Liederbacher Feld begegnet. Der Killer-Clown soll erschrecken, ein bisschen Angst machen – und das ist ihm gelungen. Die düstere Kulisse mit Dauerregen trägt ihren Teil bei.

Eine Stunde vorher ist Sebastian Kosch, der bunte Horror-Clown aus dem Feld, entspannter. Er sitzt in der Lagerhalle, lässt sich die letzte Schminke auftragen. Über seinen Freundeskreis habe er den Kontakt zur Familie Fischer und ihrem Mais-Labyrinth geknüpft.

Ein cooler Typ

Wenn sich der Irrgarten zum Gruselkabinett wandelt, ist der Königsteiner ganz ohne Honorar dabei. „Das ist schon ein Nervenkitzel und auch für einen selber ganz gruselig“, sagt Kosch. Im Vorjahr habe ein Mädchen bei seinem Anblick geweint, „da habe ich mich gleich entschuldigt“. Einen coolen Typen, der allzu lässig herumstreifte, habe er dafür aber kurz gepackt und in den Mais gezogen. Nun tritt er als Killer-Clown „Pennywise“ aus dem Schocker „Es“ auf. Ihn so zu schminken, ist für Elisabeth Otto eine schöne Herausforderung: „Das ist was, wo man sich austoben kann. Und nicht wie in der Schule nach Malbuch“, sagt die Liederbacher Auszubildende zum Hair- und Make-Up-Artist.

Austoben – das dürfen sich die 100 Darsteller fast fünf Stunden lang im Labyrinth. Wer gut durchkommen will, muss ein dickes Fell mitbringen. Wenn plötzlich Gestalten mit bunten Anzügen und Masken den Weg queren, ein Werwolf zum Biss ansetzt oder die Todes-Nonne einen finsteren Blick sendet – dann sind gute Nerven gefragt. Volker Heymann hat ein illustres Team zusammengestellt.

Erstmals riefen die Organisatoren zum Casting für die Horror-Darsteller ein. Mit zwei makabren Videos wurde geworben, Ende 2016 lief alles an. Silke Hennigs aus Bad Soden und ihr Sohn Patrick (12) stießen im Sommer dazu. Sie wurden beim Besuch des Mais-Labyrinths angesprochen. „Solche Sachen muss man unterstützen“, sagt die Mama, die eine Todes-Nonne spielt. Ihr Sohn mimt einen bunten Clown. Insgesamt helfen noch bis zu 50 weitere Unterstützer mit, weiß „Personalchef“ Heymann.

Mit seinem Casting darf er zufrieden sein. Einfach köstlich, wie keck und forsch ein Horror-Clown ins Zirkuszelt einlädt. Hinter der nächsten Ecke lauert eine Hexe. „Du kommst in meinen Topf, wirst Abendfutter für mich“, ruft sie schelmisch. Plötzlich ist der Tross auf einer verlassenen Lichtung mit loderndem Feuer – dahinter ruft Jason aus Bad Soden seiner Gruppe zu: „Wir stellen uns jetzt in eine Reihe, ohne uns aneinander zu klammern.“ Ein wenig Schutz ist ab und zu nötig: Etwa vor dem alten Landsitz, aus dem eine verunstaltete Figur kommt. Oder auf dem Friedhof. „Ein frisches Grab gefällig?“, fragt die Totengräberin. „Das hat noch Zeit“, schallt es zurück. Die beiden Mädchen aus dem Jenseits versuchen, den HK-Fotografen auf ihre Seite zu ziehen. Der hat später noch „Spaß“ genug: Etwa, als eine Schlägertruppe lautstark an Bauzäune bollert.

Das Kreisch-Krankenhaus

Oder als vier Männer mit Kettensägen und weißen Masken den Weg versperren. Dass sie lauern, ist schon laut außerhalb des Labyrinths zu hören. „Ehrlich gesagt, ich will hier raus“, räumt der Fotograf ein. Das Finale folgt: eine Hütte mit Bildern an den Wänden. Warum hier so einiges nicht stimmt – das soll einfach jeder selbst erleben. Auch, was es mit dem Kreisch-Krankenhaus, dem Toten-Tümpel oder den Terror-Toiletten auf sich hat.

Die Fischers bietet auch Drumherum einiges auf. In einem Festzelt spielt die Band „Bangoz“ Hits. Für Verpflegung ist gesorgt. Die Kreatur mit den drei Totenschädeln am Stab mischt sich für Fotos unters Publikum. Selbst einige Gäste sind verkleidet. Anton aus Idstein hat vier Stunden gebraucht, sich mit Teufelshörnern zum „Abgesandten der Hölle“ zu machen. Das Labyrinth finden er und seine Begleiter Jessica (als Figur aus „Jigsaw“) und Flo (als Henker) „top“, im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Auch die Gruppe um Jason ist heil angekommen. „Das war auf jeden Fall schlimmer als erwartet, aber okay“, findet er. „Die Leute, die da waren, waren begeistert“, sagt Veranstalter Pascal Fischer.

Im Internet stehen weitere Fotos von der Liederbacher Aktion.

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