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Willkommen in der Betreuung: Fabian und Elias (beide 8) melden sich bei Sonja Weisgerber und Bernadette Lechner (recht) an.

Ruhestand

Ein Duo hat in der Betreuung in Liderbach Pionierarbeit geleistet

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Die Betreuung der Liederbachschule hat sich mit 250 Kindern und 29 Mitarbeitern zu einer Marke entwickelt. Das ist auch Verdienst zweier aktiver Frauen.

Fabian und Elias sind gerade in der Betreuung eingetroffen. Mit Sonja Weisgerber und Bernadette Lechner empfangen sie zwei Chefinnen aus dem Dreier-Leitungsteam mit Ulla Rack-Fornoff. Die Achtjährigen aus der 3c finden es schön hier in der Betreuung an der Liederbachschule. Das Essen sei gut, die Auswahl an Aktionen auch – und die Betreuer seien „nett zu uns“, sagen die Jungs, schieben aber gleich hinterher: „Aber manchmal müssen sie auch streng sein, sonst machen wir nur Blödsinn und so.“

Sonja Weisgerber und Bernadette Lechner hören mit einem Schmunzeln zu. Das Lob nehmen sie gerne an – schließlich ist die Entwicklung der Schulbetreuung hier zu einem guten Teil ihr Verdienst. Vor 27 Jahren leisteten die Liederbacher mit diesem Angebot im Kreis Pionierarbeit. Weisgerber stieß im zweiten Jahr dazu, Lechner vor 23 Jahren. Nun ist für die dienstältesten Kolleginnen Schluss. Mit dem Duo gehen fast fünf Jahrzehnte Erfahrung in der Betreuungsarbeit. Am heutigen Mittwoch ist ihr letzter aktiver Arbeitstag, dann werden sie sich von ihrem Team verabschieden.

Diese Mannschaft ist seit dem Start erheblich gewachsen. Mit drei Betreuerinnen und knapp 20 Kindern ging das damals los, von 12 bis 13.30 Uhr in zwei alten Klassenräumen. Als die Betreuung in die Räume im Untergeschoss zog, waren es schon 80 Schützlinge und acht Kollegen. Zum Schluss dort 120 – und es wurde samt Mittagessen eng. „Wie wir das dort gemacht haben, wissen wir bis heute nicht. Aber es hat funktioniert“, sagt die 65-Jährige. Mit dem Umbau der Schule samt Mensa und dem Umzug der Betreuung schoss die Zahl auf 180 nach oben, nun werden 250 Kinder von 28 Mitarbeiterinnen und einem Mann betreut. Schon ein kleines Unternehmen, das Weisgerber und Lechner da führen. Ihre Kollegin Rack-Fornoff soll in der Leitung jetzt noch Verstärkung durch eine neue Kraft bekommen.

„Ganz früher haben wir den Kindern mittags Brote geschmiert und Obst geschnitten. Sie haben es sehr genossen“, erzählt Lechner. Im Winter gab’s Tee bei Kerzenlicht dazu. „Mir war es immer wichtig, dass sich die Kinder wohlfühlen, dass die Eltern zufrieden sind und etwas Rundes daraus entsteht“, fasst Lechner ihre Motivation zusammen. Die 63-Jährige stammt aus München, hat Bürokauffrau gelernt und kam vor 33 Jahren nach Liederbach. Da sie in Bayern in einer Jugendherberge arbeitete, war der Kontakt zu jungen Leuten nicht neu. Als die beiden eigenen Kinder größer waren, kam sich mit der Liederbachschule ins Gespräch. „Ich dachte, das probierst du jetzt mal“, sagt Lechner, die Tennis spielt und viel mit dem Hund unterwegs ist.

Auch Sonja Weisgerber, die aus Nordhessen stammt, ist ausgebildete Bürokauffrau und suchte nach Stationen in Osnabrück, Frankfurt und Kronberg in der neuen Heimat Liederbach eine neue Herausforderung. Die fand die Mutter einer Tochter über ihr Engagement im Elternbeirat in der Betreuung. „Wir haben den Vorteil, dass wir da so reingewachsen sind. Da konnten wir das Konzept und die Strukturen immer anpassen“, sagt die Chefin. Freien Raum gibt es auch für die Mitarbeiter, die längst eigene AGs wie zum Beispiel Hockey, Werken oder Gartenarbeit anbieten und das Präventionsprojekt „Das kleine Ich bin Ich“ betreuen.

So ist die Betreuung auch dank des Duos zu einer Marke geworden. Vor einigen Jahren wurde der Hort der Gemeinde in die vom Kreis getragene Einrichtung integriert. Die Zeiten wurden bis 17 Uhr ausgebaut. Dass hier keine ausgebildeten Erzieherinnen beschäftigt sind, sei anfangs etwas kritisch beäugt worden, weiß Weisgerber. Längst ist das kein Thema mehr. Kein Wunder, bei bis zu 280 angemeldeten Kindern unter den 360 Schülern. „In dieser Organisationsform sind wir damit am Limit“, betont die Leiterin, die für die CDU in der Gemeindevertretung sitzt und gerne Tennis spielt. Und Weisgerber ist Eintracht-Fan. Sie hat es geschafft, Schützlinge als Einlauf-Kinder ins Stadion und die Eintracht-Couch dieser Zeitung an die Schule zu holen.

(wein)

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