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Brexit macht Partnerschaft zwischen Liederbach und Verwood noch enger

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Der feierliche Moment: Bürgermeisterin Eva Söllner und ihr Amtskollege Clive Grove aus Verwood unterzeichnen die Partnerschaftsurkunde. Die Freundschaft zwischen beiden Kommunen besteht seit einem Vierteljahrhundert.
Der feierliche Moment: Bürgermeisterin Eva Söllner und ihr Amtskollege Clive Grove aus Verwood unterzeichnen die Partnerschaftsurkunde. Die Freundschaft zwischen beiden Kommunen besteht seit einem Vierteljahrhundert. © Hans Nietner

Am vergangenen Wochenende war eine 18-köpfige Delegation aus Liederbachs britischer Partnerstadt Verwood zu Gast. Gemeinsam zelebrierte man eine bereits seit 25 Jahren andauernde Verschwisterung, die auch durch den Brexit nicht ins Wanken kommen soll.

Als Gerhard Lehner und Frederick Williams am 27 Juni 1992 die Verschwisterung ihrer Gemeinden mit ihrer Unterschrift auf der Partnerschaftsurkunde besiegelten, da setzten die damaligen Bürgermeister von Liederbach und Verwood ein Zeichen: Bürger beider Gemeinden, stellvertretend für Deutschland und Großbritannien, wollten sich die Hände reichen und im Dialog begegnen. Nun liegt dieser Tag bereits 25 Jahre zurück und der Plan ging auf. Es folgten etliche gegenseitige Besuche und gemeinsame Veranstaltungen. „Ich denke, es war eine gute gemeinsame Zeit, die viele persönliche Freundschaften hervorgebracht hat“, zog Liederbachs Bürgermeisterin Eva Söllner nun bei der Jubiläumsfeier in der Liederbachhalle Bilanz. Doch wie passt der Entschluss zum Austritt Großbritanniens aus der EU in dieses Bild des harmonischen Miteinanders in Europa?

„Die Verschwisterungen und der Brexit passen ehrlich gesagt überhaupt nicht zusammen“, gestand Clive Grove, Vorsitzender des Partnerschaftsvereins aus Verwood. Das Ergebnis des Referendums, im Zuge dessen sich Großbritanniens Bevölkerung 2106 mehrheitlich für einen Austritt aus der EU entschieden haben, sei für viele eine Überraschung gewesen, so Grove. Immerhin hatten sich 48,1 Prozent der Bevölkerung für einen Verbleib entschieden. „Das ist nun mal Demokratie und wir werden die Situation so akzeptieren und das Beste daraus machen“, so Grove. Die Entscheidung sei auf Grundlage starker Emotionen gefallen, nicht etwa auf Basis von Vernunft. Doch der Brexit würde ihn und die Gleichgesinnten in Verwood auch anspornen, die Beziehungen zu den europäischen Partnern wie Liederbach noch intensiver zu pflegen und zu fördern – ganz nach dem Motto: Jetzt erst recht! „Wir lassen uns von der Politik nicht entzweien“, zeigte sich Grove entschlossen.

Mit dieser Einstellung rennt er bei Eva Söllner offene Türen ein. „Ich bin eine überzeugte Europäerin“, erklärte sie, „und die Wahlen in Frankreich haben zuletzt gezeigt, dass die Menschen weiterhin ein gemeinsames Europa wollen. Diese Signale müssen wir auch in Zukunft senden.“ Vom Brexit wolle man sich dabei nicht aus der Bahn werfen lassen wollen und den Besuch der britischen Freunde nutzte man auch, um zumindest vorübergehend nicht an das leidige Thema denken zu müssen. Dafür stellte man den Gästen ein tolles Programm zusammen.

Was bringt die Zukunft?

„Ich war bereits schon dreimal zu Besuch und komme immer liebend gern nach Liederbach“, erklärte Clive Grove, „denn man gewährt uns stets einen warmen und herzlichen Empfang.“ Komplett vergessen konnte er die politisch angespannte Situation zuhause aber nicht, zumal der Brexit ihn auch persönlich betrifft. „Ich reise sehr viel mit meiner Frau durch Europa und besitze zudem ein Haus in Italien, wo ich auch Steuern zahle“, verriet er, „wie das künftig weitergeht, weiß ich nicht.“ Generell herrsche in Großbritannien eine große Ratlosigkeit, was die Zukunft bringen könnte. Sicher ist aber, dass er und seine Landsleute in Liederbach stets willkommen sind.

Das europäische Haus sei heute viel größer als noch vor 25 Jahren, erklärte Eva Söllner, und nicht jeder sei mit der Hausordnung einverstanden, manch einer würde gar auch wieder ausziehen. „Wenn aber jemand die Hausgemeinschaft verlässt“, so die Bürgermeisterin weiter, „heißt das ja nicht, dass man sich nicht weiterhin respektiert, freundschaftlich verbunden ist, sich weiter regelmäßig trifft und sich austauscht.“

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