Aktionstag

Coca-Cola-Mitarbeiter sammeln Müll in Liederbach

  • schließen

Die größte Firma im Ort gibt ihren rund 400 Mitarbeitern jährlich die Chance zu einer sozialen Aktion. Dieses Mal durchkämmten sie als „Müll-Polizei“ den Ort.

Immer wieder verschwindet Oliver Brendel im Gebüsch. Mal zieht er mit der Zange kleine Plastik- oder Papierschnipsel hervor, mal aus dem Bachbett des Liederbachs sogar ein großes Metallteil – vermutlich ein Rest vom alten Wehr. Brendel zieht es hinter sich her und sagt: „Als Liederbacher muss man sich ja doppelt engagieren. Man sollte nicht meinen, dass es in der Gemeinde doch einigen Müll gibt.“ Für ein „sauberes Liederbach“ mache er beim Aktionstag seines Arbeitgebers Coca-Cola mit. „Nachhaltigkeit haben wir uns auf die höchsten Fahnen geschrieben“, sagt der Mitarbeiter aus dem Verkauf.

Oliver Brendel ist in guter Gesellschaft: Noch 14 weitere Kollegen und sogar Pressesprecherin Christina Witt aus Berlin machen beim Sauberkeitstag von Coca-Cola in der Heimatgemeinde des Werks mit. Gemeinsam sammeln sie Müll am und im Liederbach, rund um den Kindergarten, am Wehr und im Park ein. Es kommt da in gut fünf Stunden schon viel zusammen, wie sich am finalen Treffpunkt herausstellt. Da liegt ein Lexikon im Einkaufswagen, gleich neben Resten von Holzstühlen. Zwei Autoreifen sind zu sehen, einige Metallteile, ein großer Klumpen aus anderem Metall, der mal ein Maschendrahtzaun war – und am Ende 25 Säcke, etwa 3 Kubikmeter Müll.

Sabine Hoff und Ines Reichert sind die beiden anderen Lokalmatadorinnen, die für Coca-Cola mitgemacht haben. „So etwas ist wichtig für unsere Kinder, dass sie es sofort mitleben“, findet Hoff, die einen alten Stuhl und den Einkaufswagen im Gebüsch entdeckt hat – mitten im Oberliederbacher Park. Reichert möchte, „dass mein Ort sauber ist – denn es ist schön, hier zu wohnen“. Daher ärgert es sie, dass sich rund um die Kita „Sonnengarten“ doch jede Menge Zigarettenkippen fanden. „Wir haben mit einigen Kleinigkeiten gekämpft“, sagen beide unisono.

Denn eigentlich ist Liederbach ein sauberer Ort. Aber auch Bürgermeisterin Eva Söllner, die dem Tross an Ort und Stelle für das Engagement dankt, weiß: „Es liegt schon immer etwas herum.“ Deshalb hat sie die Anfrage des größten Unternehmens im Ort gerne aufgegriffen und die Sammelaktion mit vorgeschlagen. Der Bauhof holte die Sachen dann ab. Söllner ärgert sich immer wieder über wilde, große Müllablagerungen im Feld. Allein in diesem Jahr habe die Gemeinde rund 15 000 Euro extra an Entsorgungskosten zahlen müssen. Sie findet: „Wenn jeder vor seiner Tür fegen würde, dann müsste man solche Aktionen nicht machen.“

Die Kollegen von Coca-Cola sind aber gerne im Einsatz, die Stimmung ist entspannt, so kommen die Kollegen der beteiligten Abteilungen Verkauf, Produktion, Instandhaltung und Verwaltung anders miteinander ins Gespräch. Auch das gemeinsame Essen fördert den Teamgeist. In erster Linie stehe natürlich „ein positiver Beitrag für die Gesellschaft“, sagt Christina Witt. Dafür gehe der Konzern bei seinen „Aktionstagen Nachhaltigkeit“ gerne in die Kommunen oder die Region. Allein fünf Müllsammelaktionen hat es in zwei Wochen bundesweit gegeben. Die Liederbacher waren früher schon im Kinderhospiz Bärenherz, bei der Gartenarbeit an einem Römerkastell oder auf einem Spielplatz in Frankfurt im Einsatz. Aber natürlich sei es auch ein „Teamevent“, betont Witt, die mit anpackt und gerade wieder etwas aus dem Gebüsch fischt: „Ich habe hier ein Parfüm, das ist sogar noch voll.“

Den Termin hat Coca-Cola passend in die etwas ruhigere Herbstzeit gelegt – und dafür extra eine von drei Produktionslinien pausieren lassen. Das wäre im sehr guten Sommergeschäft 2018 nicht möglich gewesen, und zu Weihnachten ziehe der Absatz ja wieder an, weiß die Sprecherin. Trotzdem sei es das Ziel des Konzerns, jeden Mitarbeiter einmal im Jahr für eine Nachhaltigkeitsaktion freizustellen. Witt: „Wir wollen es auch intensivieren.“ Es gebe

„Wir-Botschafter“

im Unternehmen, die sich nebenbei um die Organisation solcher Aktionen kümmern, lobt sie. „Und es macht ja nebenbei auch noch Spaß“, ergänzt Standortleiter Uwe Maurer. Er hätte für die Müllsammelaktion sicher noch mehr Helfer gefunden – doch irgendwann wurde die Werbung im Betrieb mit den rund 400 Mitarbeitern nicht mehr forciert.

Rainer Papsch ist einer, der mit anpackt. Er zieht eine mehrere Kilo schwere Metallstange aus dem trockenen Bachbett. Er arbeitet in der Produktion an Verbesserungsprozessen. „Da gehören Ordnung und Sicherheit dazu“ – genau wie bei der Müllsammelaktion, sagt der Pendler aus dem Westerwald.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare