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Die „sichere Insel“ Liederbach will noch sicherer werden

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Von: Frank Weiner

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„Kompass“, kurz für „Kommunal-Programm-Sicherheits-Siegel“, baut auf Bürgerbeteiligung bei Sicherheitsfragen.
„Kompass“, kurz für „Kommunal-Programm-Sicherheits-Siegel“, baut auf Bürgerbeteiligung bei Sicherheitsfragen. © wein

Die Gemeinde intensiviert ihr Bemühen im Rahmen des „Kompass“-Programms. Das Angebot des Hessischen Innenministeriums gibt Bürgern eine Stimme in Sachen Sicherheitsempfinden.

Liederbach. Die Gemeinde hat nun auch eine „Schutzfrau vor Ort“. Manuela Lehbrink ist für den Bereich der Polizeistation Kelkheim zuständig, mit dem Schwerpunkt in der „Kompass“-Kommune Liederbach. „Kompass“ steht dabei für „Kommunal-Programm-Sicherheits-Siegel“. Die Mitarbeiterin der Polizei hat bereits in der Gemeinde einige Runden gedreht. „Unsere ,Schutzfrau vor Ort’ ist oft in Liederbach unterwegs, einmal waren wir auch schon gemeinsam auf Streife, ein zweiter gemeinsamer Streifengang ist Ende Januar / Anfang Februar geplant“, freut sich Bürgermeisterin Eva Söllner über die Verstärkung zum Thema Sicherheit und lobt die personelle Ergänzung: „Frau Lehbrink ist sehr kontaktfreudig und ich denke, die Bürgerinnen und Bürger werden sie schon bald kennen.“ Nicht zuletzt auch, weil diese Zeitung die neue Schutzfrau demnächst vorstellen wird.

Eine Sicherheitskonferenz als nächsten Schritt

In Sachen „Kompass“ hat sich in den vergangenen Monaten aber auch abgesehen von dieser Personalie etwas getan. Zuletzt war eine Delegation dazu mit Vertretern der Polizei, auch des Präsidiums Westhessen, des Ordnungsamtes und des Bauhofs mehr als zwei Stunden in der Gemeinde unterwegs. Es galt, nach Orten und Stellen zu schauen, die beim Thema Sicherheit eine Rolle spielen könnten. Die Resonanz auf „Kompass“ sei „durchaus positiv, die Bürger finden es gut, dass wir uns kümmern“, weiß Söllner aus den Rückmeldungen, etwa über spezielle Fragebögen, auf denen die Bürger Probleme und Orte benennen sowie Vorschläge machen können. „Der Rücklauf der Fragebögen ist auch zufriedenstellend“, sagt Söllner. „Allerdings haben die Dinge, die angemerkt wurden, nicht immer mit Sicherheitsfragen zu tun, sondern sind oft allgemeine Kritikpunkte.“ Sie zählt dazu die Vermüllung der Containerstandorte, falsches Parken oder auch zu wenig Angebote bei Freizeit und Lokalen auf.

Die letzten Punkte sind wohl kein Fall für eine Sicherheitskonferenz, die in der Gemeinde als nächster Schritt im „Kompass“-Programm geplant ist. Das sei eine Runde ohne die Vertreter der Politik, dafür aber mit Vereinen, Organisationen, der Schule, den Kitas und weiteren relevanten Gruppen. Ziel sei es, ihre Erfahrungen in Sachen Sicherheit zu sammeln und in das Gesamtprojekt einzufügen, erläutert die Bürgermeisterin. Diese Konferenz werde allerdings „wohl erst im März stattfinden, da die Akteure erst noch in ihren jeweiligen Gruppen und Organisationen Meinungsbilder einholen sollen“, kündigt sie an. In dem auf drei Jahre ausgelegten Programm mit dem angestrebten „Kompass“-Siegel am Ende sind zwei Sicherheitskonferenzen vorgesehen.

Im vergangenen März wurde Liederbach offiziell zur beteiligten Kommune ernannt. Die Bürgermeisterin hatte vor gut 20 Jahren Professor Helmut Fünfsinn kennengelernt, Liederbacher und Chef des Landespräventionsrats. Der hatte sie ermuntert, sich in der Gemeinde für ein eigenes Gremium stark zu machen, das 2009 dann loslegte. In diesen Jahren war es allerdings auch, dass lärmende und teils randalierende junge Leute ein Ärgernis im Ort wurden. Mit der Polizei wurde mit den Gruppen und Anwohnern geredet, die Lage so verbessert. Das hatte die Gemeinde veranlasst, hier weiter tätig zu sein, mit dem Landes-Projekt einen neuen Baustein hinzuzufügen. „Kompass“ sei der „logische, folgerichtig Schritt“, hatte Söllner beim Startschuss betont.

Aufklärungsquote in Liederbach mit 65,3 Prozent sehr gut

Im Klartext geht es darum, das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger zu erfahren. „Gibt es Hotspots? Angsträume? Geht man durch jede Straße? Meidet man Stellen?“, fragte die Vizepräsidentin des Polizeipräsidiums Westhessen, Roswitha Briel, zum Auftakt und möchte mit ihrem Team Antworten von den Liederbachern erhalten.

Klare Aussagen macht stets die Statistik: Bekannt ist, dass Liederbach nach Zahlen ein sicherer Ort ist. Die Häufigkeitszahl, die Straftaten auf 100 000 Menschen hochrechnet, lag 2019 bei 2692, dann 2020 bei 1954 und stieg im Vorjahr auf 3378. In Hessen betrug sie 2021 genau 5840, im MTK 3941. Die Aufklärungsquote sei in Liederbach mit 65,3 Prozent sehr gut, so Briel. Doch das ist für sie nur die eine Seite der Medaille, das eben statistisch bekannte „Hellfeld“. Auf der anderen Seite gebe es das „Dunkelfeld“, das Empfinden der Menschen vor Ort. Hier hat „Kompass“ nun angesetzt, wird die Schutzfrau noch weiter mit der Gemeinde arbeiten, werden in Sicherheitskonferenzen Probleme und Lösungen benannt - in einer Kommune, die sicher ist, aber noch ein paar Prozent sicherer werden möchte.

Die Bürgermeisterin betonte bei der Vorstellung damals: „Wir wissen schon, dass wir nicht der Brennpunkt im MTK sind, wir leben noch auf einer relativ sicheren kleinen Insel.“ Allerdings müsse die Gemeinde „von Anfang an gegensteuern“ bei unguten Entwicklungen. Und: „Die Bürger müssen verstehen, dass sie selber Verantwortung tragen.“

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