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Die Liebe zur italienischen Sprache und Küche sowie den Spaß am Reisen und Entdecken teilt Antonio Pellegrino mit den Teilnehmern seiner Sprachkurse, die er beim Kulturring gibt.

Antonio Pellegrino

Der ewig junge Italienisch-Lehrer

Unterrichten? Nein, das konnte sich Antonio Pellegrino beim besten Willen nicht vorstellen, als er gefragt wurde, ob er nicht Lust hätte, Italienischkurse zu geben. Dass er seine Meinung geändert hat, freut nicht nur den Kulturring.

„Italienisch ist vulgäres Latein.“ Das ist wohl eine Aussage, die vielleicht nicht jeder Italiener gerne hört. Derjenige, der sie getroffen hat, ist jedoch selbst Italiener und meint dies alles andere als negativ: „,Vulgus’ heißt das ,gemeine Volk’ die Leute oder aber große Menge. Italienisch ist also eine Abwandlung der lateinischen Sprache, die das Volk gesprochen hat, und kommt ursprünglich aus der Toskana“, erklärt Antonio Pellegrino, Italienischlehrer des Liederbacher Kulturrings. 1973 kam Pellegrino nach Deutschland, er sei neugierig gewesen und wollte eigentlich nur eine begrenzte Zeit hier sein.

Doch nach 18 Monaten als Lkw-Fahrer bekam er eine Stelle in der Landwirtschaftlichen Entwicklungsabteilung der Hoechst AG. Etwa zur selben Zeit lernte er seine Frau kennen – und er blieb. Am Montag feierte Antonio Pellegrino, den es mit seiner Familie 1990 nach Liederbach zog, seinen 70. Geburtstag. „In Italien sagt man ,Ich habe 70 Jahre’, nicht ,Ich bin 70 Jahre alt’“, sagt der zweifache Familienvater und lacht: „In Italien ist man immer jung!“ Und damit das auch weiterhin zutrifft, wünsche er sich Gesundheit, denn „das ist das höchste Gut, was wir haben“.

Fit hält sich Antonio Pellegrino seit 2014 auch mit Italienischkursen für Anfänger und Fortgeschrittene. Dabei habe er sich anfangs gar nicht vorstellen können, zu unterrichten: „Ich habe immer nur gelernt, aber niemals zuvor gelehrt.“

Das änderte sich schlagartig, als der Kulturring beim ihm daheim auf der Matte stand. „Die frühere Italienischlehrerin fragte mich, ob ich für sie übernehmen wolle. Obwohl ich ablehnte, schlug sie mich beim Kulturring vor.“ Und dann? Habe es harte Überzeugungsarbeit gekostet bis er schließlich zusagte, erinnert er sich. Mittlerweile seien die Kurse ein fester Bestandteil seines Lebens: „Solange die Gesundheit mitmacht, werde ich die Kurse weiterhin geben!“ Über die Möglichkeit einen dritten Kurs anbieten zu können, würde er sich sehr freuen.

„Wenn die Deutschen eine Sprache nicht perfekt beherrschen, trauen sie sich oft nicht zu sprechen“, hat Pellegrino in all den Jahren festgestellt. „Die Italiener sind da lockerer und spontaner. Es wird einfach drauf los gesprochen, egal, ob richtig oder falsch.“

Und noch einen weiteren Unterschied habe er bemerkt: Die Deutschen seien eher zurückhaltender und brauchen immer etwas mehr Zeit, um sich zu öffnen. Gerade das habe ihm das Ankommen in Deutschland zu Beginn nicht leicht gemacht. „Als Ausländer musste man immer besser sein als die deutschen Kollegen, um akzeptiert zu werden.“ Sehr geschätzt wird Antonio Pellegrino dafür von seinen Sprachschülern, die mit einer italienischen Begrüßung auf den Lippen das Klassenzimmer betreten. Egal, ob sie ihre Italienischkenntnisse auffrischen oder vertiefen wollen, sie alle sind gespannt, welche Lektion heute dran kommt. Was alle Anwesenden hier verbinde, sei die Liebe zur italienischen Sprache und Küche sowie der Spaß am Reisen und Entdecken. So steht treffend an der Tafel: „Imparo l’italiano perchè mi piace la lingua italiana, la cucina italiana e anche perchè amo viaggare in Italia.“ Das heißt übersetzt: „Ich lerne italienisch, weil ich italienische Sprache, italienische Küche mag und weil ich in Italien gerne reise. “

Anmeldungen für die Italienischkurse über den Kulturring, die Kosten belaufen sich je nach Gruppengröße für zwölf Sitzungen zwischen 100 und 120 Euro, Ansprechpartner ist Heinz-Jürgen Dünzel, Rufnummer (0 61 96) 2 53 13.

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