Einsatzfahrzeuge

Feuerwehr und Ordnungsamt appellieren an falsch parkende Autofahrer

Manchmal wird’s eng: Vollgeparkte Straßen und kaum ein Durchkommen für Einsatzfahrzeuge. Situationen, die überall Probleme bereiten. Jetzt unternahmen Feuerwehr und Ordnungsamt eine Übungsfahrt durch die Liederbacher Straßen – mit positiver Überraschung.

Die erste Engstelle ist an diesem Abend schnell gefunden, am Finkenweg kommt das Einsatzfahrzeug der Feuerwehr zum Stehen. „Das ist eng, aber wir sollten es schaffen!“, ruft Dieter Herbert von der Feuerwehr und winkt Fahrer Alexander Pfeiffer um die schmale Kurve. Das Problem: Ein Auto steht ungünstig und blockiert. Kein Einzelfall an diesem Abend, im Notfall kostet das Feuerwehr, Krankenwagen und Polizei wertvolle Zeit. „Wir haben auf dem Weg zu einem Einsatz schon mal zu viert ein Auto auf den Gehweg gehoben, um weiterfahren zu können“, sagt Gemeindebrandinspektor Dirk Schäfer.

Engstellen auf Rettungswegen, das sei ein gesellschaftliches Thema. „Allein das mit den Rettungsgassen spiegelt das generelle Problem wider.“ Verständnis? Meist Fehlanzeige. „Wenn jeder einen Schritt weiter- und mitdenken würde, wäre so eine Übungsfahrt gar nicht erst nötig“, findet Schäfer. Mit der Idee einer gemeinsamen Fahrt habe das Ordnungsamt bei der Wehr offene Türen vorgefunden. Anderthalb Jahre habe die Ordnungspolizei Daten gesammelt, an welchen Engstellen am meisten verkehrswidrig geparkt werde.

„Stopp!“ heißt es für das große Löschfahrzeug, Typ HLF 20 mit einem 1600 Liter Wassertank, zudem an den Ecken Kirchweg/Schulstraße sowie Taunusstraße/Sandweg. Höchste Konzentration ist für Fahrer Pfeiffer nun gefragt, der in feinster Zentimeterarbeit das Fahrzeug um die Kurven rangiert. In der Schulstraße-Ecke am ehemaligen Evangelischen Pfarramt muss Pfeiffer sogar rückwärts wieder rausfahren, das große Hilfeleistungs-Löschfahrzeug kommt nicht rum, zu eng stehen die Häuser. Die Situation um ein ungünstig geparktes Fahrzeug im Sandweg löst sich schnell auf, Ordnungspolizist Jens Kohl erklärt: „Eigentlich darf im Sandweg gar nicht geparkt werden, da der Mindestabstand von 3,05 Metern zwischen geparktem Auto und Straßenende nicht eingehalten wird.“ Die Gemeinde wisse aber um die schwierige Parksituation in der Straße und sei im Normalfall nicht so kleinlich. Doch nicht alle Falschparker kommen an diesem Abend so glimpflich davon: Am Ende zählt Kohl 17 Ermahnungen und 10 Ordnungswidrigkeiten – denn für den, der schlecht steht und sich erwischen lässt, wird’s teuer: 60 Euro Bußgeld plus einen Punkt in Flensburg. „Parken an Engstellen mit Behinderung von Einsatzfahrzeugen“ nennt sich das offiziell.

Wie überall gebe es auch in Liederbach Dauerkandidaten, die aus den Verwarnungsgeldern nie lernen. 40 bis 60 Knöllchen seien pro Woche im Ort gängig. Dennoch seien die meisten Liederbacher ein umgängliches Volk, mit dem er reden könne, weiß Kohl zu schätzen. „Vor allem an Wochenenden werden die Autos querbeet abgestellt“, sagt Herbert. An diesem Abend jedoch schaut’s auf den Straßen sehr ordentlich aus, fast vorbildlich. Vielleicht der Vorführeffekt? Denn auch an den normalerweise sehr heiklen Stellen, die – laut Feuerwehr und Ordnungsamt – eigentlich immer betroffen seien – wie am Wehr, der Eppsteiner Weg oder oben Am Nussbaum: nirgends auch nur ein Falschparker weit und breit. Dafür aber jede Menge neugierige Bürger: Egal, wo das rote Fahrzeug zum Stehen kommt, das Blaulicht angeht und die sieben Männer aussteigen, werden Gardinen zur Seite gezogen, Türen geöffnet und genau beobachtet. Ein Vater mit seinem Sohn steht sogar am Straßenrand, beide winken, das Kind ist sichtlich begeistert – so was passiert in Liederbach nicht alle Tage. „Darum geht es heute ja, auf sich aufmerksam zu machen“, freut sich Thomas Sterzel, Leiter des Ordnungsamtes, über die Reaktionen der Bürger. „Ermahnen und sensibilisieren“ lautet die Devise. Die Gruppe rund um Sterzel und die Mitarbeiter des Ordnungsamtes, Matthias Egenolf und Ordnungspolizist Kohl, sowie die Kollegen der Freiwilligen Feuerwehr, Dieter Herbert, Luois Rojas Delacruz, Alexander Pfeiffer und Chef Dirk Schäfer, sind am Ende des Abends sichtlich zufrieden.

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