VLS-Vorsitzende Hildegunde Henrich hofft auf mehr Wertschätzung für die heimischen Geschäfte.
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VLS-Vorsitzende Hildegunde Henrich hofft auf mehr Wertschätzung für die heimischen Geschäfte.

Appell zur Unterstützung Liederbacher Lokale

Gewerbeverein-Vorsitzende:"Ich schreie da wirklich um Hilfe"

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Die Liederbacher Vereinigung Selbständiger appelliert an die Einwohner, die heimischen Läden und Lokale zu unterstützen. Die Vorsitzende findet drastische Worte für die Situation der Geschäftsinhaber.

VON FRANK WEINER

Liederbach -"Nachdem das Virus uns auch noch weiterhin einschränken wird, möchten wir alle Liederbacher dazu ermuntern, weiter in den Liederbacher Geschäften einzukaufen." Diesen Appell hat die Vereinigung Liederbacher Selbständiger (VLS) an die Bürger gerichtet und ergänzt: "Es wird teilweise großer Aufwand betrieben, um das Angebot aufrechtzuerhalten. Wir alle können jetzt mithelfen, damit wir auch in Zukunft in einer lebendigen Gemeinde mit vielfältigem Angebot leben."

Der VLS-Vorsitzenden Hildegunde Henrich ist es gerade jetzt, da viele Firmen auf dem Zahnfleisch gehen, ein Bedürfnis für diese Worte. Sie hat direkt im Vorstand mitbekommen, wie Anfang 2021 ein Liederbacher Geschäft für immer aufgeben musste: Das Reisebüro von VLS-Schriftführer Hubert Wendt an der Bahnstraße wurde geschlossen, der Unternehmer konzentriert sich auf seinen weiteren Standort in Hattersheim.

Mehr Wertschätzung für lokale Geschäfte

Ein solcher Fall sollte den Liederbachern "vor Augen führen, eben nicht immer bei Amazon zu bestellen", findet Henrich, die in der Gemeinde seit genau 25 Jahren ein Büro für Grün- und Stadtplanung betreibt. Wichtig sei es zum Beispiel auch im Sinne des Klimaschutzes, auf heimische Produkte etwa aus dem Hofladen zu setzen. Die gebe es in Liederbach während des Lockdowns sehr wohl. "Das müssen die Leute begreifen, aber sie tun sich alle sehr schwer." Die Vorsitzende hatte eigentlich gehofft, dass durch die Corona-Krise die Wertschätzung lokaler Dinge und Läden steige.

Die VLS-Chefin und Unternehmerin findet auch, "man hätte den Lockdown anders zurücknehmen können". Warum nicht selbst in einem kleinen Geschäft wenigen Leuten den Einlass erlauben? "Was soll da passieren?", fragt Henrich. "Schräg" fand sie zum Beispiel eine Regelung bei der im Ort sehr wichtigen Buchhandlung Kolibri: Dort konnten die Kunden zwar Bücher bestellen. Wer aber bei der Abholung noch etwas im Laden spontan entdeckte, der durfte das offiziell gar nicht mitnehmen, weil es nicht vorab geordert worden sei.

Gewerbeverein sind die Hände gebunden

Der Gewerbeverein selbst könne nicht viel machen. Für eine große Kampagne wie in der Nachbarstadt, in der über das "Kelkheimer Schaufenster" viele Firmen über die Homepage und inzwischen eine App beworben werden, sei Liederbach einfach zu klein. Dabei gebe es durchaus Möglichkeiten, trotz des Lockdowns im Ort einzukaufen. Zum Beispiel, indem sich die Bürger ein Rezept beim Arzt besorgen, um zur Fußpflege zu gehen. "Ich schreie da wirklich um Hilfe", sagt Henrich. Von weiteren Schließungen oder Insolvenzen außer dem Reisebüro sei ihr zum Glück aber nichts bekannt.

Eine Neueröffnung indes wird es aber nicht mehr geben. Henrich selbst hatte als Eigentümerin ein Ladenlokal in Alt Oberliederbach an die Metzgerei "Schmankerl" vermietet. Doch im Juni 2020 brannte es im Geschäft, die Ursache ist bis heute nicht geklärt. Zwar sind inzwischen wieder neue Fenster und Türen eingebaut, doch Henrich möchte hier keinen Laden mehr eröffnen. Das lohne sich nicht mehr, auch die Parkplatzsituation sei schwierig, erklärt VLS-Vorsitzende Henrich.

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