1. Startseite
  2. Region
  3. Main-Taunus
  4. Liederbach

Guter, alter Jazz und keine Musik aus der „Dose“

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Zum Abschluss der Reihe in der Kulturscheune ist Improvisation gefragt: Ein Saxofonist aus London springt für einen erkrankten Kollegen ein.

Volker und Karin Götte blicken zufrieden auf das vergangene 29. Jazzclub-Jahr. Die Eltern der Club-Gründerin Regina Götte, die den Verein von ihrer Tochter „geerbt“ haben, stellten auch 2014 wieder sechs Konzerte auf die Beine. Den krönenden Abschluss bildete das ausverkaufte Konzert in der Kulturscheune unter dem Motto „Christmastime in New Orleans“ mit „Joe Wulf and his Gentlemen of Swing“. Sie präsentierten den rund 200 Besuchern musikalisch, wie es in der Weihnachtszeit in New Orleans zugeht. Begeistert waren die Gäste nicht nur von dem Weltspitze-Trompeter Troy Anderson, den der virtuose Posaunist, Komponist und Arrangeur Joe Wulf aus New Orleans mitgebracht hatte, der die Tradition der Jazz-Legende Louis Armstrong fortführt.

Die Stars bewerben sich

Auch Christian Rien, der seit seinem achten Lebensjahr Trompete spielt, sowie Klarinettist Sven Hack gehören zu den führenden Musikern der internationalen Jazzszene. Michael Meranke (Banjo, Gitarre), Kontrabassist Bert Thompson und US-Drummer Werner Braun komplettierten die Formation. Großen Applaus bekam auch der für den erkrankten Saxofonisten Peter Finken kurzfristig eingesprungene Bert Brandsma. Denn der war eigens für das Konzert in Liederbach von London eingeflogen, wo er zur Besetzung der Chris Barber Band gehört. „Man muss halt auch mal in Liederbach gespielt haben“, fühlte sich Götte bestätigt. Denn der kleine, aber feine Jazzclub ist mittlerweile so etabliert, dass sich sogar jede Menge Weltspitze-Musiker und Bands bewerben für ein Gastspiel.

Genauso beliebt ist der Club bei Jazz-Liebhabern. Schon anderthalb Stunden vor Beginn des Konzerts hatten über 100 Menschen jeden Alters vor der Kulturscheune gestanden und um Einlass gebeten. Es ist in der Region bekannt, dass die besten Plätze im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Jazz in der Scheune“ schon ganz früh besetzt sind. Schließlich wird hier stets guter traditioneller Jazz, Mainstream und Blues gespielt, der nicht nur Besucher begeistert, die der Generation von Volker Götte (74) angehören. „Zu uns kommen auch immer mehr junge Menschen, die die Live-Konzerte im Gegensatz zur Musik aus der ,Dose’ zu schätzen wissen“, sagt der Jazzclub-Macher.

Begeistert von der heimeligen Club-Atmosphäre waren auch Hans-Joachim und Liane Luther, die das erste Mal in der Kulturscheune dabei waren. Das Ehepaar aus Okriftel war überglücklich, dass es bei der Kreisblatt-Verlosung zwei Eintrittskarten gewonnen hatte. Bei der Verlosung mitgemacht hatten der 84 Jahre alte und mit „Paulchen“ Kuhn und Louis Armstrong aufgewachsene Jazzfan sowie seine 82-jährige Frau, weil sie noch einmal die Musik ihrer Jugendzeit hören wollten, zu der sie früher als junges Paar gerne tanzten.

Neue Fans

Die Kreisblatt-Aktion war die einzige reelle Chance für die beiden seit 57 Jahren verheirateten Jazz-Liebhaber, noch an Karten für das Konzert heranzukommen, das schon lange vor dem Tag der Veranstaltung ausverkauft war. „Leider gibt es den guten, alten Jazz ja sonst nicht mehr“, bedauerte Luther, der mit seiner Liane wieder kommen will. Das wird sich lohnen, denn der Liederbacher Jazzclub wartet zu seinem 30-jährigen Bestehen in diesem Jahr mit einigen Höhepunkten auf.

(wom)

Auch interessant

Kommentare