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Den alten Hockeyschläger hat er im Keller gefunden. Wolfgang Schneider hat deutliche Unterschiede in seinem Sport von den 70er-Jahren bis heute ausgemacht. Foto/Repro: Nietner

Geburtstag

Hockey-Spieler Wolfgang Schneider war deutscher Meister – Heute wird er 70

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Der Liederbacher Wolfgang Schneider hat sportlich viel Erfolg gehabt. Die politische Karriere überlässt er seiner Frau Karin.

„Mit Schneider aus dem Schneider“, „Schneiders Hechtsprung nach Flanke“ oder „Schneider erzielte sechs Tore“. Wer ist dieser Tausendsassa, der es in den 70er-Jahren regelmäßig in die Titelzeilen des Höchster Kreisblatts und der Frankfurter Neuen Presse geschafft hat? Sein Spitzname ist „Wibbel“, benannt nach dem „Schneider Wibbel“, einer Kultfigur samt Bühnenstück aus Düsseldorf. In der Region ist Wolfgang Schneider aus Liederbach so bekannt. Seine Hockey-Kollegen vom Rüsselsheimer RK haben ihm diesen Namen verpasst. Er war beim Höchster THC der „Wolfi“, doch da es beim RRK einen fast gleichlautenden „Wölfi“ gab, war „Wibbel“ bald geboren.

Mit den Rüsselsheimer Hockeyspielern hatte der Liederbacher, der heute seinen 70. Geburtstag feiert, seine größten sportlichen Erfolge: 1971 wechselte er vom Heimatclub in Höchst mainabwärts zum Bundesliga-Aufsteiger. Der hatte noch namhafte Leute geholt, Schneider rechnete sich wenige Chancen aus. Doch der blonde Schlacks mauserte sich vier Ligen höher schnell. Gleich sein erstes Spiel machte er gegen den Nationalspieler und späteren Olympiasieger 1972, Carsten Keller. Dessen Berliner HC fegte der RRK mit 6:1 vom Platz – „Grünschnabel Wibbel“ mit dem langen Arm machte zwei Tore. So munter ging es weiter. Rüsselsheim verlor in der Süd-Gruppe kein Spiel, kam ins Finale gegen RW Köln, das 1:0 gewonnen und mit der deutschen Meisterschaft 1971 belohnt wurde. Zwar schrieb eine Zeitung, Schneider habe das goldene Tor erzielt – doch mit diesen fremden Lorbeeren wolle er sich nicht schmücken. Aber er habe vor 2500 Zuschauern im strömenden Regen ein gutes Spiel gemacht, erinnert sich der Mittelstürmer. Im Jahr darauf spielte der RRK mit Schneider im Europapokal – im Halbfinale war gegen Dauerrivale 1880 Frankfurt Schluss.

Der Jubilar war noch zweimal im Finale der deutschen Meisterschaft – unterlag jeweils gegen RW Köln. Gleich zu Beginn seiner „goldenen Jahre“ schnupperte er auch am Kader der Nationalmannschaft – doch wie im gesamten Team schwand die Form nach dem ersten Titel, und aus der ersehnten Lehrgangsteilnahme wurde nichts. Aber auch in Rüsselsheim durfte er internationales Flair schnuppern, Reisen nach Kenia und Südafrika gab es. Geld wurde damals trotz des Titels nicht gezahlt. Und die Strapazen waren nicht gering. An einem Doppel-Wochenende ging es samstags mit den Flieger nach Berlin, dann abends zurück und am Sonntagmorgen mit dem Bus zum zweiten Auswärtsspiel in Stuttgart. Schneider aber profitierte im Job. Gelernt hat er Automobilkaufmann, Georg von Opel förderte ihn, der bis zum Verkaufsleiter von 40 Autohäusern aufstieg – und fürs Training dreimal die Woche früher gehen durfte.

Doch Schneider vergaß seine Wurzeln nie. In Sichtweite zur Anlage des Höchster THC wuchs er auf. Eigentlich wollte er Fußball spielen, doch auf dem nahen Hockeyfeld hatte ihn die Mutter besser im Blick – so griff Schneider wohl oder übel zum Schläger. Er sollte es nicht bereuen: Nach den Erfolgen beim RRK ging er wieder zu seinem Heimatclub zurück, stieg prompt mit in die Bundesliga auf. Zwar ging es um den Klassenverbleib, doch beim Ex-Verein gelang immerhin ein Prestige-Sieg.

Beim HTHC knüpfte „Wibbel“ nicht nur an alte Erfolge an, er fand dort auch das private Glück. Seine spätere Frau Karin, eine gute Hockeyspielerin bis zur Hessenauswahl, lernte er bei einem Turnierabend kennen. Seit 1973 sind sie ein Paar, haben zwei erwachsene Söhne. Gemeinsam haben die Schneiders die Liebe zum Tennis – nach dem Umzug 1984 nach Liederbach spielte die Familie beim TC. Das Oberhaupt war im „weißen Sport“ erfolgreich, war unter anderem Frankfurter Jugendstadtmeister, aktuell spielt er bei den TC-Herren 70, zudem etwas Golf. Damals musste er sich entscheiden, die Wahl fiel auf den Mannschaftssport Hockey. „So ein Sport prägt, da muss einer für den anderen da sein“, sagt Schneider, der vor allem die Kameradschaft hervorhebt.

Als Ruheständler pflegt er schon noch Kontakte zu ehemaligen Kollegen, auch den Fußballern. Bei der SG Oberliederbach übernahm er einige Jahre als Vorsitzender Verantwortung. Aktuell überlässt er die „Karriere“ im Ehrenamt aber seiner Frau Karin, die für die CDU aktiv und Vorsitzende der Liederbacher Gemeindevertretung ist. Einige Jahre machte er noch Krankenfahrten. Mit seiner umgänglichen Art gelang es ihm, die Menschen etwas aufzubauen. Die Motivation dafür sowie im Job habe er sich auch im Sport geholt. Gerade die Hockey-Zeit habe ihm schon „viel gegeben“, betont er.

Und deshalb findet es Schneider schade, wenn dieser Sport kaum noch Präsenz in den Medien findet. Seien sie damals vom Fernsehen regelmäßig begleitet worden, „können die heute Weltmeister und Olympiasieger werden – und keiner kriegt es mit“, kritisiert er. Toll wiederum findet es „Wibbel“, dass sein HTHC bald einen Kunstrasenplatz bekommt. Und so hat ein Wunsch zum 70. auch mit dem Club zu tun: „Es wäre schön, wenn die Höchster irgendwann wieder an die guten Zeiten anknüpfen können.“

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