Wenn die Schulklasse einsteigt, wird es schon enger: Donnerstagmorgen am Bahnhof in Münster.
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Wenn die Schulklasse einsteigt, wird es schon enger: Donnerstagmorgen am Bahnhof in Münster.

Nahverkehr

Die „K-Bahn“ bleibt ein Sorgenkind

  • Frank Weiner
    VonFrank Weiner
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Das Problem mit der Regionalbahn 12 ist nicht neu. Doch da die zuständigen Unternehmen keinen Handlungsbedarf sehen, ist jetzt eine Petition im Umlauf.

Pünktlich um 8.42 Uhr fährt der Zug Richtung Frankfurt ein. Lehrerin Sonja Peters schaut mit ihrer Klasse von der Grundschule „Sindlinger Wiesen“ ungewiss durch die Scheiben. Ist noch genug Platz frei? Sie hat Glück: Die Fahrt nach Sindlingen mit Besuch in Eisdiele, Meister-Villa und Kirche wird nicht verschoben. Deutlich enger wird es aber – vor allem für die Wartenden an den Stationen in Liederbach und Höchst. „Es ist immer eng“, weiß Peters. Auch sie sei schon mal am Bahnsteig stehen geblieben. „Und alle ärgern sich, warum fährt jetzt eine Schulklasse mit.“ Sie würde sich wünschen, es wäre ein Anruf beim Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) möglich, um größere Gruppen vorher anzukündigen – so wie das früher der Fall war.

„Übervolle Züge, Reisende, die erst gar nicht mitgenommen werden können, Backofenhitze in zu kurzen Zügen, Verspätungen, Zugausfälle, keine Informationen an den Bahnhöfen, defekte Fahrkarten-Automaten: Die Liste der Mängel und Unzulänglichkeiten auf der Strecke der Kleinbahn von Königstein zum Hauptbahnhof ist lang.“ Diese Erfahrungen haben die Mitglieder der UKW immer wieder gemacht. Da auch Schreiben der Rathausspitzen aus Königstein, Kelkheim und Liederbach an den RMV und die Hessische Landesbahn (HLB) ohne gewünschten Erfolg blieben (siehe Info rechts), hat die politische Gruppierung jetzt mobil gemacht. Seit einigen Tagen läuft eine Online-Petition zur Verbesserung der Situation auf der Linie 12, bekannt als „K-Bahn“. Sie ist unter weact.campact.de/p/k-bahn-laengerezuege abrufbar. Aber die UKW ist auch ab 6 Uhr an den Bahnhöfen Mitte, Münster und Liederbach ausgeschwärmt, hat Handzettel dazu verteilt und auf großen Plakaten darauf hingewiesen. Auch die Liederbacher Grünen haben sich beteiligt. Die Reaktionen seien „durchweg positiv“, sagt Fraktionschefin Doris Salmon und nennt Zitate der Fahrgäste: „Ich habe unterzeichnet, weil ein besseres Angebot des öffentlichen Nahverkehrs helfen könnte, die Straßen zu entlasten.“ Ein anderer hat sich beteiligt, „weil der Zustand zunehmend unerträglich ist und meine Reklamation höflich, aber völlig inhaltsleer beantwortet wurde“. Und: „Weil es zu Stoßzeiten fast konsequent zu kurze Züge gibt und das einfach nicht mehr tragbar ist.“ Und aus Liederbach: „Gestern war es schlimm. Jetzt, wo so viele Schulklassen unterwegs sind. Reingekommen bin ich immer. Habe aber Angst, dass ich nicht rauskomme.“ Und: „Mittlerweile ist man an das Gedränge gewöhnt. Im Sommer ist es tausend Mal unangenehmer.“

Kein Wunder, dass in einer Woche schon mehr als 500 Personen unterzeichnet haben. Damit wollen sie die Antwort von RMV und HLB widerlegen. Wolfgang Coy (UKW) hat viele Strecken abgefahren und sich selbst ein Bild davon gemacht. Der Eindruck: Die Situation ist weiter problematisch. Gerade, wenn immer mehr Radler mitfahren wollen – so wie UKW-Mann Wolfgang Ellwitz. Die Unternehmen „schieben sich gegenseitig den schwarzen Peter zu“, sagt er. Und wünscht sich, dass die Forderungen nun in der Ausschreibung für neue Züge berücksichtigt werden. Mit den Unterschriften, die RMV und HLB bald erhalten, will die Fraktion „ein bisschen Druck aufbauen“.

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