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Das aktuelle Titelbild der Facebook-Gruppe.

Foodsharing:

Kelkheim/Liederbach: Die Lebensmittel-Tauschbörse

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Hornauerin hat besondere Facebook-Gruppe im Netz initiiert. Zu viel Nahrung landet im Müll, 12 Millionen Tonnen im Jahr.

Kelkheim/Liederbach -"Give - Kelkheim (Hornau)" lautet die Überschrift eines Facebook-Eintrags von Sinem Girgin. Sie ist eine junge Hornauerin mit Erfindergeist. Im April erstellte die Studentin die Facebook-Gruppe "Foodsharing Kelkheim/Liederbach", die einen Trend aufnimmt. Girgin studiert nicht etwa Marketing. Die angehende Bauingenieurin ist es leid gewesen, "dass nach dem Kochen immer ein Rest im Kühlschrank landet, weil er übrigbleibt".

75 Kilo Lebensmittel pro Kopf in die Tonne

Den Erfolg hat Girgin nicht erwartet. "Schon am ersten Tag hatte die Gruppe 150 Mitglieder", freut sie sich. Sinem Girgin gibt sich bescheiden: "Ich kannte das Konzept aus größeren Städten, wie Frankfurt oder Düsseldorf. Das ist ja nichts Neues." Der Name der Gruppe "Foodsharing Kelkheim/Liederbach" ist Programm. Menschen, die nachhaltig denken, sich in Zeiten von Corona nicht gerne im Supermarkt tummeln oder einfach nur an einem Sonntagnachmittag ein Ei zu wenig im Kühlschrank haben, sind in der "Foodsharing"-Facebookgruppe bestens aufgehoben. Es gehe ihr darum, Lebensmittel, die man nicht benötigt, die aber noch frisch oder haltbar sind, zu tauschen oder abzugeben. Damit solle der Lebensmittelverschwendung entgegengesteuert werden, so die Studentin. Jahr für Jahr landen 12 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Pro Kopf werfen Verbraucher ungefähr 75 Kilogramm Lebensmittel im Jahr in die Tonne. Das entspricht laut Recherchen der Verbraucherzentrale einem Wert von circa 20 Milliarden Euro.

Sie könne mit ihrer Gruppe zwar nur im Kleinen gegensteuern. "Doch jede Initiative lohnt", findet Girgin. Lebensmittel sollten wieder mehr wertgeschätzt werden, findet sie. "Es ist doch schade, Dinge wegzuwerfen, die gut schmecken. Andere freuen sich, wenn sie eine Mahlzeit bekommen, mal nicht kochen müssen oder in Corona-Zeiten den Supermarkt meiden können."

Mit einem fehlenden Ei kam es im Hause Girgin letztlich zur Erstellung der Facebook-Gruppe. "Ich wollte mit meinem Freund einen Kuchen backen, und ein Ei fehlte. Es war natürlich Sonntag, und die Supermärkte hatten geschlossen." Hätte es seinerzeit schon die Gruppe gegeben, hätte Girgin das fehlende Ei sicherlich besorgen können. Mit den Schlagwörtern "Give" (geben) und "Need" (nehmen) entscheidet der Gruppenteilnehmer, ob er Dinge anbietet oder selbst etwas braucht. Bei einer Nutzerin sind das regelmäßig frische Brötchen und andere Backwaren. Sie hat auch schon Puderzucker und Salatwürze oder Feines Meersalz unter "Give" verschenkt.

"Ich hätte nie gedacht, dass das Ganze so gut ankommt", freut sich die Studentin. Die Corona-Krise hindere die Menschen nicht an der Nutzung des Tauschportals. Die Teilnehmer beachten die Hygienevorschriften. "Die Sachen sind verpackt und können kontaktlos an der Haustür abgeholt werden." Das Konzept lockt auch bekannte Kelkheimer Gesichter, wie Grafikdesignerin und Künstlerin Christina Eretier oder die Vorsitzende des Kelkheimer Ausländerbeirats Mafalda Pinto-Schneider an. Sie sind unter den mehr als 170 Mitgliedern.

Wer Nahrung nicht einfach wegwerfen möchte oder Bedarf an Essbarem hat, findet die neue Gruppe unter dem Namen "Foodsharing Kelkheim/Liederbach" bei Facebook. Esther fuchs

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