Sozialwohnungsbau

Kosten für Mehrfamilienhaus steigen auf 2,36 Millionen

  • schließen

Für 6 der 16 Einheiten steht die Miete fest: Sie soll bei 7,50 Euro liegen, für die anderen Wohnungen wohl bei 8,50 Euro.

Immer wieder rieben sich Besucher und Ausschuss-Mitglieder erstaunt die Augen. Auch das Wort „Luxus“ fiel. In der Tat ist das Gebäude für bezahlbaren Wohnraum, das die Gemeinde in der Heidesiedlung bauen lassen will, kein Haus von der Stange. Barrierefreiheit, Aufzug, eigener Strom von der Photovoltaik-Anlage, besonderes Belüftungssystem und Lärmschutz wegen der Nähe zur Straße: Am Höhenweg bleibt fast kein Wunsch offen.

Gewünscht hätte sich die Gemeinde, dass alles schneller geht. Schon seit gut vier Jahren ist das Haus ein Thema, nun erst konnte der Bauantrag eingereicht werden. Der Förderantrag für Mittel des Landes soll bald gestellt werden. Bauamtsleiter Oliver Bauch kündigte den Baubeginn für 2019 an. Für Bürgermeisterin Eva Söllner ist es ein „Leuchtturmprojekt“, weil ein energetisch vorzeigbares KfW40+-Haus entstehen soll, das 60 Prozent weniger Energie verbrauchen soll als ein Referenzobjekt. Thomas Kandziorowsky (FWG) kritisierte: „Wir haben das Projekt schon vier Jahre in der Mache. In der Zwischenzeit baut Frankfurt ganze Stadtteile neu.“ Auch die Rathauschefin ärgert sich über den Ablauf. In der gemeinsamen Sitzung des Bau- sowie des Haupt- und Finanzausschusses betonte sie aber: „Wir haben nichts verschleppt, haben keinen Anteil an dieser Verzögerung.“ Knackpunkt waren die Verhandlungen mit dem Bund, dem ein Teil der Grundstücke gehörten. Es dauert allein gut ein Jahr, bis ein Wegerecht eingetragen war – denn das Haus wäre sonst nicht erreichbar.

Die Verzögerungen haben sich auf die Kosten ausgewirkt. Waren es vor gut einem Jahr noch 2,2, so sind es nun 2,36 Millionen Euro. Laut Architekt Ralf Lambert vom Idsteiner Büro Guckes und Partner sei das der Baukonjunktur geschuldet. Diese sei „überproportional angezogen“. Zudem musste die Finanzierung auf zwei Banken aufgeteilt werden, zum Teil stiegen inzwischen die Zinsen. Unter dem Strich bleibt der Kommune wohl ein Überschuss von rund 12 000 Euro im Jahr – keine große Summe mit Blick auf Instaldhaltungskosten. Allerdings sei das Haus ja „kein Renditeobjekt“, so Lambert.

Deshalb sollen die Mieten sehr moderat sein. Für 6 der 16 Wohnungen ist ein Preis von 7,50 Euro pro Quadratmeter laut Förderung vorgegeben. Diese Sozialwohnungen liegen 25 Jahre in der Bindung. Bei 10 Einheiten hat die Gemeinde schon jetzt alle Möglichkeiten – aktuell ist an 8,50 Euro gedacht.

An der Bauweise und Ausstattung hat sich laut Lambert nicht mehr viel verändert. Es entstehen vier Drei-Zimmer- mit je 74, acht Zwei-Zimmer-Wohnungen mit je 44 und weitere vier mit je 60 Quadratmetern auf den vier Geschossen. In Richtung Straße soll es einen Laubengang und Schallschluck-Decken als Lärmschutz geben. Die Nebenräume Küche und Bad sind auf dieser Seite geplant. Es ist eine spezielle Ventilatoren-Lüftung durch Mauerkästen vorgesehen, wonach die Fenster im Sommer geschlossen bleiben können. Lambert betonte aber, dass der KfW40+-Standard in diesem Haus nur so gut sei, wie die Mieter sich an die Vorgaben dazu halten.

In Sachen Energie will die Gemeinde mit der Mainova zusammenarbeiten, die ihr Konzept vorstellte. Es sieht eine Photovoltaikanlage mit 45,5 KW Peak-Leistung vor – deutlich mehr, als gebraucht wird. Dieser Strom wird im Haus eingespeist und soll den Mietern zum günstigeren Preis angeboten werden. Diese könnten immer noch den Anbieter frei wählen, betonte die Mainova. Allerdings sei das Projekt nur ab 12 bis 14 teilnehmenden Wohneinheiten wirklich rentabel. Neben dem Mieterstrom gibt es noch das Wärme-Contracting über einen Batteriespeicher. Hier zahlt die Gemeinde einen Baukostenzuschuss von 15 000 Euro, so dass pro Monat weit unter 20 Euro an Wärmekosten auf die Mieter zukommen sollen. Dritter Baustein und für KfW 40+ gefordert, ist ein Display in den Wohnungen. Hier können die Mieter genau ihren Verbrauch und den „Tabellenplatz“ zu den Nachbarn verfolgen. So eine Visualisierung solle dazu animieren, „bewusster mit Energie umzugehen“, betont die Mainova. Sie schafft die Möglichkeiten, hier am Haus Ladestationen für Elektroautos anzubringen. Die Leerrohre für Parkplätze werden schon gelegt. Vorteil für die Gemeinde: Die Mainova installiert und wartet die Anlagen.

(wein)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare