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Den Zollstock und ihre Sicherheitsfibel hat Sabine Hoff immer dabei. Hier schaut sie sich eine der Produktionslinien bei Coca-Cola in Liederbach genau an.

Weltfrauentag

Keine Männerdomäne mehr: Sabine Hoff aus Liederbach managt Arbeitssicherheit bei Coca-Cola

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Ein Berufsbild im Wandel: Früher war der Bereich Sicherheit in Firmen mehr technisch geprägt, heute kommt es viel auf Prävention und Beratung an. Und so drängen auch mehr Frauen in dieses Bild. Eine davon ist Sabine Hoff.

„Arbeitssicherheit soll ja nicht kontrollierend sein. Es soll Spaß machen, in Fleisch und Blut übergehen.“ Sabine Hoff weiß, wovon sie redet. Die Sicherheit in Betrieben – das ist schon seit vielen Jahren das berufliche Metier der Liederbacherin. Inzwischen hat sie auch ein Heimspiel: Seit eineinhalb Jahren ist die zweifache Mutter die Fachkraft für Arbeitssicherheit bei Coca-Cola am Sindlinger Weg. Sie schaue, dass die gut 400 Mitarbeiter jeden Tag „gesund und sicher nach Hause kommen“. Denn sie weiß: Ihr Job sei nicht dazu da, „um den Leuten das Leben schwer zu machen – er rettet ihnen im schlimmsten Fall das Leben“.

Das Treppen-Beispiel

Arbeitssicherheit in Betrieben – das war vor vielen Jahren noch ein eher stiefmütterliches Thema und vor allem von Männern dominiert. Denn damals seien eher technische Probleme an Maschinen zu lösen gewesen. Inzwischen sei vieles automatisiert, dass hier nicht nur mehr der Fokus liege, weiß Sabine Hoff, die Verfahrenstechnik studiert und bei einem anderen großen Konsumgüterhersteller auch in diesem Bereich gearbeitet hat. Längst gehe die Aufgabe mehr „in Richtung Beraten, Motivieren, Überzeugen“. Vieles sei Prävention, damit Unfälle auch in produzierenden Betrieben erst gar nicht mehr passieren. So sind an den Treppen mehrere Aufkleber zu sehen. Sie fordern auf, den Handlauf zu benutzen. Denn rund 30 000 Unfälle ereignen sich jedes Jahr in Deutschland auf Treppen, weiß die 47-Jährige – und sogar 1000 davon enden tödlich.

Bei Coca-Cola läuft meist alles glimpflich ab – das soll laut Sabine Hoff auch so bleiben. Sie ist der Betriebsleitung angegliedert – ein Zeichen, dass dieses Thema hier einen hohen Stellenwert hat. Es gibt ein Programm im Konzern, um Probleme zu ermitteln und Maßnahmen einzuleiten. Ganz wichtig sind längst die psychischen Gefährdungen, deshalb achte sie auf ein gutes Klima. Sie lasse sich zum Beispiel von einem Mitarbeiter die Maschine und deren mögliche Tücken erklären – und mache ihm keine Vorschriften. Und dann werde gemeinsam geschaut, wie ein Arbeitsplatz noch ein bisschen sicherer gemacht werden kann. Das alles hat sie auch in ihrer Zusatzausbildung als Fachkraft für Arbeitssicherheit mitgenommen. Bei Coca-Cola fühle sie sich nun superwohl, genieße die Flexibilität im Job und freue sich, „den Kulturwandel voranzutreiben“ in dem Segment.

Den hat es auch mit Blick auf die Geschlechter gegeben. Die Produktion sei immer noch sehr „männerlastig“, in der Arbeitssicherheit kommen aber mehr Frauen zum Zuge, weiß sie. Wie überhaupt im Konzern Coca-Cola weibliche Führungskräfte im Aufwind sind. Es gebe in Deutschland immerhin zwei Betriebsleiterinnen und mehrere Produktionsleiterinnen, berichtet Sprecherin Christina Witt. „Der Trend zu mehr Vielfalt ist das, was wir uns wünschen.“ Und das gelte nicht nur für Frauen, sondern auch für Jung und Alt oder verschiedene Nationen.

Lärmschutz verbessern

Die gebürtige Hamburgerin Sabine Hoff ist froh, hier vor der Haustür beruflich Fuß gefasst zu haben. Aktuell arbeitet sie mit daran, den Lärmschutz bei Coca-Cola weiter zu verbessern. Gerne ist sie meist jeden Tag im ganzen Betrieb unterwegs. Dass sie dazu mehrere Male die Sicherheitsausrüstung mit Haarnetz, Ohrstöpsel und Kappe an- und wieder ausziehen muss, stört sie nicht. Das sei ein Automatismus, den sie gerne mit vorlebe. Die Freizeit wiederum gehört der Familie, den Freunden, den Hobbys Laufen und Skifahren.

Was Sabine Hoff von einer festen Frauenquote in Betrieben hält? Das sollte es „nicht auf Teufel komm raus“ geben, findet sie. Bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf habe sich schon viel getan, das gesellschaftliche Bild verändere sich weiter. „Da sind wir auf dem richtigen Weg.“ Sie würde sich aber schon wünschen, dass mehr Mitarbeiterinnen den Weg auch in ihr berufliches Segment finden. Denn Arbeitssicherheit ist am Internationalen Frauentag 2019 schon längst keine reine Männerwirtschaft mehr.

(wein)

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