Im November 2020 protestierten die Mitarbeiter von Coca-Cola vor der Niederlassung am Sindlinger Weg gegen die Schließung des Betriebs. Ihre Plakat-Hoffnung "Coca-Cola muss in Liederbach bleiben" war aber nur ein frommer Wunsch.
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Im November 2020 protestierten die Mitarbeiter von Coca-Cola vor der Niederlassung am Sindlinger Weg gegen die Schließung des Betriebs. Ihre Plakat-Hoffnung "Coca-Cola muss in Liederbach bleiben" war aber nur ein frommer Wunsch.

Arbeitsplätze betroffen

Alle Jobs weg: Komplett-Aus für Coca-Cola in Liederbach – Umzug später als geplant

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Cola-Logistik zieht um. In Liederbach werden alle Jobs gestrichen. Der Umzug findet aber später statt als zunächst bekannt.

Liederbach – Anfang Oktober wurde die Hiobsbotschaft überbracht: Coca-Cola will seine Niederlassung in der Gemeinde Liederbach schließen. Der größte Arbeitgeber mit fast 400 Jobs hatte angekündigt, die Produktionslinie für große Einwegpfandflaschen nach Karlsruhe zu verlagern. Die Logistikaufgaben, das Getränkeautomatengeschäft, der Außendienst sowie die "Cold Drink Services" (technische Verkaufsgeräte wie Kühler, Automaten und Zapfanlagen) sollen spätestens zum 15. November 2021 an einem neuen Standort im Großraum Frankfurt angesiedelt werden. Das rund 70 000 Quadratmeter große Areal am Sindlinger Weg sollte komplett aufgegeben werden, hieß es.

Doch es gab noch Forderungen und auch Hoffnung, wenigstens einige Arbeitsplätze in der Gemeinde zu halten. Bürgermeisterin Eva Söllner sagte damals: "Wir können vielleicht erreichen, dass etwa die Büro-Arbeitsplätze bleiben." Das untermauerte sie einige Wochen später auch in den politischen Gremien: Natürlich wolle sie dazu beitragen, möglichst viele Stellen hier zu halten.

Coca-Cola zieht von Liederbach nahe an den Flughafen Frankfurt

Dieser Wunsch ist endgültig vom Tisch, wie die Coca-Cola European Partners Deutschland GmbH (CCEP DE) jetzt dieser Zeitung mitteilt. Der neue Logistikstandort werde in Mörfelden-Walldorf, "in unmittelbarer Nähe des Frankfurter Flughafens", entstehen, nennt der Konzern gleich einen Grund für den kompletten Abschied aus Liederbach. Der Mietvertrag für die Immobilie wurde am 19. März geschlossen.

"Der neue Standort ist verkehrsgünstig gelegen und erfüllt die Anforderungen sehr gut, die unser Logistikgeschäft mit sich bringt", sagt Arno Rube, Leiter der Logistikregion Südwest. In Mörfelden-Walldorf sollen bis zum Sommer 2022 die Logistikaufgaben, das Automatengeschäft und der telefonische Kundenservice der Rhein-Main-Region angesiedelt werden. Das heißt auch, dass der Umzug aus der Vortaunusgemeinde einige Zeit später - und nicht, wie zuerst angedacht, im November 2021 - über die Bühne gehen wird.

Coca-Cola: Weniger Stellen vom Aus in Liederbach betroffen

Die Tätigkeiten der Logistik-Bereiche werden bislang vom Produktionsstandort in Liederbach ausgeübt. "Dessen Betrieb wird aufgrund von fehlenden Ausbau- und Wachstumsmöglichkeiten eingestellt", nennt die CCEP erneut den Hauptgrund für das Aus des Standorts. Die Mitarbeiter des Verkaufs und der "Cold Drink Services" werden ihre Tätigkeit - wie zuvor auch - im Außendienst fortsetzen. Wegen des geplanten Neubaus in Mörfelden-Walldorf sei der Umzug an den neuen Standort daher erst bis zum Sommer 2022 vorgesehen.

Die Zahl der Arbeitsplätze, die von der Schließung des Standorts Liederbach betroffen sind, hat sich von 252 auf 235 reduziert, teilt CCEP-Sprecherin Christina Witt auf Anfrage mit. Davon werden insgesamt 51 Kollegen an anderen Standorten im Unternehmen antreten. Mit allen anderen Mitarbeitern "ist es uns bis auf eine Ausnahme gelungen, eine einvernehmliche Lösung zu vereinbaren - gemäß des Tarifvertrags ,Struktur'". Witt: "Sie erhalten ein finanziell attraktives Leistungspaket, das deutlich über dem Marktdurchschnitt liegt." Die CCEP ist mit einem Absatzvolumen von mehr als 3,5 Milliarden Litern (im Jahr 2020) das größte deutsche Getränkeunternehmen und beschäftigt rund 7000 Mitarbeiter.

Bürgermeisterin Eva Söllner hat die schlechte Nachricht am Mittwochnachmittag (24.03.2021) erhalten. "Ich hatte bis gestern gehofft", sagt sie. "Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Nun sind die Würfel gefallen." Die Politik werde jetzt entscheiden, wie es auf der Fläche weitergeht. Zwei Anträge zur Nutzung und zum möglichen Kauf liegen vor. "Die Gemeinde hat sich in jedem Fall bislang alle Optionen offen gehalten. Coca-Cola ist informiert", sagt Söllner. "Wir sind zu den zu klärenden Punkten mit Coca-Cola hier, aber auch mit dem für den Verkauf verantwortlichen Mitarbeiter in Berlin im Gespräch." (Frank Weiner)

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